Wie ein Weseler Bootshändler den Boom der Branche erlebt

Frank Cymara reist mit sechs Modellen auf der Messe an. Preislich geht’s bei 9000 Euro los
Frank Cymara reist mit sechs Modellen auf der Messe an. Preislich geht’s bei 9000 Euro los
Foto: MATTHIAS GRABEN
Frank Cymara ist seit neun Jahren als Aussteller auf der Messe „Boot“. Er hat das große Wachstum der Wasserportbranche dort direkt miterlebt.

Wesel.  „Wir sind optimistisch, dass die Boote noch rechtzeitig zur Messe ankommen werden“, sagt Frank Cymara und lacht. Drei der sechs Boote, die er bei der Messe „Boot“ in Düsseldorf ausstellen will, sind nämlich noch gar nicht da. „Sie werden aus Sizilien geliefert“, sagt der Bootshändler.

Wenn am kommenden Samstag die Türen der weltgrößten Wassersportmesse öffnen, wird Frank Cymara wieder mittendrin sein. Es ist seine mittlerweile neunte „Boot“ als Aussteller und ein fester Termin im Kalender. „Man muss schon da sein“, sagt der Weseler. Denn von den erwarteten 250.000 Besuchern, von denen viele eine weite Anreise auf sich nehmen, will Cymara einige als Kunden gewinnen.

„Nur die wenigsten meiner Kunden kommen hier aus der Ecke.“ Stattdessen finden sich in seiner Kundenkartei viele Adressen aus Süd- und Ostdeutschland, auch einige aus Österreich und den Niederlanden. Denn seine Boote können überall fahren, sagt er. Sie schippern auf dem Bodensee und der Mecklenburgischen Seenplatte genauso wie auf der Ostsee und dem Mittelmeer.

Frank Cymara verkauft den Bootstyp Sloepen

Seine Boote, die sogenannten „Sloepen“, sind kleine Schaluppen mit Außenbootmotor, die ursprünglich aus den Niederlanden stammen. Cymara lässt sie seit einigen Jahren in Norwegen entwerfen und in Polen bauen. Die endgültige technische Ausarbeitung erfolgt dann in seiner Werkshalle im Weseler Ortsteil Obrighoven.

Seit 2011 beschäftigt sich Frank Cymara beruflich mit Booten. Damals war er als Spediteur tätig und hatte Lagerfläche in seiner Halle frei. „Wir haben dann aus Spaß gesagt, dass wir ein paar Boote machen können.“ Aus dem Spaß wird schnell Ernst. Cymara wagt den Einstieg, bekommt Hilfe von seiner Frau Tanja und seiner Tochter Giuliana. Sie setzen auf Schlauchboote und sind kurz darauf zum ersten Mal als Aussteller auf der „Boot“ in Düsseldorf vertreten.

Wassersportbranche boomt

Dass es damals der Branche noch deutlich schlechter ging, merkte Cymara schon bei der Anmeldung. „Es gab Platz ohne Ende. Ich habe mich vier Tage vorher angemeldet und noch einen Stand bekommen.“ Heute undenkbar. Auf 20 Quadratmetern präsentiert der Weseler seinen Familienbetrieb „Bluecraft“ und schlägt überraschend gut ein. „Wir hatten damals gar nichts, nicht mal Visitenkarten oder Prospekte.“ Trotzdem wird er mehr als 35 Boote los und vergrößert bald seinen Messestand.

Die Messe „Boot“ in DüsseldorfGenau 110 Quadratmeter nimmt Cymara in diesem Jahr in der Düsseldorfer Messehalle 9 in Anspruch. Statt Schlauchbooten zeigt er nun seine Sloepen und die dazu passenden Motoren. „Schlauchboote macht mittlerweile jeder“, begründet der Weseler Bootshändler seine Entscheidung. Bereits seit Montag ist er mit den Aufbauarbeiten beschäftigt, wird während der zehn Messetage die ganze Zeit an seinem Stand stehen und Kunden beraten: „Man merkt danach schon, was man gemacht hat.“

Denn gerade Anfänger im Bootsbereich, auf die sich das Angebot des Weselers vornehmlich konzentriert, haben viele Fragen: „Eine Beratung kann dann schon mal drei Stunden dauern.“ Und Anfänger gibt es derzeit sehr viele.

Die Wassersportbranche wächst seit sechs Jahren in Folge, immer mehr wollen auf oder ins Wasser. Eine Entwicklung, die auch Frank Cymara beobachten kann. „Der letzte Sommer war genial. Auftragsmäßig sieht es sehr gut aus.“ Doch die Kunden werden nicht nur zahlreicher, sondern auch anspruchsvoller. „Die Kundenwünsche gehen nach oben. Boote sollen heute einen Komfortcharakter erfüllen.“ Das fängt bei der Farbe der Polster und der Bodenbeläge an und hört bei spezielleren Wünschen auf: „Wir haben auch schon Fernseher verbaut.“

 
 

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