Wie die Düsseldorfer Altstadt enger an den Rhein rückte

Während des Tunnelbaus ist der Verkehr auf das untere Rheinwerft umgeleitet. Aufgenommen 1991. Fotograf: Hans-Günter Eßer.
Während des Tunnelbaus ist der Verkehr auf das untere Rheinwerft umgeleitet. Aufgenommen 1991. Fotograf: Hans-Günter Eßer.
Foto: Stadtarchiv Düsseldorf
Selbst in Köln weiß man: „Die schönste Rheinpromenade hat Düsseldorf!“. 1990 begann der Bau des Rheinufertunnels in der Landeshauptstadt. Und nur dreieinhalb Jahre später wurde schon die Promenade eröffnet. Erholungssuchende und Spaziergänger wissen das zu schätzen.

Düsseldorf.. Bummeln am Rhein? Das war bis zu Beginn der 1990er in der Altstadt nicht so schön: Um ans Ufer zu gelangen, musste die Bundesstraße 1 überquert werden, auf der vierspurig von Nord nach Süd zwischen Altstadt und Rhein Autos fuhren. Und unterhalb am Rhein standen auf Parkplätzen Hunderte Autos dicht an dicht. Dort übrigens, wo in den 1960er-Jahren noch der Hafenbetrieb lief und mit großen Kränen Schiffe be- und entladen wurden. Die Altstadt sah am Rhein aus wie eine hässliche Industriestadt, nicht wie eine mondäne Landeshauptstadt.

Das hat auch der Stadtrat erkannt und sich seit 1976 mit dem Projekt Rheinufer befasst. So schön, wie wir es heute kennen, also mit Rheinufertunnel, Promenade und Gastronomie am unteren Rheinwerft, besteht es aber erst seit 1993.

Der Stadtrat hatte 1976 eine gutachterliche Untersuchung in Auftrag gegeben. Ergebnis: Hafen und Unteres Werft bis zur Oberkasseler Brücke wurden nicht mehr im alten Umfang für den Hafenumschlag benötigt. Damit war der Weg frei für die Planung zur Tieflegung der Rheinuferstraße.

Grundstein für das Jahrhundertprojekt

Als Folge wurden 1988 zunächst der Bereich um Kniebrücke, Hammer- und Kaistraße mit dem Bau des Landtags am Rhein und des Rheinparks mit dem Rheinturm umgestaltet und neu genutzt. Der Landtag hatte die Entscheidung für seinen Neubau mit dem Wunsch verbunden, die Rheinuferstraße als Tunnel zu planen und die störende Hochstraße vor dem Parlamentsgebäude wegzunehmen. Darüber gab es bereits 1979 eine schriftliche Verabredung zwischen dem Land und der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie war der Grundstein für das Jahrhundertprojekt „Rheinufertunnel“.

Am 17. Dezember 1987 fasste der Stadtrat den Beschluss zum Bau des rund 2000 Meter langen Tunnels, unter anderem mit SPD, CDU und Teilen der Grünen, die in dieser Frage zerstritten waren. In nur drei Jahren wurden unter Leitung von Erich Waaser die Entwürfe erarbeitet und die Planungsverfahren abgewickelt. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung erfolgte am 15. März 1990 der erste Spatenstich mit 1990 Liter Freibier.

Ein Meisterstück der Tiefbautechnik

Was dann folgte, stellt heute noch ein Meisterstück der Tiefbautechnik dar: Es entstanden ein System ab- und zuführender Röhren, unterirdischer Anschlusswerke im Bereich der Kniebrücke und kreuzungsfreier Verbindungen auf unterschiedlichem Niveau. Aufgrund des geringen Abstands der Altstadt-Bebauung zum Rhein wurden im nördlichen Bereich auf einer Länge von mehr als 1,2 Kilometern die beiden Tunnelröhren übereinandergelegt. Im Süden liegen die Röhren auf 800 Metern nebeneinander. In Höhe des Burgplatzes und an der Schulstraße kreuzen nördliche und südliche Düssel den Tunnel innerhalb der Zwischendecke und fließen weiter zum Rhein.

Für den Tunnel wurden rund 235.000 Kubikmeter Beton und 22.000 Tonnen Betonstahl verbaut. Rund 125.000 Lkw-Ladungen Erdreich wurden abtransportiert.

Mediterranes Lebensgefühl in Düsseldorf

Den früher vom Verkehr überfluteten Bereich vor der Altstadt haben Spaziergänger und Erholungssuchende längst für sich zurück gewonnen. Entlang der Promenade mit ihren blauen Gehweg-Platten, den markanten Platanenreihen und Bänken sowie der Freitreppe am Burgplatz entwickelt Düsseldorf im Sommer mediterranes Lebensgefühl. Und selbst in Köln gibt man unumwunden zu: „Die schönste Rheinpromenade hat Düsseldorf!“

 
 

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