Wenn das Geld fehlt

Das Krefelder Jugendthetaer Juckreiz spielte eine Familie, der das Geld zum Leben fehlt.
Das Krefelder Jugendthetaer Juckreiz spielte eine Familie, der das Geld zum Leben fehlt.

Hilden.  Rund 1500 Kinder in Hilden sind arm oder von Armut bedroht. Zehn Prozent der Familien müssen knapsen. Weitere zehn Prozent balancieren auf dem schmalen Grat zwischen „normal“ und „arm“. Um dagegen vorzugehen, trafen sich gestern rund 100 Menschen im Gemeindesaal der Erlöserkirche, Sankt-Konrad-Allee 76. Das Ziel beim zweiten Tag gegen die Kinderarmut definierte Ute Belz, die sich seit mehreren Jahren im Rathaus um Pro.Te.Kt kümmert: „Wir möchten möglichst an jeder Hildener Schule eine Handvoll Botschafter gegen Kinderarmut installieren.“

Pro.Te.Kt ist ein Leuchtturmprojekt

„Pro.Te.Kt“ – so heißen laut Google Pillen gegen Mangelernährung ebenso wie Sparfonds der Postbank. Vielleicht nicht der gelungenste Name, aber ein Leuchtturmprojekt. Denn in Hilden steht „Pro.Te.Kt“ für ein Konzept zur Bekämpfung von Kinderarmut, das vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert wird. Hilden gehörte 2011 zu den landesweit zehn ersten Städten, die in dieses Konzept aufgenommen wurden.

Die Idee dahinter ist einfach. Man muss die Bedürftigen eigentlich nur mit denen zusammenbringen, die ihnen helfen können. Von städtischen Hilfen, dem angefeindeten Hartz IV, dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung bis hin zu einem Hildener Sonderfonds, gespeist aus Spenden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten für die Armen. Eigentlich.

An genau dieser Stelle kommen die „Mittler“ und „Botschafter gegen Kinderarmut“ ins Spiel. Und erneut lohnt es sich, die Begrifflichkeiten erst einmal als solche zu akzeptieren. „Tatsächlich läuft ganz viel über einen persönlichen Kontakt. Über Menschen, denen man vertraut“, hat Nora Spiller gelernt. Sie kümmert sich mit drei weiteren Kollegen darum, dass das Bildungspaket tatsächlich auch bei den richtigen Empfängern ankommt. „Da muss man immer wieder darauf hinweisen, immer wieder präsent sein. Zeit haben und oftmals einfach nur zuhören“, sagt sie.

Hilflosigkeit und Wut

Denn da, wo es wirklich um etwas geht, reichen die seltsamen Begriffe der Sozialpädagogen nicht hin. Da fehlt das Geld für ein Paar Fußballschuhe. Oder eine Familie kann es sich nicht leisten, ihr Kind einen Schulausflug mitmachen zu lassen. Wie rasch solche Probleme eine Familie zerrütten können, führte die Krefelder Theatergruppe Juckreiz den Gästen gestern in einem knapp halbstündigen Theaterstück vor. Da waren die Hilflosigkeit und Wut zum Greifen nah. Was tun die, die nicht teilhaben können?

Nicht draufschlagen. Nicht saufen. Sondern einen geraden Rücken machen. Und sich helfen lassen. Das war die Botschaft des zweiten Tages gegen die Kinderarmut.

 
 

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