Waldi Gerhardt vereinigt Fortuna und Schalke im Herzen

Waldemar „Waldi“ Gerhardt trug in seiner Laufbahn nicht nur Königsblau, sondern auch Rot und Weiß.
Waldemar „Waldi“ Gerhardt trug in seiner Laufbahn nicht nur Königsblau, sondern auch Rot und Weiß.
Foto: Kai Kitschenberg
Der einstige Ausnahmestürmer Waldemar Gerhardt vereinigt zwei Fußballerherzen in einer Brust. Die Bundesliga erlebte der Kicker, der am Montag seinen 75. Geburtstag feiert, zunächst beim Heimatverein FC Schalke 04. Dann bei Fortuna Düsseldorf. Den Rothemden ist er bis heute leidenschaftlich verbunden.

Düsseldorf. Es gibt ganz wenige Fußballer mit „zwei“ Herzen in der Brust: Bei Waldemar Gerhardt schlägt eines für Schalke 04, das imaginäre zweite für Fortuna Düsseldorf. Am Montag wird der einstige Ausnahme-Stürmer 75 Jahre alt. Gratulieren und Danksagen kann man nur schwer. Denn „Waldi“, wie ihn alle nennen, hat sich ins Sauerland verzogen. Sekt und Pils in kleinster Runde.

Leider ist der Titel „Fortunas größter Spieler“ mit Paul Janes bereits besetzt: „Ein Leben für den Fußball!“ Auf Waldi Gerhardt trifft das ebenfalls voll zu. Bis heute rollt kaum irgendwo ein Ball, ohne sein Interesse zu wecken. „Doch ich mag auch anderen Sport. Vom Schwimmen bis zum Skilauf“, erklärte er noch in den vergangenen Tagen. Ehefrau Annemarie und Tochter Birgit können Notfalls in den Zeugenstand gebeten werden.

Im Schatten der Arena geboren

Alles begann damit, dass er als Achtjähriger 1947 beim FC Schalke 04 Mitglied wurde. Selbstverständlich, an der Uechtingstrasse im Schatten der alten Glückauf-Arena wurde der Knirps schließlich geboren. Er ließ früh sein Talent aufblitzen. Mit der A-Jugend wurde „Waldi“ Westdeutscher Meister. Schon 1958 gehörte er zum Kader der Königsblauen als Deutscher Meister, 29 Tore in drei Jahren Oberliga, neun Treffer und acht Vorlagen im ersten Jahr in der Fußball-Bundesliga 1963/64 – sagen die Zahlen.

1961 war Gerhardt auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Sepp Herberger und Helmut Schön suchten einen Linksaußen. Doch die Schalker unter Trainer Georg Gawliczek sahen Gerhardt lieber auf halblinks. „Waldi“ akzeptierte das. Zum eigenen Schaden.

Sein Wechsel 1965 zur Fortuna – Zufall oder Schicksal – passt in jeden Hitchcock-Krimi. Gerhardt war zu Verhandlungen mit dem FC Bayern München unterwegs. Fortunas Vorstand Georg Gebhardt und Heinz Hahn stoppten in Frankfurt die Fahrt an die Isar. Sie machten ihm ein günstiges Angebot, überzeugten oder überredeten den beidfüßig gut schießenden Stürmer.

Schon zum Aufstieg in die Bundesliga 1966 trug „Waldi“ erheblich bei. In der folgenden Abstiegssaison 1966/67 konnten aber auch seine zwölf Tore in dreißig Spielen den Absturz nicht verhindern. Es hagelte 66 Gegentreffer. Kein Klub hatte damals mehr.

Ein Beweis für den untadeligen Sportsmann Waldemar Gerhardt: Nie hat er vergessen, dass man ihn am 11. März 1967 zu Unrecht vom Platz gestellt hat. Wegen angeblichem Foul an Nürnbergs Torwart Wabra. Nach dessen günstiger Aussage für Gebhardt gab’s dann später einen Freispruch erster Klasse, doch die tiefe Wunde war da.

Bis 1969 „klingelte“ es bei seinen Treffern für Fortuna: 42-mal in 92 Spielen. „Ich wollte immer gewinnen“, vereinfacht Waldi sein Höchstmaß an Profi-Einstellung. Ein torgefährlicher Techniker, der auch beißen konnte, diese Analyse kommt den Tatsachen wohl am nächsten.

Sportlehrer in Holthausen

Wie’s weiterging? Bis 1972 beim FC Büderich, dann erfolgreicher Trainer bei Schwarz-Weiss Essen, VfB Remscheid und Viktoria Goch. Außerdem Sportlehrer an der Hauptschule Itterstraße in Holthausen, Dadurch haben auch viele junge Leute den einstigen Fortuna-Helden nicht vergessen. Wenn sie ihn irgendwo auf der Tribüne, in Rath oder im Grafenberger Wald treffen.

 
 

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