Vorbild "Feuerzangenbowle" - Augenarzt aus Düsseldorf macht Abitur ein zweites Mal

Der Düsseldorfer Augenarzt Eckhard Roth erfand einen falschen Lebenslauf und bestand als Autodidakt die Prüfungen. Nun fordert die Bezirkregierung das Zeugnis zurück.
Der Düsseldorfer Augenarzt Eckhard Roth erfand einen falschen Lebenslauf und bestand als Autodidakt die Prüfungen. Nun fordert die Bezirkregierung das Zeugnis zurück.
Foto: Eckhard Roth
Das Doppel-Abitur war für viele Schüler in NRW ein Ärgernis, jetzt ärgert sich auch die Bezirksregierung Düsseldorf über einen speziellen "Doppel-Abiturienten": Ein Augenarzt aus Düsseldorf machte seine Hochschulreife nach über 35 Jahren einfach ein zweites Mal. Und hat nun Ärger mit den Behörden.

Düsseldorf.. Es war ein freudiger Moment für viele Abiturienten: Nach vielen Stunden des Paukens hielt der doppelte Abijahrgang in diesem Sommer endlich sein Abschlusszeugnis in den Händen. Einer von ihnen war Eckhard Roth. Über den zweiten Bildungsweg hatte der 55-Jährige die allgemeine Hochschulreife am Oberhausener "Niederrhein-Kolleg" abgelegt.

Als Autodidakt, also im Selbststudium, brachte sich der gebürtige Gelsenkirchener den Oberstufen-Lernstoff bei. Denn: Als Jüngling wanderte er aus, reiste um die Welt und verdiente jahrelang mehr schlecht als recht sein Geld als Koch auf Kreuzfahrtschiffen.

Jetzt, zurück in Deutschland, erfüllte er sich seinen Wunsch vom späten Bildungsglück. Und hat das Abizeugnis mit der Durchschnittsnote 3,0 in der Tasche. Eine schöne Geschichte darüber, dass es niemals zu spät ist, mit etwas Neuem anzufangen. Und eine Geschichte, die von vorne bis hinten erlogen ist.

Düsseldorfer ist zweifach promovierter Augenarzt

Denn eigentlich ist Eckhard Roth niedergelassener Augenarzt in Düsseldorf. Sein Abitur machte er bereits 1976 am Geschwister-Scholl-Gymnasium am Volksgarten. Danach studierte er Medizin und Physik, promovierte und arbeitete als Augenarzt. Bis er im letzten Jahr auf die Idee mit der sehr verspäteten "Ehrenrunde" kam.

"Beim Kneipengang mit Freunden wurde über berühmte Absolventen unserer Schule geflachst", erinnert sich Roth. Wer ging auch auf das Gymnasium und ist heute weltbekannt? Und siehe da, die Runde fand einen: in Person von Heinrich Spoerl, Autor des Buches "Die Feuerzangenbowle" und Schüler der Vorgängerschule des Scholl-Gymnasiums, der Oberrealschule am Fürstenwall. Spoerls Buch handelt vom Schriftsteller Johannes Pfeiffer - in der Verfilmung gespielt von Heinz Rühmann -, der nie eine öffentliche Schule besuchen durfte und deshalb als "falscher Schüler" verkleidet wieder die Schulbank drückte.

Vorbild war Buch eines berühmten "Schulabgängers"

Was Pfeiffer kann, das kann auch ich - dachte sich Roth und schrieb sich bei der Bezirksregierung Düsseldorf zum Abitur ein: "Das schaffst du nie, haben meine Freunde gesagt, aber den Spaß wollte ich mir nicht entgehen lassen." Roth musste beim Schulamt vorstellig werden, seine Geburtsurkunde einreichen. "Dazu habe ich einen Lebenslauf erfunden und die Anschrift einer Freundin in Oberhausen hinterlassen", erklärt der Mediziner seinen Plan.

Die Bezirksregierung glaubte ihm und genehmigte den Zulassung zu einem "externen Abitur". "Roth hat uns in seinen Unterlagen glaubhaft und plausibel deutlich gemacht, warum er bislang keinen Schulabschluss in Deutschland vorweisen kann", sagt Bernhard Hamacher, Pressereferent der Bezirksregierung. Und fügt hinzu: "Das sind Einzelfälle, wir gehen dann auch davon aus, dass der Prüfling wahrheitsgemäße Angaben macht."

Roth besteht Abiprüfung mit 3,0 - und gar nicht so viel Arbeit

Der Rest war Lernen. Obgleich Roth gesteht, dass er so viel nicht habe machen müssen: "Ich habe nach Feierabend circa 150 Stunden lang "Buddenbrooks", Latein und Mathematik gelernt. Meine Abifächer haben nämlich ebenfalls die Kollegen ausgesucht." Im April ging es dann in vier schriftliche und vier mündliche Prüfungen (darunter Deutsch, Philosophie, Französisch, Mathe, Religion, Bio und Latein). Und Roth bestand mit 3,0.

Dass das zweite Abitur überhaupt aufgefallen ist, lag am Düsseldorfer selbst: "Ich habe ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mentor am Berufskolleg bekommen. Ich rief ihn an und gestand den ganzen Schwindel", zeigt sich Roth gewissenhaft. Der Oberstudienrat machte Meldung bei der Bezirksverwaltung.

Bezirksregierung verlangt Zeugnis zurück

Die fiel aus allen Wolken: "Aber wir mussten schon schmunzeln, als wir die Geschichte vom Düsseldorfer Augenarzt hörten", gesteht Hamacher. Nichtsdestotrotz muss Roth sein Zeugnis nun zurückgeben. Und das ist längst für ungültig erklärt worden.

Denn eine wichtige Prüfungsvoraussetzung war nie gegeben, so Hamacher, "nämlich, noch kein Abitur abgeschlossen zu haben." Auch, dass Roth mit seiner Prüfung einen Scherz auf Kosten des seriösen Schulbetriebes gemacht hat, findet die Düsseldorfer Regierung nicht sonderlich spaßig.

Der Aufforderung, das Zeugnis nun zurück zu geben, will Roth indes nicht nachkommen: "Das ist meine Trophäe." Auch davon weiß Hamacher bereits. Er schließt aber aus, dass es dann zu einem Gang vor Gericht kommen würde. Auf ein "Triple-Abi" aber sollte Roth verzichten, rät der Sprecher der Bezirksregierung: "Beim nächsten Mal lassen wir ihn nämlich direkt durchfallen."

 
 

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