Vor 70 Jahren wurde Düsseldorf in Schutt und Asche gelegt

Der Tag nach der Bombardierung Düsseldorfs zeigt das Ausmaß der Zerstörung in der Innenstadt, hier das Kaufhaus Tiertz an der Königsallee (heute Kaufhof an der Kö).
Der Tag nach der Bombardierung Düsseldorfs zeigt das Ausmaß der Zerstörung in der Innenstadt, hier das Kaufhaus Tiertz an der Königsallee (heute Kaufhof an der Kö).
Foto: Stadtarchiv Düsseldorf
Es war in der Nacht zum 12. Juni 1943, also vor genau 70 Jahren: Bei einem der heftigsten Fliegerangriffe auf Düsseldorf übersäten britische Einheiten die Stadt Düsseldorf von der Luft aus mit Bomben. 1300 Spreng- und etwa 225.000 Brandbomben fielen in diesen 80 Minuten auf die Stadt.

Düsseldorf.. Es war in der Nacht zum 12. Juni 1943, also vor genau 70 Jahren: Bei einem der heftigsten Fliegerangriffe auf Düsseldorf übersäten britische Einheiten die Stadt Düsseldorf von der Luft aus mit Bomben.

Besonders stark betroffen waren die Innenstadt, die Südstadt und Derendorf. Dieses Bombardement, das von 1.15 Uhr bis 2.35 Uhr dauerte, zerstörte oder beschädigte unter anderem 16 Kirchen, 13 Krankenhäuser, 28 Schulen und mehrere tausend Wohngebäude. 1300 Spreng- und etwa 225.000 Brandbomben fielen in diesen 80 Minuten auf die Stadt und verwandelten Derendorf, das Zentrum und die Südstadt in ein 40 Quadratkilometer großes Flammenmeer mit etwa 9000 Bränden.

Schloß Jägerhof brannte in dieser Nacht zum Pfingstsamstag ebenso aus wie die Tonhalle, der Malkasten, der Hauptbahnhof und das Schauspielhaus. Die Johanneskirche wurde schwer beschädigt, Teile ihres Dachs waren eingestürzt, die Orgel und das Gestühl brannten aus, die Fenster waren zerschlagen und der große Leuchter herabgefallen. Und die Königsallee war ein einziges Trümmerfeld. Mehr als 600 Menschen fanden in dieser Nacht den Tod, mehr als 3000 Düsseldorfer wurden verwundet.

Eine Krankenschwester berichtet: „Beim Pfingstangriff haben wir Tag und Nacht gearbeitet. Schon in der Nacht, als noch Bomben fielen, kamen die ersten Verwundeten. Da kamen Menschen, die hatten 20 bis 30 Bombensplitter im Körper. Viele waren an den Augen verbrannt. Ich habe auch Tote gesehen, große Männer, die verkohlt waren, bis auf die Größe eines Kleinkinds geschrumpft.“

Schlangen vor den Volksküchen

Und in der Pfarrchronik Sankt Suitbertus wird geschildert, was nach jedem größeren Angriff zu beobachten war: „Die Sonne ging auf über Sodom und Gomorra. Ich mag das Elend der heimatlos und mit einem Schlage arm gewordenen Menschen nicht schildern, die am Straßenrand saßen mit ihren wenigen Habseligkeiten, oft ganz unwichtigem Krempel, oder in Schlangen vor den Volksküchen standen, um ihren Napf Nudelsuppe oder ihren Pack Butterbrote entgegen zu nehmen. Wie viele wurden vom Verhängnis verfolgt, die Bomben „liefen ihnen nach“; kaum, dass sie wieder in einem anderen Stadtteil ein Unterkommen gefunden und sich mit Mühe und Not ein paar Möbelstücke oder etwas Kleidung und Wäsche besorgt hatten, da ging es wieder über sie her, drei- und viermal...“

Churchill sprach über Pfingstangriff

Dieser „Pfingstangriff“ führte selbst den verbissensten Anhängern der Nationalsozialisten vor Augen, dass von einer Sicherung deutscher Städte durch die deutsche Luftwaffe keine Rede mehr sein konnte. Auch dem britischen Premierminister Winston Churchill war dies nicht entgangen: Denn in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Londoner Ehrenbürgerrechts am 30. Juni 1943 ging er ausdrücklich auf den verheerenden Luftangriff vom Pfingstsamstag auf Düsseldorf ein: Dieser habe, so Churchill, die Überlegenheit der britischen Luftwaffe schlagend vor Augen geführt.

Luftangriffe auf Düsseldorf gab es bereits früher: Der 15. Mai 1940 markierte in der Düsseldorfer Stadtgeschichte einen größeren Einschnitt. An diesem Tag fielen die ersten Bomben auf die Stadt; zahlreiche weitere Angriffe sollten folgen und Düsseldorf am Ende des Zweiten Weltkriegs zu großen Teilen in Schutt und Asche gelegt haben. Waren vereinzelte Bombenabwürfe zu Kriegsbeginn noch Grund, mit Kind und Kegel Ausflüge zum Ort des Geschehens zu machen oder gar aus dem Bergischen Land an den Rhein zu fahren, um einmal einen Bombenangriff aus der Nähe miterleben zu können, so sollte sich dieser Sensationstourismus bald von selbst einstellen.

Zwei Angriffe im November 1943 und 1944 stellten den Höhepunkt des Luftkrieges dar, zerstörten bereits beschädigte Viertel und betrafen mit dem Zooviertel und den nördlichen Stadtgebieten auch solche, die bis dahin eher glimpflich davon gekommen waren.

Die Bevölkerung - hier vor allem die Kinder im Rahmen der „Kinder - Landverschickung“ - suchte, soweit möglich, Zuflucht auf dem Land in der näheren Umgebung, aber auch in Mainfranken, wo die Stadt Düsseldorf in Marktheidenfeld eine Barackensiedlung inklusive Kindergarten und Schule errichten ließ.

Kriegsende für Düsseldorf am 17. April

Doch es dauerte noch schreckliche, lange Monate, bis am 17. April 1945 mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen der Krieg für Düsseldorf endlich vorbei war…

 
 

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