Von Fototapeten und nichtssagenden Sätzen

Frank Dopheide begutachtet als Werbe-Profi in seiner Agentur kritisch die Wahlplakate der OB-Kandidaten.
Frank Dopheide begutachtet als Werbe-Profi in seiner Agentur kritisch die Wahlplakate der OB-Kandidaten.
Foto: Lars Heidrich
In nur 1,8 Sekunden muss ein Plakat den Betrachter fesseln, länger schaut er nicht hin, es sei denn, es weckt wirklich seine ganze Aufmerksamkeit. Das macht Frank Dopheide deutlich, und er weiß, worum es geht: Dopheide ist gefragter Kommunikationsprofi, war lange Jahre Chairman bei der Werbe-Agentur Grey, ist jetzt Gründer und Chef der exklusiven Agentur „Deutsche Markenarbeit“ mit Sitz an der Kö.

Düsseldorf.. Frank Dopheide analysiert für die NRZ die Großplakate der Spitzenkandidaten der Parteien für die Düsseldorfer OB-Wahl. Die Plakate der vielen Ratskandidaten standen nicht zur Kritik an – was bei oben abgeschnittenen Portraits oder kleiner Schrift für etliche Kandidatenplakate wohl ein Glücksfall ist. Aber auch die Werbung für die Spitzenkandidaten findet vor Dopheide kaum Gnade.

OB Dirk Elbers ist ja der amtierende Champion seit sechs Jahren, er hat einen hohen Bekanntheitsgrad , das hilft sehr“, so Dopheide zu den Plakaten des CDU-Amtsinhabers. „Und er ist durchaus fotogen, das hilft auch. Ihn groß zu inszenieren und auf seinen Namen zu setzen, ist natürlich richtig. Was irritiert: Er hat sich vorne inszeniert und hinten, wie eine Fototapete, beliebige Fotos genommen. Er hat nichts mit der Szenerie zu tun, er ist eindeutig ausgeschnitten und davor geklebt, er ist nie Teil der Szene. Dadurch wirkt das komplett belanglos. Er hat keine Bilder, die typisch für Düsseldorf sind, man weiß gar nicht: Wo sind die? Und es ist handwerklich schlecht gemacht, denn man sieht, dass es ausgeschnitten ist. Der Marktführer in Düsseldorf muss sich natürlich wie eine Premiummarke inszenieren, das muss High-End sein. Dadurch, das das hinten wie eine Fototapete aussieht, wie vor einen Palmenstrand gestellt, wirkt es in der Wahrnehmung ein bisschen billiger, als es seiner Marke gut tut.“

„Er bleibt in den Aussagen sehr belanglos: Wir sind die Sportstadt, wir sind die Kulturstadt ... also eigentlich sind wir alles, und wir können an nichts was festmachen. Es wäre klug gewesen, zu sagen, soundsoviele Kinder gehen kostenlos in den Kindergarten etcetera. Also: Das haben wir alles geschafft.“ Und zum Plakat zur Kulturstadt: „Die Tonhalle und Dirk Elbers ist jetzt nicht so das große Thema.“

Dopheides Fazit: „Vom Grundsatz also richtig gemacht, sind dann doch überraschend viele Fehler darin, es bleibt maximal ein befriedigender Auftritt.“

Zu den Plakaten des SPD-Kandidaten Thomas Geisel: „Geisel hat zwei große Startprobleme: Erstens kennt ihn keiner, er ist kein Düsseldorfer. Am Ende ist die OB-Wahl eine Vertrauenswahl, und Vertrauen bedingt auch Vertrautheit, heißt, ich muss ein Gesicht kennen, den Menschen, muss etwas mit ihm verbinden. Daher finde ich, das ist auf den Plakaten gut und richtig: Er muss sein Gesicht prominent inszenieren, das macht er gut, ist auch gut fotografiert und macht einen sympathischen Eindruck. Die Menschen müssen eine Vorstellung von ihm haben, das Gefühl, den hab ich schon mal gesehen. Geisel muss seinen Namen bekannt machen, den muss man nachher auf dem Wahlzettel wieder finden, daher ist der Name hier übergroß, das ist auch richtig.

Er hat in der oberen Zeile einen klugen Angriffspunkt gewählt: ‘Der richtige Oberbürgermeister für Düsseldorf.’ Und was ich clever finde: Er inszeniert sich als Radschläger. Das ist eindeutig Düsseldorf, und es verkörpert ein Lebensgefühl. Da ist Leichtigkeit, Lebensfreude drin. Das ist ein Motiv, das konnte der jetzige OB nicht machen. Geisel traut sich das. Und das ist insofern ein Beweis für seinen Slogan auf dem Plakat: Frische Kraft. Das gefällt mir gut.“

Zum zweiten Motiv: „Er ist auf den Fotos im Hier und Jetzt, inszeniert sich mit seiner Familie. Da sieht man fünf Kinder, das hat schon mal was mit dem Thema Verantwortung zu tun. Es ist authentisch, da ist viel Glaubwürdigkeit drin mit einer ganz normalen, lebendigen Familie. Das ist stimmig. Was nicht stimmig ist: Die plakativen Sätze, die darunter stehen. Zum Beispiel „Mehr Düsseldorf für Alle !“ da fragt man sich, was will er damit sagen?“

Dopheides Fazit: Die Grundausrichtung ist gut, die Inszenierung ist gut, diese Kernaussage ist schwach.

Zu den Plakaten von Miriam Koch, OB Kandidatin der Grünen:
„Frau Koch ist fotogen, auch gut fotografiert - und das ist schon das einzig Positive, was man zu dem Plakat sagen kann. Die Grünen haben ihre Themen verloren, denn „Gemeinsam Düsseldorf gestalten“ ... das können auch andere Parteien. Das Spezifische der Grünen, dass sie für irgendwas stehen, wie Respekt vor der Umwelt, eine andere Klimapolitik, all das ist nicht mehr zu finden. Man denkt doch: Grüne Politiker unterscheiden sich von allen andern durch eine Haltung, die kämpfen noch für etwas und gegen etwas, und das ist hier nicht mehr spürbar. Die Grünen könnten sagen, wir sind eine echte Alternative. Das ist ein schwacher Auftritt, bei dem man sagt: Wofür steht sie wirklich? Außerdem „Mehr Grün für hier“ in der Unterzeile – was soll mir das sagen?“

Es reiche nicht, ein attraktives Foto zu haben, der Betrachter müsse auch ein Gefühl dafür bekommen, was diesen Menschen außerdem noch ausmacht.

Zu den Plakaten von FDP-Ratsfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann als Unterstützer von Elbers:
„Bei der FDP richtig gemacht: Alle Kraft auf Frau Strack-Zimmermann. Sie hat eine hohe Wiedererkennbarkeit. Wenn man sie sieht mit den grauen Haaren und ihrem Schal, das ist so eine Art Markenzeichen geworden. Sich nicht in 1000 Motiven zu verzetteln und zu sagen, das ist meine Sache, und ich nehme den schönsten Blick auf die Stadt vom Oberkasseler Rheinufer auf die Altstadt, das ist stimmig. ‘Weiter stark für Düsseldorf’ ist eine klare Aussage. Nicht gut: Die gesamten Überschriften, weil sie, glaube ich, nicht den Nerv der gesamten Zielgruppe treffen. Man hat ja nicht das Gefühl, dass Düsseldorf asozial wird“, meint Dopheide zum Slogan „Unsere Stadt muss sozial bleiben.“

Fazit: „Handwerklich in der grafischen Aufbereitung gut, aber die Strategie und die Aussagekraft ist schwach.“

 

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