Verkehrsexperte fordert mehr Platz für Drahtesel

Auf den Straßen in der Düsseldorfer City wird es mitunter für Radler sehr eng.
Auf den Straßen in der Düsseldorfer City wird es mitunter für Radler sehr eng.
Foto: Kai Kitschenberg
„Was soll das!?“ Kai Lenßen schaut auf eine Litfaßsäule an der Prinz-Georg-Straße und schüttelt den Kopf. Auf dem großflächigen Plakat ist die dicke Bremsspur eines Autoreifens über einem verzerrten Fahrradpiktogramm zu sehen. „Dieses Bild soll schockieren, aber das tut es nicht“, sagt der bekannte Düsseldorfer Verkehrspsychologe.

„Und selbst wenn es schockieren würde, dann hält ein solcher Effekt nicht lange an.“ Lenßen macht keinen Hehl daraus: Von der von Stadt, Verkehrswacht und Polizei initiierten Kampagne hält er ziemlich wenig.

Der 2005 ins Leben gerufene städtische Verkehrsentwicklungsplan kommt in zwei Jahren zum Tragen. „Bislang ist aber in der Stadt in dieser Hinsicht noch nicht allzu viel passiert“, sagt Lenßen, der sich eine bessere Strategie wünscht, als „Plakataktionen, die nur den Werbeagenturen nützen“. So fragt sich der 51-Jährige: „Wo sind zum Beispiel breite, einladende Fahrradstraßen? Haben Sie mal gesehen, wie eng es für Radler zwischen parkenden Autos und dem fließenden Verkehr oder den Straßenbahnen ist?“

Leute sind überfordert

Für Düsseldorfer auf Drahteseln existieren in der Stadt zahlreiche Gefahrenquellen: rücksichtslose Autofahrer, Zweite-Reihe-Parker, Konflikte auf gemischten Fußgänger- und Radwegen, Bahnschienen, zu wenig Platz auf Querungshilfen. Besonders gefährlich seien die widersprüchlichen Signale an Gleisüberquerungen, an denen es in Düsseldorf zuletzt nicht nur einmal tödliche Unfälle gab. Lenßen zählte jüngst im gesamten Stadtgebiet mehr als 200 dieser Gleisüberquerungen. „Und an den meisten sind die Leute überfordert.“

Der Verkehrsexperte sieht ohnehin dieses grundsätzliches Problem: „Der Straßenverkehr sorgt bei den Teilnehmern für eine hohe kognitive Belastung. Gleichzeitig machen sich die Leute auf der Straße immer mehr weg, in dem sie mit Kopfhörern unterwegs oder ständig mit ihrem Handy beschäftigt sind.“

Der Experte fordert, „die Stadt kindersicher und nicht allein die Kinder verkehrssicher zu machen“. Außerdem können „Kinder als Verkehrsdetektive fit gemacht und eingesetzt werden“. Dies habe gleich zwei Effekte: „Die Kids werden spielerisch mit den Situationen auf der Straße konfrontiert und die Erwachsenen nehmen sich die Hinweise echt zu Herzen.“

Zudem wäre wünschenswert, so Lenßen, „wenn sich die Fachleute aus der Verwaltung mal selbst einen Tag lang aufs Rad setzen würden und schauen, was in Düsseldorf los ist“.

Die NRZ hat genau das gemacht und sich die neuralgischen Punkte in der City angeschaut.

 
 

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