Unterwegs ist es am schönsten

Nach einem langen Messetag genießt er mit Christiane Deiter den Abend.
Nach einem langen Messetag genießt er mit Christiane Deiter den Abend.
Für rund 45 000 Aussteller und Besucher wird die Messe „Caravan Salon“ zum Campingabenteuer.

Düsseldorf. Wenn man Jost Kampmann zuhört, der als Ordner auf dem Parkplatz-Areal um die Messehalle am Rhein arbeitet, sind es Wohnwagen „ohne Ende“, die den rund 3000 Stellplätzen zugewiesen werden müssen. Pünktlich zu Beginn der Campingmesse „Caravan Salon“ verwandelt sich vor allem der Parkplatz P1 in einen großen Campingplatz.

Auf Komfort muss niemand verzichten. 800 Stellplätze verfügen über einen elektrischen Anschluss. Die Mehrheit der Caravanbesitzer müssen ohne Strom auskommen. Aber auf der Anlage gibt es Duschen, Toiletten und eine Entsorgungsstation. Ein Shuttlebus fährt die Camper zur Messehalle und in die Altstadt.

50 Jahre alt wird der „Caravan Salon“ in diesem Jahr - genauso alt wie die Ehe von Christa und Jürgen Hahn (71). Für das Ehepaar aus dem Erzgebirge ist es der erste Besuch auf der Campingmesse. Bevor sich die beiden auf den Weg in die Ausstellungshalle machten, um sich über die Neuheiten rund um das Wohnen auf Rädern zu informieren, mussten sie sich am Montagabend erst einmal von 600 gefahrenen Kilometern erholen. Das Wohnzimmer vor dem Wagen ist schnell aufgebaut: Klappstühle, und -tischchen und zwei Flaschen Bier aus der Heimat. Die paar Sonnenstrahlen spenden nur bedingt Wärme, eignen sich aber gut als Außenbeleuchtung.

Erstes Wohnmobil mit 70

Seit letztem Jahr sind die reiselustigen Rentner Besitzer eines Wohnmobils. Kurz nach ihrer goldenen Hochzeit, mit 70 Jahren, erfüllten sie sich den lang gehegten Traum. Seit sie mit 17 das erste Mal zusammen zelten waren, hat sie die Begeisterung für das Herumreisen und Wohnen in der Natur nicht mehr losgelassen. „Als wir in den Ruhestand kamen, haben wir beschlossen, uns den Luxus zu gönnen, den so ein Wohnmobil mit sich bringt“, sagt Jürgen Hahn und tätschelt die Hand seiner Frau. Christa Hahn lächelt. „Wir sind jetzt unabhängiger und wenn es uns in Deutschland zu kalt wird, fahren wir einfach nach Südtirol“, fügt sie hinzu.

Auf die Idee, mit dem Wohnwagen vor der Kälte zu fliehen, kommen viele deutsche Rentner. „Der Caravan Salon ist für viele die letzte Station, bevor es zum Überwintern in den Süden geht“, erzählt ein Aussteller, der es sich mit seiner Pfeife im Außenwohnzimmer von Christa und Jürgen Hahn gemütlich gemacht hat. Es seien vor allem das Gemeinschaftsgefühl und die gute Stimmung, die jedes Jahr zahlreiche Übernachtungsgäste auf den Parkplatz 1 vor dem Messegelände ziehen. Auch die Preise dürften eine Rolle spielen. Mit 22 Euro für den elektrisch versorgten Stellplatz passen sie vielen besser ins Budget als die Kosten für ein Hotelzimmer.

Die Fahrzeugübernachtungen in diesem Jahr übersteigen die 25 000 vom letzten Jahr deutlich. Andrea Eppert, Sprecherin des „Caravan Salon“, schätzt die Zahl der Camper in diesem Jahr auf rund 45 000 Personen. „Wir wissen schon gar nicht mehr, wo wir die alle unterbringen sollen“, lacht Ordner Kampmann. Beschweren will er sich nicht, er liebt den Job auf der Campingmesse: „So eine gute Atmosphäre wie jetzt hast du hier das ganze Jahr über nicht“.

Biertischgarnitur im Gepäck

Die Ausstellung selbst steht für einige gar nicht im Vordergrund. „Es ist sowieso jedes Jahr das Gleiche, wenn man es genau nimmt“, findet Dieter Tischer aus Würzburg, der mit Familie und Mitarbeitern seiner Firma schon vier Tage vor dem offiziellen Beginn der Messe angereist ist. Die Reisegruppe hat sich eine Biertischgarnitur mitgebracht. Es gibt Schnitzel und Kartoffelsalat, Sohn Philip zapft frisches Helles von zu Hause. Das Fass ist bequem im Wohnmobil integriert. Wer nicht genug Platz zum Kochen im eigenen Wagen hat, läuft einfach ein paar Schritte zum Festzelt. Das ist seit dem Umzug des „Caravan Salon“ von Essen nach Düsseldorf 1994 fester Bestandteil der Messe. Hier gibt es Bratwürste, Spießbraten und Altbier. Auf dem Musikprogramm stehen „Oldiethek“ und „Kärnseife“, die „Mönchguter Fischköpp“ versprechen „norddeutsche Folklore und Stimmung pur“. Aber um Mitternacht ist Schluss, dann werden in den Wohnmobilen die Betten ausgeklappt.

 
 

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