Umrüstung der Gaslaternen in Düsseldorf zu teuer?

Von diesem Gaslaternen-Typ (Modell Frankfurt) gibt es in Europa nur noch 200 Exemplare. Sie stehen im Düsseldorfer Hofgarten. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Von diesem Gaslaternen-Typ (Modell Frankfurt) gibt es in Europa nur noch 200 Exemplare. Sie stehen im Düsseldorfer Hofgarten. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
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Düsseldorf.. Im Streit um die Düsseldorfer Gaslaternen hat sich nun der Bund der Steuerzahler NRW eingeschaltet. Er will wissen, ob die Umrüstung von Gas auf Strom tatsächlich sinnvoll und finanziell vertretbar ist.

Das Rathaus Düsseldorf wurde um eine Stellungnahme zum Thema Gaslaternen gebeten. Es geht um den Bund der Steuerzahler, der wissen will, ob die Umrüstung von Gas auf Strom sinnvoll und finanziell vertretbar ist. „Hier soll sehr viel Geld ausgegeben werden. Und deshalb haben wir Fragen an die Stadt Düsseldorf“, erklärt Andrea Defeld, Sprecherin des Steuerzahler-Bundes auf Anfrage der NRZ.

Die Initiative „Pro Gaslicht“, die sich für den Erhalt aller 17.000 Gaslaternen und die Eintragung in die Unesco-Liste als Weltkulturerbe einsetzt, spricht von einer gigantischen Summe, die insgesamt für den Umbau nötig wäre: 140 Millionen Euro! „Wir haben Zahlen aus Frankfurt, wo der Austausch einer Laterne über 8000 Euro kostet“, betont Initiativen-Sprecher Georg Schumacher.

Nach sieben Jahren amortisiert

Der Bund der Steuerzahler hakt nach und möchte von der Stadt eine Kostenaufstellung. Erst dann könne bewertet werden, ob die Investitionen langfristig zu den erhofften Einsparungen führt. Das städtische Verkehrsmanagement schätzt, dass sich die Kosten für die Umrüstung von angeblich 4000 Euro pro Laterne nach sieben Jahren amortisieren. Die Initiative dagegen: „Das rechnet sich überhaupt nicht. Außerdem sind unsere Gaslaternen noch einem guten Zustand. Auch die Fundamente und Masten sind völlig in Ordnung“, so Schumacher.

Nach dem Masterplan „Energieeffiziente Straßenbeleuchtung“, den der Rat am 15. Dezember beschließen soll, werden bis 2015 über 1400 Gaslaternen abgeschaltet. Die Leuchten in den Gründerzeitvierteln sind davon erstmal ausgenommen. Langfristig müssten binnen zehn Jahren 10.000 Gaslampen ausgetauscht werden, heißt es. Man gehe davon aus, das die Technik in einigen Jahren so weit ausgereift sei, „um auch historische Leuchten gestaltvertraglich umzurüsten und mit energiesparender Technik zu erhalten.“

Gaslicht für Hauptstraßen zu dunkel

Ganz so weit - wie im Masterplan vorgegeben - wird die Politik nicht gehen. CDU und FDP bewegen sich auf eine gemeinsame Linie zu: Danach bleiben, so will es auch der OB, die 4300 „Alt-Düsseldorf“-Leuchten in den Gründerzeitvierteln erhalten. Ebenso die 200 Park-Laternen („Modell Frankfurt“), die nach Aussagen des städtischen Denkmalschutz-Chefs Jörg Heimeshoff „vermutlich in Europa nirgends sonst mehr anzutreffen“ sind. Die Liberalen wollen, dass die Wohnviertel vorerst nicht angetastet, sondern nur an Hauptstraßen die Gasleuchten demontiert werden. „Das halten wir aus Gründen der Sicherheit für nötig. Gaslicht ist für Hauptstraßen zu dunkel“, meint FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus. Vor einer Diskussion über einen großräumigen Denkmalschutz müsse erst in den Stadtteilen geklärt werden, ob und wo die Anwohner das Gaslicht weiter haben wollen. Umgekehrt gilt ebenso: Vor einer Umrüstung müssen die Anlieger informiert und die Bezirksvertretung beteiligt werden.

Einzigartig, herausragend

Die Initiative „Pro Gaslicht“ fordert, dass der Rat den Umrüstungsbeschluss vertagt, damit die Experten genug Zeit bekommen, den historischen Wert zu beurteilen. Jörg Heimeshoff hat seine Meinung bereits kundgetan: Er hält den Bestand „für schützenswert“. Zumindest in den historischen Stadtteilen sollte die Gasbeleuchtung bleiben, sagte der Denkmalschützer gestern im Kulturausschuss. Dass Düsseldorf insgesamt einen derart großen Bestand hat, hält er für ein „herausragendes Alleinstellungsmerkmal“. Diesen Aspekt wird der Bund der Steuerzahler bei seiner Einschätzung mit berücksichtigen „Düsseldorf hat etwas, das es sonst nicht gibt. Andere Städte investieren viel Geld, um etwas Einzigartiges zu bekommen“, so Andrea Defeld.

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