Tickets unterm Ladentisch?

Floßvergnügen auf dem Abenteuerspielplatz in Eller. Auch hier steigen alljährlich die vom Jugendamt organisierten Ferienfreizeiten
Floßvergnügen auf dem Abenteuerspielplatz in Eller. Auch hier steigen alljährlich die vom Jugendamt organisierten Ferienfreizeiten
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.  Andreas Kramer hatte seinen beiden Kindern bereits früh in diesem Jahr versprochen, dass sie im Sommer bei der Ferienfreizeit in der Garather Jugendeinrichtung an der Lüderritzstraße mitmachen können. Und natürlich hatten sich Andre (6) und Pascal (14) schon lange auf diese Sommersause gefreut.

Damit nichts schiefgeht, hat sich Papa Kramer im Vorfeld genau informiert und sich schließlich an das gehalten, was auf der Internetseite des Jugendamtes stand und was man ihm in der Einrichtung mitgeteilt hatte: Kommen Sie am 16. Mai um 16 Uhr zu uns ins Freizeitzentrum, dann können Sie Ihre Kinder anmelden. Papa Kramer wollte nichts dem Zufall überlassen, kam am besagten Tag schon um 15 Uhr, um sich anzustellen – und guckte in die Röhre. Alle Plätze weg! „Die haben mir erklärt, dass an diesem Tag schon um 13 Uhr so genannte Wartemarken verteilt worden seien, weil der Andrang so groß war.“

Ist doch klar, was der Familienvater denkt: „Was ist das für ein Chaos beim Jugendamt? Werden jetzt schon Ferienfreizeiten unterm Ladentisch verhökert? Offenbar hat man als normale, steuerzahlende Familie überhaupt keine Chance mehr, einen Platz zu reservieren. Irgendwelche Wartemarken wurden mir gegenüber im Vorfeld mit keiner Silbe erwähnt!“

Die Stadtverwaltung bedauert den Vorfall. „Das Procedere mit den Wartemarken ist kein festes System, sondern wird wirklich nur in seltenen Einzelfällen angewandt“, erklärt Stadtsprecher Volker Paulat. In Garath sei an jenem Tag so viel los gewesen, dass die Organisatoren vor Ort sehr früh Wartemarken an die Väter und Mütter verteilen mussten, um der Lage Herr zu werden. „Um 16 Uhr konnten dann nur noch Ferienfreizeittickets an diejenigen Familien verkauft werden, die schon eine Wartemarke hatten.“

Davon kann sich Familie Kramer, bei der beide Elternteile berufstätig sind und somit auf die städtische Ferienfreizeit angewiesen, jetzt wenig kaufen. Immerhin: Andre und Pascal haben einen Ersatzplatz für die ersten drei Ferienwochen jeweils von neun bis 16 Uhr an den Werktagen bekommen – allerdings in einer Einrichtung des Jugendamtes im Stadtteil Eller. Für die Garather Familie ein ungleich höherer logistischer Aufwand: „Da geht morgens und nachmittags viel Zeit für die Fahrt hin und zurück drauf“, sagt Andreas Kramer.

Das Jugendamt versuche stets, dass Eltern ihre Kinder über die Ferien in den gewünschten Einrichtungen unterbringen können. „Es klappt auch in den meisten Fällen“, sagt Stadtsprecher Paulat. „Und wenn nicht, kommen die Kinder woanders unter.“ Pro Jahr machen rund 2500 Mädchen und Jungen bei den städtischen Ferienfreizeiten mit. Da decke sich Angebot und Nachfrage. Dass einzelne Einrichtung, wie die in Garath, derart überlaufen seien, sei, so Paulat, „die absolute Ausnahme“.

 
 

EURE FAVORITEN