Theater hilft beim Leben

Preisfrage: Was macht eine Elfe, wenn sie sich langweilt? Rya Kühn lächelt verschmitzt. Shakespeare wirkt nach. Und überhaupt: Wer sein Herz ans Theater verschenkt, kommt davon so schnell nicht los. Rya Kühn ist so eine Infizierte. Eigentlich hat sie frei an diesem Tag. Doch mit den Gedanken ist sie schon wieder auf der Bühne. 25 wird das Seniorentheater Seta in diesem Jahr. Seit einem Vierteljahrhundert ist die Laienspielgruppe fest im Düsseldorfer Kulturleben verankert. Doch anstatt sich ausgiebig zu feiern, sind die spielwütigen Mimen bereits mit ihrer nächsten Inszenierung beschäftigt.

Im Oktober feiert der „Sommernachtstraum“ im Juta Premiere. Ein Beitrag zum 450. Todesjahr Shakespeares. Rya Kühn übernahm unter anderem die Rolle einer Elfe und hat seither ausgiebig über die Frage der Regie nachgedacht. Was also macht eine Elfe, wenn sie sich langweilt? „Vielleicht bläst sie eine Pusteblume“, überlegt Rya Kühn. „Oder sie ärgert die anderen Waldbewohner.“ Auf der Bühne wird sie beides ausprobieren.

Rund 30 Stücke hat das Seta bis heute aufgeführt. Im Schnitt gibt es jedes Jahr eine Premiere. Für die Schauspieler heißt das: Zwei- bis dreimal in der Woche Probe. Rya Kühn hat oft erlebt, dass sich Mitspieler beim Seta bewarben, aber schnell merkten, dass das doch nichts für sie ist. „Hundert wollen mitmachen, zehn bleiben“, überschlägt sie. „Bei uns ist man eben richtig eingebunden.“

1989 wurde das Ensemble vom früheren Juta-Chef Ernest Martin und dem Regisseur Wolfgang Caspar gegründet. 28 „Nachwuchstalente“ zwischen 60 und 85 machten mit. Gleich die erste Produktion, Brechts „Davon verstehst du nichts, Mutter“, wurde ein großer Erfolg. Bis heute arbeiten Regisseure mit den Laienschauspielern. Nach Wolfgang Caspar übernahmen Helga Dürr und Gertrud Schwan die künstlerische Leitung. Im Jahr 2000 wurden sie von Götz Langer abgelöst.

Ein Preis für die Gruppe

2006 kam die damals erst 26-jährige Marlin de Haan als Regisseurin zum Seta. Rya Kühn arbeitet gern mit den Theaterprofis: „Marlin de Haan ist sehr anspruchsvoll und holt das Beste aus uns heraus.“ 2010 wurden die Schauspieler dafür mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis geehrt.

33 Mitspieler zwischen 60 und 88 hat das Seta heute, etwa ein Drittel sind Männer. Zur Aufführung kommen Klassiker und zeitgenössisches Theater, wobei die Gruppe streng darauf achtet, dass ihre Inszenierungen glaubwürdig sind. „Einige Stücke werden verändert, so dass sie zu uns passen.“ Das Seta bringt historische Themen auf die Bühne, aber auch Geschichten über das Älterwerden und den letzten Lebensabschnitt. Da sind „Kohlenbau und Trümmerfrau“, eine Revue über die Nachkriegsjahre oder Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“. Friedrich Dürrenmatts „Der Meteor“ dreht sich um einen Greis, der partout nicht sterben will. Und das aktuelle Stück, Eugene Ionescos „Der neue Mieter“, erzählt von einem Mann, der ausziehen muss, sich aber nicht entscheiden kann, was er mitnimmt.

Rya Kühn spielt seit 1997 Theater, seit ihrem 66. Lebensjahr. Heute ist sie über 80. Im früheren Leben hat sie in einer Wirtschaftsberatungsfirma gearbeitet. Das hat sie mit ihren Seta-Kollegen gemeinsam: Kein einziger, erzählt sie, war früher Schauspieler, „sondern Lehrer, Verkäufer, Stadtführer oder Straßenbahnfahrer.“ Was die Schauspielerei bringt? Disziplin und Begeisterung, zählt Rya Kühn auf. „Theater hilft beim Leben.“

 
 

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