Tatort Filmmuseum Düsseldorf

„Tatort-Erfinder“ Gunther Witte im Büro der Kriminalpolizei.. Foto: Lars Heidrich
„Tatort-Erfinder“ Gunther Witte im Büro der Kriminalpolizei.. Foto: Lars Heidrich
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Düsseldorf. Wer wagt schon, sonntags nach der Tagesschau anzurufen? Spätestens wenn die berühmte Erkennungsmusik von Klaus Doldinger einsetzt und das Fadenkreuz erscheint, stellen Krimifans das Telefon ab.

Dann steht meist eine neue „Tatort“-Folge auf dem Programm. So wie morgen: Hauptkommissar Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) haben wieder einen komplizierten Fall zu lösen. Und werden auf ihre kleinen Spitzen nicht verzichten. Ob die Kommissare heute in Münster, München, Hamburg, Leipzig oder Ludwigshafen auf Verbrecherjagd gehen. Ob in den 70ern Hansjörg Felmy als Haferkamp in Essen ermittelte oder in den 80ern Götz George als bulliger Schimanski in Duisburg von seinem bedächtigen Kollegen Tanner zur Ordnung gerufen wurde. Nach 40 Jahren und rund 800 Folgen steht fest: „Tatort“ ist Kult (zum Tatort-Spezial von DerWesten).

Gesucht waren starke Typen

Das meinen Bernd Desinger und Matthias Knop vom Filmmuseum, die zum Jubiläum eine Riesenschau organisierten. Auf 600 Szenenfotos vom Set und in 15 Filmausschnitten auf fünf Monitoren kann man in Tatort-Erinnerungen schwelgen. Originalgetreu nachgebaut wurden etwa eine Verhörzelle mit Glasscheibe, die nur von einer Seite durchsichtig ist, und das Büro der Münchener Kommissare Batic und Leitmayr. Am Eingang erwartet die Besucher ein rotweiß abgesperrter Tatort, die Fundstelle der Leiche mit Kreideumrandung. So nah wie in der Schau „Im Fadenkreuz - 40 Jahre Tatort“ kommt die erfolgreichste deutsche Krimi-Serie sonst nie.

Tatort im Museum? „Warum nicht? Nach 40 Jahren finde ich das schön“, freut sich Gunther Witte. Der 75-jährige TV-Dramaturg hat Ende der 60er die Serie erfunden. Die ARD und der damalige Fernsehspiel-Chef suchten nach einer Antwort auf den ZDF-„Kommissar“, ebenfalls ein Straßenfeger. So entwickelte Witte ein Konzept, das auf einen starken Fahnder-Typen zugeschnitten war. Regional-Kolorit durfte dabei ebenso wenig fehlen wie heiße Eisen aus Politik und Gesellschaft. So nahm 1970 der erste Streifen „Taxi nach Leipzig“ die neue Ostpolitik Willy Brandts auf. Drogenhandel, Sekten, Bauskandale, Arbeitslosigkeit... „Alle Geschichten mussten real vorstellbar sein“, erklärt Witte, der bis zu seiner Pensionierung die „Tatort“-Serie für die ARD koordinierte.

Wie kam es zum Erfolg, selbst bei jungen Leuten, die sich heute zum „Tatort“ in der Kneipe treffen? Bescheiden sagt Witte, der nach dem Krieg eine Vorliebe für Edgar Wallace-Krimis entwickelte: „Ich habe mir Mühe gegeben. Und vom Rundfunk gelernt.“ Erinnerungen hat er viele. So an eine Reise nach Dänemark mit Schlagerstar Gitte Haenning, die im „Nordexpress“ neben Zollfahnder Kressin auftrat. „Die Serie mit dem stets gebräunten Frauenhelden und Lederjacken-Kommissar Kressin (Sieghardt Rupp) wurde in den ‘Tatort’ integriert“, sagt Witte. Sein Lieblings-“Tatort“? „Die Folgen mit Schimanski und Tanner.“

 
 

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