Tambourkorps ging die Flöte flöten

Düsseldorf.. Der 20-Jährige hat ein Faible für Kirmes, Karneval und fahrende Künstler. Und kann auch Flöte spielen. Kein Wunder, dass er sich einem Tambourkorps anschloss. Doch er ist auch ein unsteter Charakter. Und als er die Marschmusik im Verein nach einigen Monaten wieder aufgab, soll er die ihm zur Verfügung gestellte Flöte sowie zwei schicke Hosen für sich behalten haben.

Laut Anklage trat der junge Mann im Juni 2011 dem Spielmannszug bei und erhielt Uniform, Instrument und Zubehör. Im Januar 2012 verließ er die Musikgruppe, gab das meiste wie vereinbart zurück – bis auf das Instrument, eine schwarze und eine weiße Hose sowie eine Krawatte.

Gestern sollte er sich wegen Unterschlagung vor dem Amtsgericht verantworten. Doch er kam nicht. Von der Polizei holen lassen konnte man ihn auch nicht, weil er keinen festen Wohnsitz hat.

Das Gericht will ihn ohnehin noch einmal sehen, weil er die Auflagen eines anderen Urteils nicht erfüllt hat: Weil er mehrfach ohne Ticket Bus und Bahn fuhr und 250 Euro Geld unterschlug, sollte er 50 Arbeitsstunden leisten und das Geld zurückzahlen. Auch seine Betreuerin bei der Jugendgerichtshilfe hat ihn seit längerem nicht gesehen.

Sie kennt ihn als „lieben Kerl“, der noch nie Gewalttaten begangen hat. Der junge Mann, der von Hartz IV und Gelegenheitsjobs lebt, ist aber schon mehrfach wegen Eigentumsdelikten aufgefallen. Nun droht dem wandernden Gesellen ein harter Einschnitt: Das Gericht erwägt, einen Beuge-Arrest zu verhängen. Damit er den verhängten Auflagen nachkommt. Aber auch, damit die Mitarbeiter in der Jugendarrestanstalt in den vier Wochen Aufenthalt dort mit ihm Ansätze für ein geregelteres Leben suchen können. Wann es mit dem Prozess um die Flöte weitergeht, steht noch nicht fest.

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