Sunrise Avenue und die wilde Ode an die Freude

Sunrise Avenue traten  in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf auf. Foto: Uwe Schaffmeister
Sunrise Avenue traten in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf auf. Foto: Uwe Schaffmeister
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Kann es eine „wertvollere“ Motivationsspritze geben? Wenige Stunden vor ihrem Auftritt in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf bekamen die Rocker von Sunrise Avenue Platin-Auszeichnungen überreicht - für 200.000 in Deutschland verkaufte Exemplare ihres Albums „Out of Style“.

Düsseldorf.. Sunrise Avenue aus Finnland rockten in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf derart beflügelt über die Bühne, dass es die rund 7500 Zuschauer in wahre Begeisterungsstürme versetzte. Den Boden für die blendende Laune bereitete zuvor schon der Schotte Jim Kroft mit erfrischendem Gitarren-Pop. Gepaart mit verschmitztem Charme. „Ich bin Jim Kroft - mit K. Und nicht Jim Knopf.“

Danach hatten Sunrise Avenue bei der derart aufgeheizten Meute leichtes Spiel. Schon mit den ersten treibenden Drums von Schlagzeuger Sami Osala beim Opener „Out of Tune“ riss es die Menge mit. Das Quintett aus dem hohen Norden lieferte im Anschluss zwei dynamisch-begeisternde Stunden in Oberbilk.

Ihr Sound wird zuweilen als „Stadiontauglicher Rock“, die nicht selten von Melancholie geprägten Texte als zu „platt“ bezeichnet. Was in beiden Fällen nicht nett gemeint ist.

Feines Gespür für das richtige Timing

Den Fans ist es egal. Warum, das wird schnell deutlich. Live überzeugen die Finnen durch fulminante Spielfreude, ein feines Gespür für das richtige Timing und ganz eigenen Charme. „Wir sehen ein bisschen aus, wie diese finnischen Ski-Springer“, meint Sänger Samu Haber lakonisch, bevor er „I don’t dance“ ankündigt. „Nur können die Skispringen. Ich kann nicht mal tanzen.“ Später erzählt er akzentfrei von seinem deutsch-stämmigen Vater, fügt grinsend an: „Und ich habe Jägermeister getrunken. Himmel, Arsch und Zwirn!“

Das Ganze kommt schlichtweg authentisch rüber, ebenso wie die Musik. Zumal Sunrise Avenue genau darauf achten, eben nicht in Melancholie zu versinken. Die Ballade „Angels on a Rampage“ besingt die irrationalen Handlungen unglücklich Verliebter und schiebt diese auf randalierende Engel. Wird aber so wuchtig vorgetragen, dass es das Publikum kurz andächtig sprachlos macht.

Bevor die Feier-Stimmung jedoch abkühlt, folgt ein herrliches Medley, bei dem die Band einen Bogen querbeet durch die Musikgeschichte spannt – von „Ghostbuster“, über diverse Reggae-Songs hin zu Adele, zurück zu Bob Marley, einem punkigen „Bohemian Rapsody“ von Queen und schließlich endend in einer wilden „Ode an die Freude“. Dabei toben Haber und Leadgitarrist Riku Rajamaa wie Kinder über die Bühne – das kommt an.

Natürlich fehlen die beiden großen Radio-Hits „Fairytale gone bad“, bei dem Haber fragt, ob das Publikum den eigentlich noch hören kann („Ist ja schon von 2006“), und „Hollywood Hills“ nicht. Da steht die Menge auf der Tribüne schon längst auf den Sitzen. Stadiontauglicher Rock kann auch einfach richtig Spaß machen.

 
 

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