Studieren an einem denkwürdigen Ort

Dominik Schneider

Derendorf.  An der Rather Straße in Derendorf fand sich bis vor kurzem ein düsteres Bild. Der große, halb verfallene Gebäudekomplex schreckt ab. Große Hallen aus rötlichem Stein, flache Dächer und hier und da ein Stück verwilderter Rasen. Manche der Fenster sind zugemauert, die Wände besprüht, bei Regen sammelt sich Wasser im aufgebrochenen Boden. Kaum jemand betritt das Grundstück, und wenn, dann sind es dunkle Gestalten, die sich in den großen, leeren Hallen herumdrücken. Die verwaisten Gebäude waren Teil des alten Schlachthofs.

Doch das dunkelste Kapitel der Anlage hat nichts mit dem Töten von Tieren zu tun – sondern mit dem von Menschen. Mehr als 6000 Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens wurden hier in der NS-Zeit aus Düsseldorf und der Umgebung zusammengetrieben, um dann in die Vernichtungs- und Konzentrationslager der Nazis abtransportiert zu werden.
Doch in letzter Zeit zeigt sich auf dem Gelände ein anderes Bild: Bauarbeiten. Die historische Stelle wird bald einem neuen Zweck dienen. Bereits im Wintersemester 2014 sollen hier die ersten Schüler der Fachhochschule Düsseldorf (FHD) studieren. „Wir sind uns der Bedeutung dieses Ortes bewusst.“, sagt Hans Jürgen Forst, Vorsitzender des Hochschulrates. Aus dem Gedanken an historische Verantwortung ist eine Idee geboren: Die Einrichtung eines Erinnerungs- und Lernortes. Dieser soll in der denkmalgeschützen Großviehhalle an das Schicksal der Deportierten erinnern.

Verantwortlich für diese Dauerausstellung ist Joachim Schröder, Historiker an der FHD. Er will mit historischen Bildern, Dokumenten und Zitaten an das Schicksal jener Menschen erinnern, die hier einem der grausamsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zum Opfer gefallen sind. „Aber wir wenden uns nicht nur der Vergangenheit zu, sondern diskutieren in der Ausstellung auch aktuelle Fragen wie Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit“, so Schröder. Das Besondere an der Ausstellung: Die gesammelte Fachkompetenz liegt bei den Studenten der FHD. Viele Fachbereiche sind eingebunden, vor allem Geschichte und Design. So können nicht nur Kosten gespart, sondern auch die Ausstellung besser auf die Interessen einer neuen Generation ausgerichtet werden. Auch wenn die Eröffnung noch über ein Jahr dauern wird, so können Besucher schon in nächster Zeit einen Blick auf den künftigen Erinnerung- und Lernort werfen: Am Tag des offenen Denkmals, dem 8. September, werden einige der Exponate gezeigt. Unter anderem wird es historische Bilder und bisher unveröffentlichte Dokumente zu sehen geben. Dazu wird des Gelände näher vorgestellt, und die historischen Stätten werden gezeigt. Es gibt Führungen und Joachim Schröder steht für Fragen zur Verfügung. Das Programm geht von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.