Studenten stürzen 30 Meter von Kunstakademie-Dach in Kamin

Baujahr 1879 und ziemlich hoch: Vom Dach der Düsseldorfer Kunstakademie sind zwei Studierende in einen Kaminschacht gestürzt - 30 Meter tief.
Baujahr 1879 und ziemlich hoch: Vom Dach der Düsseldorfer Kunstakademie sind zwei Studierende in einen Kaminschacht gestürzt - 30 Meter tief.
Foto: Hans Blossey/Archiv
In der Düsseldorfer Kunstakademie sind in der Nacht zu Montag zwei Menschen in einen 30 Meter tiefen Kamin gestürzt. Feuerwehr setzte Höhenretter ein.

Düsseldorf.. Schock an der Düsseldorfer Kunstakademie: Eine junge Frau und ein junger Mann sind in der Nacht zu Montag vom Dach der Kunstakademie in Düsseldorf in einen Kamin gestürzt. Der Unfall geschah gegen 3 Uhr in der Früh. Sie stürzten fast 30 Meter in die Tiefe und wurden schwerst beziehungsweise lebensgefährlich verletzt.

Für die Feuerwehr war es ein heikler und aufwändiger Einsatz. Die beiden Verunglückten lagen auf dem Boden des Schachts und waren, trotz des Aufpralls aus großer Höhe, noch ansprechbar. Die Feuerwehr ging von oben und von unten vor, um zu den beiden vorzudringen.

Bergung verlangte "sämtliches Know-how" der Retter

Ein Höhenretter seilte sich vom Dach aus in den Kaminschacht ab, weitere Helfer suchten vom Inneren des Gebäudes den Kamin. Weil der Schacht zu eng war - laut Feuerwehr etwa 80 mal 80 Zentimeter im Durchmesser - konnten die Verunglückten in dem Kamin nicht ärztlich versorgt werden. Auch war nur Platz für einen Höhenretter. Die Frau war zudem noch zwei Meter tiefer gefallen, als der junge Mann, dessen Sturz Stahlträger im Kamin stoppten. "Ihre lebensgefährlichen Verletzungen forderten von dem Höhenretter im Kamin sämtliches Know-how", teilte die Feuerwehr am Montag mit.

Die junge Frau, laut Feuerwehr waren beide Studenten und Mitte 20 Jahre alt, bekam in enger Absprache mit einem Notarzt, der den Einsatz von außen begleitete, Medikamente und wurde dann in ein spezielles Stützkorsett mit Halskrause gelegt - alles in der Enge des Kaminschachts. Weil die Stahlträger im Kamin es unmöglich machten, die Frau nach ganz oben zu bergen und nicht entfernt werden konnten, stemmten Feuerwehrleute von außen einen Teil der Wand auf. Das sei auch nötig gewesen, um Erschütterungen beim Transport zu vermeiden. Letztlich wurde die Verunglückte laut Feuerwehr zwei Meter hinauf gezogen und dann seitlich aus dem Kaminschacht geholt.

Verunglückte standen vor Sturz vermutlich auf Kamin-Abdeckung

Drei Stunden dauerte die Rettung. 35 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Ein Notfallseelsorger kümmerte sich zudem um die Bekannten der beiden Verunglückten, die mit ihnen in der Akademie gewesen waren.

Die beiden Verunglückten waren auf die Abdeckung eines stillgelegten Kaminschachts gestiegen, die unter dem Gewicht plötzlich zusammenbrach. "Sie waren mit den Füßen nach unten in den Schacht gestürzt und haben sich womöglich gegenseitig im Sturz gebremst, weil der Schacht so eng ist", sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen: "Die Indizien sprechen nicht dafür, dass sie auf dem Kaminsims saßen und das Gleichgewicht verloren", sagte er.

Unfall geschah kurz vor dem Start des "Sommerrundgangs"

Der Fall sorgte am Montag für bedrückte Stimmung in der Akademie: "Unsere erste und tiefste Anteilnahme gilt gleichwohl den Betroffenen, denen wir von ganzem Herzen baldige und vollständige Genesung wünschen möchten", teilte die Kunstakademie in einer Erklärung am Nachmittag mit. Die Studentin und der Student waren am Sonntag in der Akademie, um dort die Ausstellung von Abschlussarbeiten vorzubereiten. Dabei waren sie dann in der Nacht auf das Dach geklettert, dessen Betreten untersagt und das "nicht frei zugänglich ist", teilte die Akademie mit.

Die Kunstakademie in Düsseldorf ist in dieser Woche für den "Sommerrundgang" geöffnet. Dabei zeigen gut drei Dutzend Studierende, die mit dem Ende des aktuellen Sommersemesters die Akademie verlassen, ihre Abschlussarbeiten. Von diesem Mittwoch bis Sonntag, 12. Juli, sind die Kunstwerke auch öffentlich zugänglich.

EURE FAVORITEN