Stadtpsychologe fordert auf zur Abrüstung

Verkehr auf der Düsseldorfer Schadowstraße. Foto: Kai Kitschenberg
Verkehr auf der Düsseldorfer Schadowstraße. Foto: Kai Kitschenberg
Foto: WAZ FotoPool
Kai Lenßen predigt Gelassenheit. Gerade im Straßenverkehr. Der Wissenschaftler ist seit mehr als zehn Jahren Geschäftsführer des Büros „Lenßen & Lenßen“, einer „Praxis für Umweltpsychologie und Sozialtherapie“.

Er hat sich bereits für die Lokale Agenda mit den Düsseldorfer Verkehrsproblemen auseinander gesetzt und zwischen 2004 und 2006 im Rahmen der Aktion „AutoMobil in Düsseldorf“ zur Verbesserung neuralgischer Bedingungen beigetragen. Der Stadtpsychologe ist aber nach wie vor ein gefragter Mann.

So fordert der 50-Jährige die städtischen Verantwortlichen derzeit wieder zur „Abrüstung von Signalen“ auf. Die Reizüberflutung im Straßenverkehr sei eine der Ursachen dafür, dass es zuletzt vermehrt zu Unfällen an Gleisüberquerungen kam (die NRZ berichtete). „Einerseits ist es so, dass das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer immer schlimmer, nämlich immer mehr auf sich selbst bezogen und rücksichtloser wird“, sagt Kai Lenßen. Andererseits gäbe es einen Überfluss an Hinweisen oder Zeichen. „Nehmen wir die Gleisüberquerungen“, so Lenßen. „Da werden die Fußgänger mit Gongs, Warnsignalen und Piktogrammen konfrontiert.“ Das sei zu viel und führe dazu, „dass sich die Leute in Sicherheit wiegen, tatsächlich aber überfordert sind“. Dass die Leute eine grüne Ampel vor sich haben, aber dennoch auf die Straßenbahn achten müssen, sei an „fast 200 Stellen der Stadt ein Problem“, so der Psychologe. „Gerade Kinder und Senioren sind da gefährdet.“

Lenßens Kernaussage war und ist: Die Menschen auf den Straßen sind überfordert und gestresst. Es gibt von allem viel zu viel: Zu viele Signale, zu viele Autos, zu viel Lärm. „Das ist in den vergangenen Jahren noch viel schlimmer geworden“, meint der Düsseldorfer.

Aktuell arbeitet Kai Lenßen gemeinsam mit dem Verkehrsmanagement der Stadt an einem Konzept, um häufige Linksabbieger-Unfälle – beispielsweise an der Berliner Allee – zu vermeiden. Darüber hinaus werden für die zunehmenden Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern auf zu engen Radwegen nach Lösungen gesucht.

Über den stadtpsychologischen Aspekt hinaus stellen Lenßen und seine Crew seit etwa drei Jahren aber auch Konzepte aus den Bereichen betriebliches Gesundheits- und Nachhaltigkeitsmanagement bereit. Denn der Stress macht am Arbeitsplatz nicht halt. Lenßen betreut dabei weniger Mobbingopfer oder den so genannten kleinen Mann, dessen Arbeitskraft vom Chef wie ein Vampir ausgesaugt wird, sondern eher den leitenden Angestellten, „der mit seinem psychologischen Problem zu uns kommt“.

Andererseits treten aber auch große Firmen an das Büro heran, die Fragen zur Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter haben. Lenßen: „Das ist ein sehr komplexes Thema. Laut Statistiken müssen deutsche Unternehmen insgesamt fast 200 Milliarden Euro pro Jahr zahlen, weil ihre Mitarbeiter krank werden, oder weil kranke Mitarbeiter im Job Fehler machen.“

 
 

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