Stadt muss mehr tun in Sachen Wohnungsbau

Thomas Geisel am Freitag Mittag mit der Bundesbauministerin Barbara Hendricks in Düsseldorf.
Thomas Geisel am Freitag Mittag mit der Bundesbauministerin Barbara Hendricks in Düsseldorf.
Foto: WAZ
Bundesbauministerin Barbara Hendricks sprach am Freitag auf Einladung von OB-Kandidat Thomas Geisel vor Vertretern der Wohnungswirtschaft. Hier wurde deutlich, dass Düsseldorf beim preisgedämpften Wohnungsbau Nachholbedarf hat.

Düsseldorf..  „Düsseldorf gehört in Deutschland zu den Hotspots bei den Zuzüge“, sagt Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) vor Vertretern der Düsseldorfer Wohnungswirtschaft. Damit dies so bleibt und sich auch weniger Betuchte Wohnen in der Landeshauptstadt leisten können, müssen die Mieten bezahlbar werden. „Voraussetzung ist, dass Grundstücke nicht zu teuer sind“, so die Ministerin, die auf Einladung von Oberbürgermeister-Kandidat nach Düsseldorf kam.

„Der Schlüssel für günstiges Wohnen liegt im Grundstücksmarkt, den Kommunen kommt eien Schlüsselfunktion zu.“ Städte wie Düsseldorf müssten darauf verzichten, den am Markt bestmöglichen Preis zu erzielen. Denn dann, so fügte Thomas Geisel hinzu, würden ein Investor bauen – und zwar Wohnungen für gehobenen Bedarf oder gleich im Luxussegment. Darunter leidet Düsseldorf schon heute. Eindrucksvolle Zahlen für Düsseldorf nannte die Ministerin: „1990 gab es hier 20 Prozent Wohnungen mit Mietpreisbindung durch sozialen Wohnungsbau, 2010 waren es nur noch weniger als sieben Prozent.“ Hier müsse die Stadt handeln: „Man sieht, wie dringlich Maßnahmen sind. Düsseldorf kann sich der Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften bedienen, auch der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft.“ Thomas Geisel, der von der Ministerin der „künftige OB von Düsseldorf“ genannt wurde, wisse, wovon er redet: „Die Stadt hat alle Chancen.“

50 Prozent der Düsseldorfer Haushalte sind WBS-berechtigt

Alexander Rychter, Direktor des Verbands Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, bemängelte das schlechte Image, das der soziale Wohnungsbau habe. Zu Unrecht, wie auch Geisel findet: „50 Prozent aller Haushalte in Düsseldorf sind WBS-berechtigt, haben damit Anspruch auf eine Wohnung mit Sozialbindung. Derartige Wohnungen sind also für eine breite Schicht der Bevölkerung.“

Kritik an der Stadtverwaltung

Kritik gab es an der Düsseldorfer Stadtverwaltung. So klagte etwa Norbert Schülpen (Vorstand Düsseldorfer Bau- und Spargenossenschaft) über mangelnde Flexibilität der Bauverwaltung: „Ein Jahr Genehmigung für Wohnungen ist absolut inakzeptabel. Wir bauen doch kein Atomkraftwerk!“ Jörg Schnorrenberger vom Immobilienverband klagte gar über zwei Jahre Wartezeit für Baugenehmigungen und meinte: „Zahlreiche Investoren wollen, dass die Stellplatzverordnung in Düsseldorf mit Menschenverstand gehandhabt wird.“ Es sei unnötig, zu viele Stellplätze für studentisches Wohnen oder Seniorenwohnungen zu fordern. Der Bau eines Tiefgaragenplatzes kostet 35 000 Euro, das verteuert das Bauen und damit die Mieten. Und Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Mietervereins, warf der Stadtrats-Mehrheit aus CDU und FDP vor, die Bereitschaft zur Verbesserung des Wohnumfeldes sei „wesentlich zurückgegangen“, er hoffe auf andere Mehrheit nach der Kommunal- und Oberbürgermeisterwahl.

„Wohnen ist ein Menschenrecht“

Martine Richli (Verband Wohnen mit Kindern) fühlt sich von der Stadtverwaltung „ganz böse rausgekickt“ bei ihren Plänen zu preisbewusstem Wohnungsbau für Familien auf dem Reitzenstein-Gelände. Dort sei letztlich etwas für Besserverdienende getan worden. Sie fügte hinzu: „Wohnen ist ein Menschenrecht!“

 

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