Stadt Düsseldorf steht mit Hochhausplänen in Kritik

Hauptsache hoch: Im "Quartier Central" in Pempelfort ist jetzt die nächste Bauphase im Gang. Die Animation zeigt, was an Wohn-Hochhäusern geplant ist und derzeit gebaut wird. Die Preise? Sind natürlich auch hoch.
Hauptsache hoch: Im "Quartier Central" in Pempelfort ist jetzt die nächste Bauphase im Gang. Die Animation zeigt, was an Wohn-Hochhäusern geplant ist und derzeit gebaut wird. Die Preise? Sind natürlich auch hoch.
Foto: Quartier Central/Archiv NRZ
Die Stadt Düsseldorf setzt bei der Zukunft des Wohnungsmarktes auf weitere Wohn-Hochhäuser. An diesem Mittwoch will OB Elbers ein Konzept vorstellen. Bereits im Vorfeld steht es in der Kritik. Weil die Stadt vor allem das Luxus-Segment im Blick hat. In der Stadt aber fehlen bezahlbare Mietwohnungen.

Düsseldorf.. In Düsseldorf fehlen rund 20 000 bezahlbare und geförderte Mietwohnungen. Mit Spannung wird daher das neue Konzept der Stadtverwaltung zur Zukunft des Wohnens erwartet, das an diesem Mittwoch im Rathaus von OB Dirk Elbers präsentiert werden wird. Elbers hatte allerdings bereits auf der Immobilienmesse in Cannes anklingen lassen, dass die Stadt auf Wohnhochhäuser setzt.

Vier insgesamt sind bereits im Quartier Central und an der ehemaligen Post an der Erkrather-/Moskauer Straße, dem so genannten („Quartier M“) vorgesehen. Zu diesen Hochhausplänen gibt es aber bereits heftige Kritik.

Die Parteien erhalten das „Handlungskonzept Wohnungsbau“ erst in der heutigen Sitzung. Nach Informationen der NRZ werden die Empfehlungen der Verwaltung unter anderem eine „flexible Quote“ beim Wohnungsbau von 20 Prozent ab 100 Einheiten vorschlagen. Das bedeutet, dass die Stadt bei einem Neubaugebiet zwar zunächst 20 Prozent aller Wohnungen als geförderte Einheiten vorgibt, Investoren aber weniger bauen können. Zudem soll die wie bisher die Eigentumsbildung gestärkt werden, allerdings können sich nur Menschen mit krisensicheren Berufen Kreditzahlungen über 20 Jahre und mehr leisten.

Außerdem bietet die Stadt Investoren für Mietwohnungen einen günstigen Kredit bei niedrigen Zinsen für 20 Jahre, die Miete von 8,50 Euro wird auf zehn Jahre festgeschrieben.

Kritik an Bebauung der Tuchtinsel

Auch ein Büro- und Wohn-Hochhaus auf der Tuchtinsel an der Schadowstraße hatte OB Elbers auf der Messe in Cannes ins Spiel gebracht. Dazu gibt es laut den Grünen bisher drei städtische Unterlagen: Im Wettbewerbsentwurf vom Büro Molestna ist ein 35 Meter hohes Gebäude eingetragen. In einem B-PlanEntwurf sind an dieser Stelle nur 26 Meter Höhe eingetragen. SPD-Fraktionschef Markus Raub kritisiert, OB Elbers habe in Cannes einen weit höheren, 15-geschossigen Bau auf der Tuchtinsel vorgestellt, ohne das dies zuvor in politischen Gremien diskutiert wurde. Ein Hochhaus dort verstelle zudem die stadtplanerisch wichtige Sichtachse auf Schauspielhaus und Dreischeiben-Haus, moniert Bürgermeisterin Gudrun Hock (SPD).

„In Wohngebäuden mit mehr als fünf Etagen kennt man keine Nachbarn mehr, da gibt es keine sozialen Kontakte und keine Kontrolle, das zeigen Erfahrungen aus vielen Bauten“, mahnt Hartmut Miksch, Vorsitzender der Architektenkammer NRW. „Wohnhochhäuser sind nur unproblematisch als hochpreisige Objekte in Vorzugslagen“, wie etwa die geplanten „Königskinder“ im Medienhafen an der Speditionstraße. Der Architekt erinnert zudem an das Baurecht: Hochhäuser brauchen sehr große „Abstandsflächen“, die frei bleiben müssen. Auf der gleichen Fläche eines solchen Hochbaus könne man deshalb ebenso viele Menschen in fünfgeschossigen Bauten unterbringen.

Wohnhochhäuser funktionieren nur für Gutverdiener

Auch Jörg Schnorrenberger, Vorsitzender im Ring Deutscher Makler, betont: Bauten mit mehr als sieben Etagen „funktionieren nur mit hochwertigen Wohnungen, etwa mit einer Concierge. Den Mietern muss egal sein, was der Aufzug kostet. Ich bin zuversichtlich, dass in Derendorf ein tolles Projekt entsteht, aber sehr skeptisch gegenüber dem Hochhaus am Bahnhof. Aber ich kann mir Hochhäuser in Friedrichstadt oder am Rhein vorstellen.“

Skepsis auch beim wohnungspolitischen Sprecher der SPD, Andreas Rimkus: „Das funktioniert nur bei teuren Mieten und Preisen. Über einzelne Bauten kann man ja nachdenken, aber nicht über viele. Wir brauchen außerdem dringend bezahlbaren Wohnraum, da reicht eine flexible Quote nicht.“ Rimkus verweist darauf, dass seit dem gestrigen Landtagsbeschluss etwa bei dem Projekt Ulmer Höh’ die Stadt auch eine Quote von 30 Prozent festlegen kann.

Antonia Frey (Grüne), Vorsitzende im Wohnungsausschuss, kritisiert zudem, dass OB Elbers in Cannes nur 5000 neue Wohnungen in fünf Jahren ankündigte, also 1000 pro Jahr. „Um den Bedarf zu decken, werden bekanntermaßen pro Jahr 2400 neue Einheiten gebraucht.“ Frey erinnert daran, dass die Grünen bereits seit 2006, also seit mehr als sechs Jahren, bei Neubaugebieten eine Quote von 30 Prozent geförderter Wohnungen gefordert hatten, die die CDU/ FDP Mehrheit sich nun wenigstens zu einem Teil zu eigen mache.

 
 

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