„Sieht aus wie in der DDR“

Arne Lieb

Stadtmitte.  . Nach dem Abschluss des U-Bahn-Baus wird die Schadowstraße zur Fußgängerzone – und wie die Einkaufsmeile dann aussieht, sollen die Bürger mitbestimmen können. Beim zweiten Workshop standen gestern die Ideen von vier Künstlern zur Diskussion, die im Auftrag der Stadt Impulse geben sollen. Das Thema polarisiert – was der Andrang zeigte: Mit rund 120 Besuchern war das Foyer des Humboldt-Gymnasiums gut gefüllt, Geschäftstreibende, Anwohner und andere Interessierte diskutierten mit.

Zwei Dinge bewegen die Bürger besonders, wie die Auswertung der Kommentare widerspiegelt, die bislang auch im Internet abgegeben wurden. Zum einen die Frage, welche Rolle die Natur spielen wird. „Mehr Grün“, war der meistgenannte Wunsch an die Planer. Auch Wasser, etwa durch einen Brunnen, wünschen viele.

Das kontroverseste Thema ist aber eins, das gar nicht von den Künstlern kommt: In der Mitte der Fußgängerzone soll ein Radweg verlaufen. Das hatte der Stadtrat bereits vor zwei Jahren als Voraussetzung für die weitere Planung beschlossen. Ob das Sinn macht, darüber gehen die Ansichten im „Meinungsportal“ weit auseinander.

Zudem ist man über die Gestaltung uneins: Zehn Bürger wünschten sich zum Beispiel, der Weg möge „nicht dominant“ wirken. Elf wünschen sich hingegen eine „dominante“ Gestaltung. Man erhoffe sich durch eine solche öffentliche Diskussion eine Planung, die am Ende auf möglichst breite Zustimmung trifft, so Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa. „Wir wollen einen breiten Konsens.“

„Terrasse“ an der Liesegangstraße

Die Künstler Manuel Franke, Armin Hartenstein, Andrea Knobloch und Thomas Stricker haben eine Reihe von Konzepten erarbeitet, um der Straße ein besonderes Gesicht zu geben: ein parkettartiges Pflaster etwa oder Leuchtwände.

Auf viel Interesse bei den Bürgern stieß die Idee einer „Stadt-Terrasse“ auf der Ecke zur Liesegangstraße. Die Künstler wollen dort, wo recht viel Platz ist, einen Aufenthaltsort schaffen, Bäume pflanzen – und dafür auf dem Rest der Straße darauf verzichten, um die Wirkung zu erhöhen. Sie können sich auch vorstellen, dort den Goldfingerbrunnen aufzustellen, der früher auf der Tuchtinsel seinen Platz hatte.

Die Bürger hatten zu diesem Vorschlag viele Anregungen – und auch Einwände. „Sieht aus wie in der DDR“, befand eine Teilnehmerin mit Blick auf die Animation mit der baumlosen Straße. Eine andere kritisierte, dass die Bäume in Kübeln aufgestellt werden sollen – wovon auch das Gartenamt abrät. Eine weitere Teilnehmerin regte an, lieber das Konzept der „essbaren Stadt“ aufzugreifen und Gemüse und Obst zu pflanzen. „Düsseldorf könnte innovativ sein, stattdessen pflanzen wir Bäumchen“, fand sie.

Diese und andere Ansichten wurden schriftlich festgehalten und sollen in den weiteren Prozess einfließen. Wie die Planungsamtsleiterin betonte, handelt es sich auch bei den Künstlerentwürfen erst mal nur um Impulse. Fachleute der Verwaltung werden sie und die Ideen der Bürger auf Umsetzbarkeit prüfen, schließlich entscheidet die Politik.