Sie sind mehr als nur eine Nummer

Franziska Bombach
Die Brauerei im Goldenen Ring am Burgplatz.
Die Brauerei im Goldenen Ring am Burgplatz.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Zu einer Zeit, als es noch keine Nummerierung der Häuser gab, brauchten die Düsseldorfer Orientierung. Also gaben sie ihren Häusern Namen. Diese traditionellen Namen haben die Vorstandsmitglieder der Aktions-Gemeinschaft Düsseldorf hervorgekramt – und jetzt in einer historischen Karte verewigt.

Düsseldorf.  Auf dem Burgplatz direkt am Rhein steht der Schlossturm, daneben findet sich mancher Passant im Goldenen Ring ein, andere wiederum im Weinfäßchen und vielleicht schafft es so mancher dann noch zum König von Frankreich. Was das alles zu bedeuten hat? Zu einer Zeit, als es noch keine Nummerierung der Häuser gab, also noch vor dem 19. Jahrhundert, brauchten die Düsseldorfer Orientierung. Also gaben sie ihren Häusern Namen. Diese traditionellen Namen haben die Vorstandsmitglieder der Aktions-Gemeinschaft Düsseldorf hervorgekramt – und jetzt in einer historischen Karte verewigt.

Also, zumindest die Hausnamen in der Altstadt haben sie herausgefunden. Drei Jahre ihrer Zeit hat es Hatto Küffner und Edmund Spohr gekostet, dieses Namensverzeichnis fertigzustellen. Gemeinsam mit dem Kartographen Stefan Dietrich entwarfen sie eine neue Stadtkarte der Altstadt. Dafür mussten sie zahlreiche dicke Wälzer über die Geschichte Düsseldorfs und über die Entstehung der Hausnumerierung durchforsten, immer auf der Suche nach Hinweisen. Dabei ist ihnen vor allem eines aufgefallen: Viele Namen bestehen heute noch, allerdings schmücken sie die Hauswand nur als Kneipenname. „Das ist aber einfach zu erklären. Die Hausnamen kommen meistens von den Besitzern oder dem Beruf, den der Besitzer ausübte. Und diesen haben dann die Wirte einfach übernommen. Er hatte sich schon eingeprägt bei den Leuten“, erklärt Hatto Küffner.

Im Café Laterne im Schlossturm stellen die beiden Hobby-Geschichtsforscher ihr Werk vor. In dem Gebäude, wie man meinen könnte, das das älteste der Stadt ist. Schließlich stammt der Gewölbekeller aus dem Jahr 1459. „Ja, das ist alt, aber dann doch nicht so alt“, sagt Edmund Spohr lächelnd.

Denn das älteste noch erhaltene Gebäude Düsseldorfs ist das Lewenhaus in der Liefergasse. Oder auch Lieferhaus genannt. 1288 ist es entstanden bei der Stadtgründung. Noch heute, bei genauem Hinsehen, ist der verblasste Schriftzug unterhalb des obersten Fensters zu erkennen, der Namen und Baujahr des Hauses preisgibt. Die gotischen Bögen, die schwungvoll den Eingang verzieren, zeugen von einer längst vergangenen Zeit. Nur die Baustelle auf der anderen Straßenseite holt den Betrachter des denkmalgeschützten Gebäudes wieder ins 21. Jahrhundert zurück.

Nur einige Straßen weiter in der Ritterstraße ist ein kleines Wappen mit einem Löwen und einem Anker in der Hauswand verewigt. „Es ist unseren Recherchen nach das älteste Wappen der Stadt“, so Spohr. Die zahlreichen Könige an den Hauswänden bleiben dem aufmerksamen Spaziergänger auch nicht verborgen. Wie der Schriftzug an der Bolker Straße 15 „Zum König von Ungarn“. Es sollen Ehrerbietungen an die jeweiligen Monarchien sein.

Zum 725-jährigen Bestehen der Landeshauptstadt haben Küffner und Spohr sich das Häusernamenverzeichnis als Geschenk für die Stadt überlegt. 1000 Exemplare des Stadtplans gibt es im Stadtarchiv, dem Stadtmuseum und dem Schifffahrtsmuseum zu kaufen für 9,80 Euro. Es soll nicht bei einer Auflage bleiben, viele Namen konnten die beiden noch nicht zuordnen. Hatto Küffner: „Es gibt viele Lücken in der Liste. Deshalb freuen wir uns über jede Hilfe, die den Plan vervollständigt. Damit vielleicht irgendwann alle Häuser wieder einen Namen haben.“