Seniorstudentin wollte bei Prüfung mit Geld nachhelfen

Foto: 42-Jaehriger wegen Verschleppung

Düsseldorf.. Ärztin zu sein, war ihr Lebenstraum. Mehrfach hatte sie ihn zurückgestellt. Als Rentnerin begann sie erneut, ihn endlich verwirklichen. Doch im zweiten Staatsexamen hatte sie ein schlechtes Gefühl. Hilfesuchend wandte sie sich an einen Beamten bei der Bezirksregierung. Fragte nach Prüfungsunterlagen. Und bot sogar Geld an. Gestern verurteilte das Amtsgericht die 68-Jährige wegen Bestechung zu 1800 Euro Geldstrafe.

„Können Sie denn gar nichts für mich tun? Ich würde Sie dafür auch gern bezahlen“, habe die Angeklagte gesagt, berichtete der Beamte (26). Da habe er sie hinausgeworfen. Zuvor hatte sie geklagt, sie habe wohl nicht bestanden. Und gefragt, ob er an die Unterlagen der letzten Prüfungstage herankomme. Oder an die Fragen des folgenden Tages.

Die gepflegte ältere Dame leugnete nicht, solche Formulierungen benutzt zu haben. Doch er hätte das nicht ernst nehmen dürfen, argumentierte ihr Verteidiger. Seine Mandantin sei verzweifelt gewesen, habe Trost gesucht: „Das war ein Hilferuf“.

Er rollte zur Erklärung ihre Lebensgeschichte auf: Ihr Vater hatte verhindert, dass sie als Mädchen Abitur machte. Sie wurde Kauffrau, führte nach dem Tod des Vaters dessen Firma, bis der Bruder mit dem Studium fertig war. Dann heiratete sie einen Medizinstudenten, machte mit 28 ihr Abitur nach und begann, Medizin zu studieren. Blieb dabei, als zwei Kinder kamen.

Kurz vorm Abschluss wurde sie krank. Und als sie wieder gesund war, wollte ihr Mann sie dabei haben, als er seine Praxis aufmachte. Die managte sie als Kauffrau bis zu dessen Pensionierung. Dann endlich ging sie wieder zur Uni. Schaffte es wieder bis zum zweiten Staatsexamen, bestand die mündlichen Prüfungen, bekam aber Probleme bei den schriftlichen Aufgaben. Und stellte die verhängnisvollen Fragen an den Beamten.

Den Vorschlag ihres Anwalts, das Verfahren gegen eine Geldbuße einzustellen, lehnte der Staatsanwalt ab. Die Justiz müsse zeigen, „dass wir in dem Bereich keinen Spaß verstehen!“ Er forderte vier Monate auf Bewährung. Die Richterin verurteilte sie schließlich zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen, was der Mindeststrafe entspricht. Die reiche, weil sie alles zugegeben und sich später für ihr „unangemessenes“ Verhalten entschuldigt hatte.

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