Seit 1996 vermisst – „Aktenzeichen XY“ (ZDF) greift Fall Debbie Sassen auf

Oliver Schaal
Vor mehr als 16 Jahren verschwand die damals achtjährige Debbie Sassen in Düsseldorf-Wersten. Die Polizei hat die Akte bis heute nicht geschlossen. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ greift den Fall noch einmal auf.
Vor mehr als 16 Jahren verschwand die damals achtjährige Debbie Sassen in Düsseldorf-Wersten. Die Polizei hat die Akte bis heute nicht geschlossen. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ greift den Fall noch einmal auf.
Foto: unbekannt
Vor mehr als 16 Jahren verschwand die damals achtjährige Deborah Sassen in Wersten. Zuletzt erinnerte 2010 der damalige Bayern-Profi Mark van Bommel öffentlich weinend an das Kind. Dessen Familie ist an den Ereignissen zerbrochen. Das ZDF greift den Fall in „Aktenzeichen XY“ nun noch einmal auf.

Düsseldorf. Es geschah an einem Dienstag, damals vor mehr als 16 Jahren. Was aber an diesem Dienstag, dem 13. Februar 1996 geschah, das ist bis heute nicht geklärt. An jenem Tag verschwand die seinerzeit achtjährige Deborah „Debbie“ Sassen auf dem Heimweg von der Henri-Dunant-Schule in Wersten. Sie wollte nach dem Schwimmunterricht nach Hause, verließ den Schulhof am Hinterausgang zur Wiesdorfer Straße. Eine Mitschülerin ist die letzte, die das kleine Mädchen sah. Debbie wollte zum Mittagessen heimgehen, die Wohnung der Eltern am Kohlrauschweg lag nur wenige hundert Meter entfernt. Dort angekommen ist sie nie, ihre Spur verliert sich an dem Hinterausgang.

Polizei hat Akte Debbie noch nicht geschlossen

Ein mysteriöser Fall, der trotz 40-köpfiger Sonderkommission der Polizei nie geklärt werden konnte. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ mit Rudi Cerne greift ihn noch einmal auf, in einer Sondersendung, die am 28. November um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird.

Auch die Polizei hat die Akte bis heute nicht geschlossen. Der damalige Chefermittler Dieter Wixfort wechselte 2009 zu den Kollegen nach Neuss, die Unterlagen wanderten zu Staatsanwalt Matthias Ridder. „Es gibt weiterhin keine konkrete Spur“, sagt er. „Die Frage ist nun, welches Echo die Fernsehsendung auslöst. Wir erhoffen uns noch mal Hinweise. Und jeder Hinweis wird doppelt ernst genommen“, verspricht er.

Facebook-Gruppe „Deutschland sicht Deborah Sassen“

Der Fall hat immer wieder die Gemüter bewegt. Als am 13. August 2010 der FC Bayern beim Abschiedsspiel für den scheidenden Präsidenten Franz Beckenbauer Real Madrid empfängt, läuft der damalige Bayern-Profi Mark van Bommel mit einem Foto von Debbie Sassen ein und weint hemmungslos. Van Bommel engagiert sich für die Initiative „Vermisste Kinder“, wollte auf die Organisation und diesen Fall aufmerksam machen.

Eine vage Hoffnung keimt nun durch die ZDF-Sendung auch wieder in Debbies einstigem Umfeld auf.

Neun Tage vor van Bommels Tränen, am 4. August 2010, gründete sich im Internet-Netzwerk Facebook eine Gruppe unter dem Titel „Deutschland sucht Deborah Sassen“. In Einträgen auf der Seite formulieren Nutzer ihre Hoffnung, dass sich die Tat aufklären lässt.

Debbies Schwester nahm sich das Leben

Die Familie ist längst an den unfassbaren Ereignissen zerbrochen. Mit Lucie und Nora kamen nach Deborahs Verschwinden noch zwei weitere Töchter zur Welt, doch ein normaler Alltag war nicht mehr herzustellen. 1999 nahm sich Deborahs ältere Schwester Anita im Alter von nur 19 Jahren das Leben. Sie war 15, als Debbie verschwand, wurde depressiv und erhängte sich.

Mutter Dagmar Funke überlebte mehrere Selbstmordversuche, zog an die Ostsee. Sie will nicht mehr über das Thema sprechen, zuletzt öffnete sie sich im Frühjahr 2010 für einen Artikel im Magazin „Der Spiegel“.

Auch Deborahs Stiefvater Jürgen Funke verließ Düsseldorf, lebt in Neuss. Er erzählte dem „Spiegel“, dass er sich mit Hilfe von Psychologen eine Paralleltwelt geschaffen habe, in der es Debbie, Anita und Dagmar nicht gibt. Um zu vergessen. Damit er nicht vollends an diesem Drama zerbricht.