Schornsteinfeger Thomas Schnug ist von Beruf Glücksbringer

Küsschen links, Küsschen rechts: Heide Pohl (l.) und Roswitha Breiten erhoffen sich dadurch Glück von Schornsteinfeger Thomas Schnug.
Küsschen links, Küsschen rechts: Heide Pohl (l.) und Roswitha Breiten erhoffen sich dadurch Glück von Schornsteinfeger Thomas Schnug.
Foto: Christine Holthoff
Eigentlich säubert der Düsseldorfer Thomas Schnug als Schornsteinfeger Kamine. Zum Jahreswechsel hat aber auch noch einen anderen wichtigen Job.

Unbehelligt durch die Arkaden laufen? Für Thomas Schnug ist das undenkbar. „Ich glaub’s ja nicht!“ ruft eine Dame. „Darf ich mal anfassen?“ fragt eine andere. „Achso, und noch ein Foto, bitte, das wäre ganz toll!“ Schnug erregt Aufsehen, dabei ist er gar nicht prominent. Aber er kann etwas, dass andere nicht können: Er bringt Glück. Sagt man zumindest so. Denn der Düsseldorfer ist Schornsteinfeger. „Aber doch kein echter, oder?“, will eine dritte Passantin wissen. „Aber sicher“, antwortet Schnug und drückt ihr ein Marzipanschweinchen in die Hand.

In den Schadow-Arkaden gab es gestern Glück zum Mitnehmen. Rund 20 Düsseldorfer Bezirksschornsteinfeger verteilten im Auftrag von Centermanager Harald Feit gute Wünsche fürs neue Jahr und Schornsteinfeger im Miniformat an die Besucher. Im Gegenzug unterstützte der Werbeverein der Arkaden das Projekt „Kaminkehrer helfen krebskranken Kindern“ mit 3500 Euro.

Wie lebt es sich denn als wandelnder Glücksbringer, Herr Schnug?

„Sehr gut! Man hat selbst sogar auch Glück. Ich zum Beispiel bin Vater von drei Kindern und in diesem Jahr sogar zum ersten Mal Opa geworden.“

Aber stört einen das ganze Angefasstwerden nicht irgendwann?

„Nein, überhaupt nicht. Das gehört zum Job dazu. Ich habe nichts dagegen und kenne auch keinen, dem das auf die Nerven geht.“

Während Schnug das sagt, tippt ihm eine junge Frau von hinten auf die Schulter. Er lächelt, wünscht einen guten Rutsch. Normaler Glücksbringer-Alltag. Jobs wie diesen könnten die insgesamt 36 Bezirksschornsteinfeger, die Düsseldorf hat, zuhauf annehmen. „Um die Zeit, gerade an Silvester, könnte man damit Geld verdienen“, sagt Schnugs Kollege Ralf Drüge.

Wie oft kommt es denn vor, dass Leute Sie als Glücksboten engagieren wollen?

„So zwei-, dreimal im Monat ruft das Standesamt schon an“, sagt Drüge. Seine Mitarbeiterin habe vor kurzem bei einem Polterabend einen Spruch vom Dach aus aufgesagt. Und auch Schnug hat schon auf mehreren Hochzeiten getanzt.

Haben Sie schon mal mitbekommen, dass Sie jemandem wirklich Glück gebracht haben?

„Natürlich!“, sagt Schnug. „Nach der letzten Hochzeit, auf der ich war, ist das Brautpaar Eltern geworden.“ „Vom Schornsteinfeger, oder was?“, fragt Drüge und lacht. Schnug stimmt mit ein. Man versteht sich gut unter Kollegen.

Rund 1800 Häuser gehören zu Schnugs Bezirk in Unterbilk. Unter anderem muss er dort auch der Handwerkskammer aufs Dach steigen. Fünf bis sechs Jahre dauert es, Pi mal Daumen, bis man alle Häuser einmal durchgecheckt hat. Schnug könnte also bereits acht Runden gedreht haben – in seinen bald 40 Jahren als Schornsteinfeger. „Mit 15 habe ich die Lehre angefangen. Weil mein Vater den gleichen Job gemacht hat. Das habe ich aber bis heute nicht bereut.“

Also Glück gehabt bei der Berufswahl?

„Kann man so sagen. Der Beruf ist aber auch attraktiv. Er ist traditionell, gern gesehen in der Gesellschaft, auch modern wegen der technischen Belange, die neuerdings dazugekommen sind. Wir sind ja auch Ansprechpartner bei Fragen zur Sicherheit, wir stellen Energieausweise aus. Und man ist täglich unterwegs und hat viel Kontakt mit Menschen.“

Sind Schornsteinfeger glücklicher als andere Menschen?

„Wir sind genauso glücklich wie alle anderen, die glücklich sein wollen“, glaubt Schnug. Für ihn bedeutet das: mit Familie und Freunden zusammen zu sein, nette Kollegen im Beruf zu haben. Ganz simpel. Deshalb spielt Schnug auch kein Lotto. „Geld bedeutet für mich kein wirkliches Glück.“

Aber auf gut Glück machen Sie schon mal was, oder?

„Ja, schon. Zum Beispiel einfach mal irgendwo Urlaub, wo man noch nicht war. Vor zwei Jahren sind wir so durch die Eifel gewandert. Das war richtig toll.“

Hand aufs Herz: Funktioniert das wirklich mit dem Glück bringen?

„Sagen wir mal so: Viele Menschen glauben auch heute noch immer daran. Und das alleine hilft schon, damit das Glück auch tatsächlich eintritt.“

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