Schneller, immer schneller

Michael Mücke
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Düsseldorf.  Der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr steigt und steigt. Jetzt sind es schon zwölf Prozent. In einigen Jahren sollen es 20 Prozent sein.

Gut so. Das Pro-blem ist nur: Viele Pedaler, vor allem Pendler, haben es eilig, werden aber immer wieder durch zahlreiche Hindernisse auf ihren Strecken ausgebremst. Deshalb haben alle Fraktionen im Ordnungs- und Verkehrsausschuss für den Bau von Radschnellwegen plädiert - regional und in der Stadt.

In Frage kommen möglichst kreuzungsfreie Trassen, auf denen weitgehend Tempo 25 gefahren und problemlos überholt werden kann. Dafür geeignet wären beispielsweise stillgelegte Gleistrassen, die umgebaut werden müssten. Radfahrer hätten an Kreuzungen durchweg Vorfahrt. Der Radweg würde strikt vom Fußgängerbereich getrennt, um Kollisionen zu verhindern.

Das Land, das den Anstoß für einen Wettbewerb gegeben hatte, will solche Projekte fördern. Jetzt informiert Dezernent Stephan Keller in der nächsten Sitzung des Ordnungs- und Verkehrsausschusses, die am 19.Juni um 16 Uhr im Rathaus am Marktplatz 2 beginnt, über den Stand der Dinge.

Düsseldorf, so Keller bietet sich für Radschnellwege wegen der großen Zahl der Pendler geradezu an. Er hofft sogar, damit den einen oder anderen Autostau künftig vermeiden zu können. „Wenn sich ein maßgeblicher Anteil der Einpendler auf das Fahrrad verlagern lässt, kann das erhebliche positive Auswirkungen auf das Düsseldorfer Verkehrssystem haben“, schreibt der Beigeordnete in der Vorlage. Aber, so schränkt er ein: Für Radschnellwege in der Stadt gibt es kaum freie Flächen und stillgelegte Bahntrassen.

Das Verkehrsmanagement setzt deshalb darauf, Schnellverbindungen von den Nachbarstädten nach Düsseldorf zu schaffen und will sich mit zwei Vorschlägen am Planungswettbewerb des Landes beteiligen:

Eine Nord-Trasse von Kaiserswerth und Airport nach Ratingen und Duisburg - mit Anschluss an den geplanten Radschnellweg durchs Ruhrgebiet. (Diese Initiative läuft unter Federführung von Ratingen mit Düsseldorfer Beteiligung)

Eine Süd-Trasse zwischen Neuss, Düsseldorf, Monheim (mit Verlängerung nach Leverkusen) und Langenfeld - mit Anschluss an die Heinrich-Heine-Uni. Auf dem Düsseldorfer Stadtgebiet würde die Schnellstrecke vor allem entlang der Münchener Straße verlaufen.

Der SPD-Fraktion gehen die Bemühungen der Stadt nicht weit genug. „Wir brauchen Radschnellwege in die Innenstadt und nicht um Düsseldorf herum“, kritisiert Martin Volkenrath, Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses. Das Verkehrsmanagement biete bisher „keine hinreichende Grundlage, um den Anteil des Radverkehrs in Düsseldorf am Gesamtverkehrsaufkommen wesentlich zu erhöhen.“ Die beiden für den Wettbewerb beantragten Radschnellwege berühren nur den im äußeren Süden und Norden von Düsseldorf, so Volkenrath. „Das ist kein Angebot für Pendler, da es sie nicht wirklich schneller in die Innenstadt zu ihren Arbeitsplätzen bringt.“

Martin Volkenrath fordert ein stimmiges Gesamtkonzept. Erstens: Ein Radwegenetz mit einem Innenstadtring und einem weiteren Ring, das die Stadtteile Bilk, Oberbilk, Flingern, Zoo und Derendorf miteinander verbindet. Zweitens: Einen Anschluss an mindestens zwei Radschnellwege, die bis in die Innenstadt reichen. Möglich sei auch eine Ost-West-Trasse von Erkrath und Hilden über Gerresheim und Flingern in die City.

Auch die Grünen sparen nicht mit Kritik: Schnellwege müssen in die City führen. „Die Pläne der Verwaltung enden aber in Kaiserswerth“, so Norbert Czerwinski.