Schnell-Routen für die Radfahrer

Trotz oder gerade wegen des Wahlkampfes scheuen die Grünen den Konflikt mit den Autofahrern nicht. „Wir wollen den Straßenraum neu aufteilen“, erklärt der grüne Fraktionssprecher Norbert Czerwinski. Für ihn heißt es, den Radfahrern Vorrang zu geben. Auch wenn der Autofahrer hier und da länger im Stau stehen muss. Die Grünen haben selbst ein Konzept für acht Biker-Express-Routen zur und durch die Innenstadt erstellt. Und sie betonen gleich. „Das ist machbar.“

Wenn auch das eine oder andere auf den ersten Blick etwas abenteuerlich klingt. So soll die von der SPD als „Stadtautobahn“ gescholtene Toulouser Allee in Derendorf in eine Art Fahrrad-Autobahn umfunktioniert werden. Die angebliche „Entlastungsstraße“ sei zu breit, finden die Grünen. Da reicht je Richtung eine Fahrspur für die Autofahrer aus. Auf der Parallelspur können dann die Radfahrer in die Pedale treten und ihr Ziel in kurzer Zeit erreichen.

Im Süden sei weiter ein Anschluss über die geplante Moskauer Straße möglich - ebenfalls nach dem grünen Prinzip: eine Schnellspur für die Radfahrer und ein Fahrstreifen für die Autos. Im Norden soll es über die St. Franziskus Straße und Oberrather Straße Richtung Ratingen weitergehen. Die Autospuren seien zu breit. „Dort können wir sofort ohne Probleme eine Radspur realisieren“, meint Czerwinski. „Das ist eine Sache von ein paar Pinselstrichen.“ Die Autofahrer hätten trotzdem noch genug Platz genug.

Nicht auf der Luegallee in Oberkassel. Dort wollen die Grünen trotzdem den früheren Fahrrad-Streifen zurückerobern. Dann gebe es nur noch eine Fahrspur für die Autofahrer je Richtung. Das wird eng. Aber Czerwinski sieht keine Alternative, weil die Radfahrer nicht auf Nebenstraßen umgeleitet werden können.

Vom Linksrheinischen soll die Route über die Heinrich-Heine-Allee zur Friedrich- und Breite Straße führen. Dort wollen die Grünen an das städtische Radwege-Projekt anknüpfen, der aber nicht am S-Bahnhof Bilk enden soll. Stattdessen wird ein Anschluss an die Merowinger Straße gefordert. Auch hier steckt jede Menge Zündstoff drin. Die Merowinger Straße ist in der Rushhour oft verstopft.

Weitere Express-Routen für die Radfahrer werden auf der Pempelforter und Kölner Straße sowie auf der geplanten L404n am S-Bahnhof Gerresheim vorgeschlagen. Ebenso auf der Kaiser- und Fischerstraße in der Innenstadt: Dort müssten zwei statt drei Fahrspuren für die Autofahrer reichen, um mehr Raum für Radler und Fußgänger zu schaffen.

Die Express-Routen für Biker sollen mindestens zwei Meter breit sein. Zum Parkstreifen muss ein ausreichender Sicherheitsabstand gewährleistet sein. Kreuzungen müssen direkt und ohne Umwege überquert werden können.

Mit dem fünf- bis sechsjährigen Umbauprogramm glauben die Grünen der Ratsfraktion, den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr auf 25 Prozent erhöhen zu können. Das sei auch das Ziel des Clubs der fahrradfreundlichen Städte, dem Düsseldorf ja angehöre, so Fraktionsreferent Stephan Soll. „Und Kopenhagen will den Anteil der Radfahrer sogar auf 50 Prozent steigern.“

 
 

EURE FAVORITEN