Schießerei in Hilden - Schütze suchte Opfer gezielt aus, die Polizei rätselt über Motiv

Die Polizei rätselt über das Motiv des 38-Jährigen, der in in der Firma 3M in Hilden um sich schoss.
Die Polizei rätselt über das Motiv des 38-Jährigen, der in in der Firma 3M in Hilden um sich schoss.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Nach der Schießerei auf dem Werksgelände bei der Firma 3M in Hilden rätselt die Polizei über das Motiv des 38-jährigen Schützen. Nach Angaben von Mitarbeitern und Familie habe der Mann keinerlei offenkundige Probleme gehabt. Zwei Schwerverletzte sind mittlerweile außer Lebensgefahr.

Hilden. Die Polizei steht nach der Schießerei auf dem Werksgelände der Firma 3M in Hilden vor einem Rätsel. Trotz zahlreicher Zeugenbefragungen sowie der Familie des Schützen gibt es keinerlei Hinweise auf ein Motiv für die Tat des 38-Jährigen. Der in Düsseldorf lebende Mann, bosnischer Abstammung, hatte am Freitagabend vor seinem Schichtbeginn erst zwei Männer schwer und zwei weitere leicht verletzt und sich anschließend selbst getötet. Da er seine Opfer nach ersten Erkenntnissen der Polizei offenbar gezielt ausgewählt hatte, handelt es sich um keinen Amoklauf, sondern wohl um ein geplantes Tötungsdelikt.

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei auf einer Pressekonferenz am Samstag hat sich der Tathergang in etwa so abgespielt: Gegen 21.30 Uhr ist der 38-Jährige auf den Parkplatz der Firma 3M in Hilden gefahren, wo er seit 15 Jahren beschäftigt war. Vor der Tür in der Nähe der Fahrradständer sprach er einen 42-jährigen Familienvater an, eröffnete das Feuer und verletzte den Mann mit vier Schüssen lebensgefährlich. Dieser war anschließend noch ansprechbar, wusste aber nicht, warum auf ihn geschossen wurde.

Polizei, Arbeitskollegen und Familie stehen vor einem Rätsel

Der Täter war derweil in den Kantinen-Bereich gelangt, wo sich rund 20 Leute aufhielten. In Höhe des Raucherbereichs eröffnete der Mann erneut das Feuer in Richtung eines Tisches. von den Splittern einer Glasscheibe wurde zwei Personen leicht verletzt. In der Umkleide traf der Schütze auf sein nächstes Opfer - seinen direkten Vorgesetzten. Auch dieser wurde mit zwei Schüssen lebensgefährlich verletzt. Anschließend hat sich der Täter offenbar selbst erschossen.

Später fand die Polizei zwei Waffen und jede Menge Munition bei dem Toten. Woher die Waffen stammen ist noch unklar. Auch das Motiv bereitet den ermittelnden Beamten Kopfzerbrechen. Bislang galt der 38-Jährige als völlig unauffällig. Er war weder vorbestraft, noch habe es offenkundige Probleme durch Drogen, Alkohol oder Depressionen gegeben, wie Arbeitskollegen und seine Familie in ersten Befragungen mitteilten. Der Mann habe immer gute Beurteilungen bekommen, sein Handeln sei "absolut unverständlich", sagte Unternehmenssprecher Manfred Kremer der Nachrichtenagentur dapd. "Wir sind hier alle geschockt und wissen nicht, wie wir uns das erklären sollen", sagte Kremer.

Zwei Schwerverletzte außer Lebensgefahr

In dem Werk arbeiten rund 900 Menschen im Schichtbetrieb. Das amerikanische Unternehmen produziert dort unter anderem Hygieneprodukte und Spezialkleber. In einem der beiden Werksteile wurde die Produktion am Samstag unterbrochen. Die übrigen Mitarbeiter könnten selbst entscheiden, ob sie arbeiten wollten oder nicht, sagte der Firmensprecher. Das Management sei mit den Mitarbeitern im Gespräch.

Beide schwer verletzten Männer konnten in der Nacht zum Samstag durch Notoperationen stabilisiert werden und befinden sich nach aktuellem Stand außer Lebensgefahr. (we/mit dapd)

 
 

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