Rostocker Fußballfans erhalten Entschädigung für Zeit im Gewahrsam

Drei Fans des Fußballclubs Hansa Rostock wurden 2010 am Vorabend des Spiels ihrer Mannschaft gegen Fortuna Düsseldorf festgenommen. Das Verwaltungsgericht entschied jetzt, dass die Polizei zu hart vorgegangen ist.
Drei Fans des Fußballclubs Hansa Rostock wurden 2010 am Vorabend des Spiels ihrer Mannschaft gegen Fortuna Düsseldorf festgenommen. Das Verwaltungsgericht entschied jetzt, dass die Polizei zu hart vorgegangen ist.
Foto: WR/Franz Luthe
Hansa Rostock-Fans wurden am Vorabend des Spiels gegen Fortuna Düsseldorf festgenommen und erst nach dem Spiel wieder entlassen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf sprach den Fans jetzt Entschädigungen zu.

Düsseldorf.. Im Mai 2010 kamen zahlreiche Fans des Fußballvereins Hansa Rostock nach Düsseldorf, um sich das Spiel ihrer Kicker gegen die Fortuna am 9. Mai anzusehen. Schon am Vorabend gab es Ärger, die Polizei nahm rund 150 Personen in Gewahrsam – zum Teil bis nach dem Spiel am nächsten Tag. Drei Fans klagten und bekamen Recht: Der Einsatz war in dem Ausmaß rechtswidrig, stellte das Verwaltungsgericht fest. Die drei Männer erhalten jetzt eine Entschädigung von der Polizei.

Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts hätte die Polizei die Kläger nicht festhalten dürfen, da sie ihnen nichts vorzuwerfen hatte. Dass zum Beispiel einer der drei mit Gegenständen geworfen habe, ließ sich durch die Videos der Polizei nicht nachweisen. Sie hätten im Weiteren nicht so lange festgehalten werden dürfen, ohne dass ein Richter darüber entscheidet.

Mit Flaschen geworfen

Die Rostocker Fans hatten am Samstag Abend in der Altstadt gefeiert. Nach Angaben der Polizei traten sie aggressiv auf, warfen mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und Stühlen. Man habe die übrigen Altstadt-Besucher schützen wollen. Deshalb sperrten die Beamten gegen Mitternacht die Kurze Straße. Und nahmen die dort eingekesselten Fußballfans in Gewahrsam.

Die drei Kläger kamen in Gemeinschaftszellen. Einer beschreibt in seiner Klage, er habe mit acht anderen Personen dort ausharren müssen. Es habe keine Toilette, sondern nur ein Loch gegeben. Er habe auf den nackten Fliesen liegen müssen.

„Platzverweis hätte gereicht“

Bei zwei Klägern hatte kein Richter über den Freiheitsentzug entschieden, im dritten Fall wurde er erst sehr spät einbezogen. Das hätte „unverzüglich“ geschehen müssen, so das Verwaltungsgericht. „Normalerweise passiert das innerhalb von zwei bis drei Stunden“, erklärt Anna Luczak, Spezialistin für Polizeirecht und die Anwältin der drei Kläger. „Die Polizei hätte erst ein milderes Mittel anwenden müssen“, so die Juristin. Ein Platzverweis hätte gereicht. Erst bei einem Verstoß dagegen sei eine Ingewahrsamnahme gerechtfertigt.

Fussball

Mit dem Urteil in der Tasche forderten die drei Rostocker Entschädigung von der Polizei. Die hat das akzeptiert, zahlt den Männern 500, 600 und 700 Euro. „Wir erkennen das Urteil an“, erklärt Polizei-Sprecherin Susanna Heusgen. Und warnt gleichzeitig, dass nicht alle damals Festgehaltenen Anspruch auf Zahlungen haben. „Wir prüfen jeden Einzelfall.“

Anwältin Anna Luczak weiß, dass sich noch einige Rostocker für das Thema interessieren. Besonders Sorgen mache vielen, dass sie jetzt in der Datei „Gewalttäter Sport“ der Polizei stehen – unabhängig davon, ob sie einer Straftat überführt wurden oder nicht.

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