Roger Klüh will „Zeichen der Freiheit“ setzen

Die Zahl der Länder mit einem kommunistischem Regime ist in den vergangenen 30 Jahren rapide gesunken. Einige wenige gibt es noch. Eines davon ist die karibische Insel Kuba. Seit vielen Jahrzehnten liegt das kleine Land im Dauerclinch mit dem größten Nachbarn, der zugleich die einzige verbliebene Supermacht der Welt ist: die Vereinigten Staaten. Doch jetzt bahnt sich eine Tauwetterperiode an. Anfang August, so glauben die internationalen Beobachter, könnten die USA ihre restriktiven Reiseverbote in das Inselland aufheben. Ein Düsseldorfer will der erste sein, der diese Chance nutzt: Roger Klüh plant, mit einem Motorboot von Florida nach Havanna zu fahren. „Wenn mein Boot im Wasser war, hat es jedes Mal Geschichte geschrieben“, so Klüh in der Zigarrenlounge „Casa del Habana“ an der Grünstraße.

Doch warum will der Sohn des Dienstleistungs-Unternehmers Josef Klüh ausgerechnet nach Kuba? „Es geht ausschließlich um Sport – nicht um Politik“, sagt er und schiebt nach: „Außerdem geht es darum, ein Stück amerikanischer Geschichte der kubanischen Bevölkerung nahe zu bringen!“ Damit meint Klüh sein Boot.

Geht es nach Klüh, dann startet er am 1. August. Klingt nach einem sonnigen Trip, 110 Meilen über den Atlantik. Doch so ganz einfach ist die Sache nicht. „Anfang August beginnt in der Region die Hurricane-Saison. Außerdem gibt es überdurchschnittlich viele Haie“, sagt Klüh. In der Habana-Bar erinnert schon vieles an sein Zielland. Auf einem Glastisch stehen kubanische Rum-Flaschen, an der Wand hängen alte Spiegel-Titelseiten, die das Porträt von Fidel Castro zeigen – in Uniform selbstverständlich.

Sein Boot trägt den Namen Apache Star. Vor vielen Jahren machte das 2700-PS-Schiff zahlreiche Erfolge als Rennboot unter dem Namen Apache Heritage „Mein Boot war zweimal Weltmeister und war auch nur zweimal im Wettbewerb in Key-West“, sagt der Mann, der früher professionell Eishockey gespielt hat, in der Mannschaft, die sein Vater als Hauptsponsor gefördert hat. Jede Fahrt also ein Sieg. Das Boot wurde zwei Jahre lang speziell für eine Strecke gebaut. „Und es gilt in den USA bis heute als das hochwertigste Powerboot der letzten 30 Jahre“, so Roger Klüh. Jetzt will er selbst damit „ein Zeichen der Freiheit“ setzen.

Knapp eineinhalb Stunden soll die Fahrt dauern. Mit mehr als 220 Stundenkilometern und vier Mann an Bord. Klühs Ziel ist der Hemingway International Yacht Club. Dieser Verein, der alles andere als international ist, da es auf Kuba heute keine ausländischen Boote gibt, ist offiziell Ausrüster des Events. Klüh hat den Ort, den er mit dem Powerboot ansteuern möchte, schon selbst besucht, ist die Strecke zu Fuß abgegangen, die er an dem Tag mit dem Boot Anleger entlang fahren möchte. Er rechnet mit einem großen Besucheranstrom der Kubaner.

Doch noch steht nicht abschließend fest, ob die Amerikaner ihre Genehmigung tatsächlich erteilen. Klüh versucht es über alle nur erdenklichen Stellen. 2014 musste er eine Ablehnung kassieren. Jetzt soll es besser laufen. Drei Aktenordner sind inzwischen mit Anträgen auf die Genehmigung der Überfahrt durch die USA und Kuba gefüllt, ein neuer Antrag ist jetzt dazu gekommen – laut Klüh liegt er gerade im Weißen Haus in Washington zur Genehmigung vor. Barack Obama, habe ihm per Mail geantwortet. „Seit Obamas historischem Treffen mit Kubas Staatschef Raúl Castro rechne ich mir bessere Chancen aus“, meint Klüh.

Falls es klappt, will der Düsseldorfer übrigens auf Nummer sicher gehen.Für den Fall, dass es auf der 110 Meilen langen Strecke einen Unfall gibt, ist immer ein Helikopter mit Tauchern in der Nähe seines Bootes Apache Star.

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