Röhrenfernseher müssen draußen bleiben

Über die Eröffnung am neuen Standort des Pfandhauses Friedrich Werdier KG auf der Friedrich Ebert-Str. 56 freuen sich Joachim und Thomas Struck (re.).
Über die Eröffnung am neuen Standort des Pfandhauses Friedrich Werdier KG auf der Friedrich Ebert-Str. 56 freuen sich Joachim und Thomas Struck (re.).
Foto: Ingo Lammert
Das Pfandkreditgeschäft soll in Düsseldorf neuen Schwung bekommen. Thomas und Joachim Struck sind dafür mit der Friedrich Werdier KG von der Liesegangstraße an den Hauptbahnhof gezogen. Vergangenen Montag eröffnete das Leihhaus an der Friedrich-Ebert-Straße 56 die Pforten. Mitten im Getümmel.

Düsseldorf.. „An unserem vorherigen Standort wurde es immer stiller, hier aber sind wir voll im Leben“, sagt Thomas Struck, der das Unternehmen mit seinem Bruder Joachim in der vierten Generation führt. Schon in den ersten anderthalb Stunden habe man gewusst, dass sich der Umzug gelohnt hat. „Wir hatten in der kurzen Zeit etliche Anfragen und auch schon konkrete Warenangebote.“

Temporäre Finanzlücken

Den Düsseldorfer Hauptbahnhof bevölkern täglich mehr als 250 000 Menschen. „Wir hoffen, dass von dieser einzigartigen Frequenz und dem damit verbundenen hohen Ausländeranteil deutlich profitieren werden“, sagt Joachim Struck, der mit seinem Bruder Herr über insgesamt acht Leihhäuser in ganz Deutschland ist – unter anderem in Duisburg, Hamburg und Berlin-Kreuzburg. Die Firma Werdier gewährte in Geschäftsjahr 2012 Kredite in Höhe von mehr als 41 Millionen Euro für knapp 76 000 Verpfändungen.

Das Klientel ist breit gefächert. „Nur die ganz Reichen und die ganz Armen kommen nicht zu uns“, sagt Joachim Struck. Sein Bruder Thomas ergänzt: „Unsere Kunden sind Menschen, die schon einmal gute Zeiten erlebt haben, denen es aber aktuell weniger gut geht. Das ist in den meisten Fällen aber nur vorübergehend.“ Heißt: Werdier schließt bei den Kunden temporäre Finanzlücken. Die können schonmal entstehen, wenn etwa im Urlaub ein paar hundert Euro zu viel ausgegeben wurden oder wenn die Reparatur fürs Auto zu viel Geld gekostet hat. Ein großer Teil der Kunden sind zudem Ausländer ohne EU-Pass, denn die bekommen von den Banken nur in seltenen Fällen einen Kredit.

Rund 95 Prozent der Kunden holen ihre goldene Uhr, ihr silbernes Armband oder ihre Gedenkmünze, die sie für bares Geld eingetauscht haben, auch wieder ab. Konkretes Rechenbeispiel: Wer eine alte Taschenuhr für 500 Euro beleiht, zahlt bei Abholung 520 Euro ans Leihhaus. Die Strucks nehmen für einen Monat ein Prozent Zinsen und drei Prozent Gebühren. Sollte der Gegenstand längere Zeit im Tresor liegen blieben, wird er versteigert, daran verdient Werdier dann in der Regel keinen Pfennig mehr. Denn der Überschuss von der Versteigerung gehört bis zu zwei Jahre danach noch dem Kunden.

Das derzeitige Durchschnittsdarlehen liegt bei den Strucks derzeit bei rund 550 Euro, damit liegt Werdier deutlich über dem Branchenschnitt von knapp 350 Euro. Das Düsseldorfer Leihhaus nimmt dabei nicht nur Gold und Silber an, sondern auch alte elektrische Modelleisenbahnen, Markenpuppen oder modernes technisches Gerät. „Häufig kommen die Leute aber auch mit drei Jahre alten Handys oder Notebooks“, plaudert Joachim Struck aus dem Nähkästchen. „Die können wir dann nicht annehmen, schon gar nicht ohne Rechnungsschein.“ Gern angeboten werden auch alte Röhrenfernseher. Auch da müssen die Leihhaus-Mitarbeiter dankend ablehnen.

Goldschmiede und Uhrmacher

Werdier zählt derzeit bundesweit rund 60 Mitarbeiter, sieben Angestellte in der Düsseldorfer Filiale. Sie stammen überwiegend aus dem Schmuckhandel oder sind Goldschmiede oder Uhrmacher. Aber auch Kaufleute aus anderen Branchen steigen immer mal wieder quer ein. „Wir wollen hier in Düsseldorf unser Personal mittelfristig auf zehn Leute erweitern“, stellte Thomas Struck am Montag in Aussicht.

 
 

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