Ressentiments im Bergischen Viertel

Bis zu 1000 Asylbewerber möchte das Land auf dem Areal der Bergischen Kaserne unterbringen.
Bis zu 1000 Asylbewerber möchte das Land auf dem Areal der Bergischen Kaserne unterbringen.
Foto: WAZ Fotopool
Der Bürgerverein Bergisches Viertel aus Düsseldorf macht nach einem Besuch in Dortmund Stimmung gegen künftige Flüchtlinge im Düsseldorfer Osten.

Düsseldorf.  Wer Angst schüren will, muss dies gar nicht auf plumpe Art und Weise wie Pegida und Co. tun. Wie man auf nur sechs Din A-4 Seiten ein Gebilde aus sexueller Gewalt und Bedrohung schaffen kann, zeigt der Bürgerverein Bergisches Viertel aus dem Düsseldorfer Osten in einem aktuellen Rundschreiben.

Stippvisite nach Dortmund

Wohnungseinbrüche, Kupferdiebstahl, körperliche Belästigungen von Minderjährigen und Drogenhandel – all’ dies aufgedeckt in nur einem unvorbereiteten Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Dortmund-Hacheney. Nachdem die Pläne der Stadt bekannt wurden, in der Bergischen Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu errichten, fuhren Mitglieder des Bürgervereins Bergisches Viertel im März zur Stippvisite nach Dortmund, um sich einen Eindruck von der Situation dort zu machen.

Die Beobachtungen der Damen und Herren des Bürgervereins konzentrierten sich zunächst auf den Eingangsbereich der Erstaufnahmeeinrichtung. Hier stieß man sogleich auf die erste erschütternde Beobachtung: Flüchtlinge besitzen Smartphones und viele von ihnen transportieren ihr Hab und Gut gar in Rollkoffern!

Beobachtung Nummer zwei: Die Flüchtlinge werden von kriminellen Schleppern vor die Unterkunft gebracht. Verifizierbar ist diese These allerdings nicht, stammen die Aussagen doch von nicht namentlich genannten Anwohnern. Abhalten lässt man sich aufgrund solcher Nichtigkeiten beim Bürgerverein Bergisches Viertel aus Hubbelrath und Ludenberg aber nicht und schlägt in die nächste Kerbe. Und was könnte in diesem Kontext wohl mehr polarisieren als körperliche Übergriffe auf Frauen und minderjährige Mädchen? Wer nun denkt, dass spätestens an diesem Punkt Schluss mit den unbestätigten Anschuldigungen in Richtung Flüchtlinge ist, hat die Rechnung ohne den Bürgerverein gemacht. „Auf intensive Nachfrage“, hätten Anwohner nämlich von Einkesselungen junger Frauen durch die Männer aus der Erstaufnahmeeinrichtung berichtet.

Ein Horror-Szenario wird aufgezeigt

Der Höhepunkt der Ermittlungen der Delegation aus dem Bergischen Viertel ist dann aber spätestens erreicht, als man auf mehrfache Nachfrage bei drei Mädchen im Alter zwischen zehn und 13 Jahren erfahren haben will, dass alle blonden Mädchen von Männern angefasst werden würden.

Wie wird die Stadt Düsseldorf nun diesem bevorstehenden „Horror-Szenario“ entgegentreten? Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch nimmt das im NRZ-Gespräch unaufgeregt: „All’ die Dinge, die der Bürgerverein in seinem Schreiben nennt, sind für mich nicht verifizierbar. Wenn wir Pläne für die Bergische Kaserne präsentieren können, werden wir uns wie gehabt mit allen Beteiligten zusammensetzen und mögliche Probleme beraten. So haben wir es bislang gemacht und damit haben wir auch sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Ob das die Damen und Herren vom Bürgerverein Bergisches Viertel zufrieden stellen wird, sei allerdings dahingestellt.

 
 

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