Radhauptnetz – 300 Kilometer für Düsseldorfs Radfahrer

Christine Holthoff
Radfahrer haben es auf der Karlstraße derzeit noch schwer. 2016 soll dort ein Radweg eingerichtet werden.
Radfahrer haben es auf der Karlstraße derzeit noch schwer. 2016 soll dort ein Radweg eingerichtet werden.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Bis das Düsseldorfer Radhauptnetz 2020 fertig gesponnen ist, sind 700 Einzelmaßnahmen nötig. Eine Fachgruppe Radverkehr soll den Prozess begleiten.

Düsseldorf. Der Wunschzettel steht, nun werden die Weichen gestellt, damit möglichst viel davon in Erfüllung geht: Rund 300 Kilometer lang soll das „Radhauptnetz“ werden, das im September vergangenen Jahres vom Verkehrsausschuss beschlossen wurde und das Radfahren in Düsseldorf künftig sicherer und einfacher machen soll. Um das Konzept zügig und unter breiter Zustimmung der Bürger umsetzen zu können, hat die Stadtverwaltung vor Kurzem die „Fachgruppe Radverkehr“ gebildet.

„Hier werden die Maßnahmen besprochen, konkrete Planungsschritte festgelegt und man steigt auch mal für gemeinsame Ortsbesichtigungen aufs Fahrrad“, erläuterte Verkehrsdezernent Stephan Keller gestern die Aufgaben der Fachgruppe. Außerdem habe sie die Funktion, Konsens herzustellen. Unter Federführung des Amtes für Verkehrsmanagement kommen in der Gruppe alle zwei Monate Vertreter der Ratsfraktionen, des ADFC, des VCD und eines Planerbüros zusammen.

Radweg auf Oberkasseler Brücke ist ein Anfang

700 Einzelmaßnahmen sind nötig, bis das Radhauptnetz fertig gesponnen ist. Der Großteil soll bis zum Jahr 2020 erledigt sein. Dafür stehen zwei Millionen Euro pro Jahr bereit. Für Einzelprojekte wie etwa den bereits beschlossenen Bau von Radwegen auf der Worringer und Karlstraße müsste gegebenenfalls weiteres Geld locker gemacht werden. „Viel Geld alleine reicht aber nicht“, sagte Keller: „Die Maßnahmen sind vor allem planungsintensiv. Deshalb werden wir im Laufe des Jahres zwei zusätzliche Planer im Fahrradbüro einstellen.“

Wo genau demnächst neue Markierungen gesetzt, Ampelschaltungen angepasst oder Radwege komplett neu gebaut werden, darüber wurde gestern wenig bekannt. Teil des Radhauptnetzes seien aber bereits der Radweg auf der Oberkasseler Brücke, den der Verkehrsausschuss am Mittwoch genehmigte, sowie die Radwege, die bis Ende des Jahres auf der Klever und Jülicher Straße in Pempelfort entstehen sollen.

Merowingerstraße womöglich bald „Shared Bike Lane“

Kandidat für ein Pilotprojekt sei die Merowingerstraße in Bilk. Dort könnte die „Shared Bike Lane“ getestet werden – ein Modell, bei dem sich Rad- und Autofahrer eine Spur teilen, die dann entsprechend markiert wird. Außerdem müssten die Autofahrer dort ihr Tempo reduzieren. „Die ‘Shared Bike Lane’ ist für Situationen gedacht, wo uns nicht sofort die Traumlösung einfällt“, sagte Keller. Solche geteilten Spuren würden funktionieren, wenn eine kritische Masse an Radlern angelockt werde, die sich dann gleichberechtigt gegen die Autofahrer behaupten könne. „Das muss man einfach ausprobieren“, so Keller.

Teil des Konzepts sind neben den klassischen Radwegen auf oder neben der Fahrbahn auch mehrere Fahrradstraßen. Welche Maßnahmen wo genau umgesetzt werden könnten, soll den Bürgern noch vor den Sommerferien in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt werden.