Radfahrer (68) strampelt vor Gericht gegen Bußgeld an

Foto: Francesco Carucci

Düsseldorf..  Er glaubt, dass er verfolgt wird. Und zwar speziell von diesem Polizisten. Und nur deshalb habe der ihm auch ein Knöllchen für Radfahren ohne Licht verpasst. Gegen das Bußgeld von zehn Euro wehrte sich der Jurist (68) mit Händen und Füßen. Doch es halft nichts.

Weil er Einspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt hatte, musste das Amtsgericht verhandeln. Ob der 68-Jährige mit buschigem Schnauzbart, der als Justiziar arbeitet, am 14. November 2011 gegen 21 Uhr wirklich ohne Licht geradelt war. Oder sein Rad nur schob, wie er selbst erklärte.

Im Prozess erklärte er aufgeregt: „Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte.“ Er kenne den Beamten, der ihn aufgeschrieben habe, schon lange: Vor rund 15 Jahren habe er erlebt, wie er mit einem Streifenwagen und „Tatütata“ vor einer Bäckerei hielt und sich Gebäck holte. „Ich kam mit dem Rad nicht vorbei, habe den Polizisten gefragt: „War das ein Einsatz, um Brötchen zu holen?“

Seitdem habe der ihn auf dem Kieker. Habe ihm mal „triumphierend“ ein Knöllchen geschrieben, als er mit dem Rad eine rote Ampel missachtete. Und verfolge ihn dauernd mit dem Streifenwagen. Im aktuellen Fall könne ein Zeuge bestätigen, dass er gar nicht gefahren sei.

Dem widersprachen der Polizist (45) und eine Kollegin (26). Sie erklärten beide, den Herrn an der Kreuzung Neusser Straße, Ecke Bilker Allee ohne Licht fahren gesehen zu haben. Sie hätten ihn gestoppt, nachdem sie einmal die Kirche umrundet hatten. Der Mann habe sich unkooperativ verhalten. „Man merkte, dass sie sich nicht mochten“, so die Beamtin. Der 68-Jährige habe ihren Kollegen sogar „Rechtsbrecher in Uniform“ genannt.

Der Radfahrer wollte diese Aussagen so nicht stehen lassen. Ließ seinen Anwalt beantragen, seinen Zeugen zu vernehmen. Der halte sich nur derzeit in Bulgarin auf. Als der Richter den Antrag zurückwies – „der Aufwand ist bei einem Bußgeld von zehn Euro unverhältnismäßig“, konnte sich der Justiziar kaum beherrschen.

Wieso man ihm nicht glaube? „Ich habe doch alles aufgeschrieben!“ verwies er auf seine schriftliche Aussage in den Akten. „Total voreingenommen“ sei das Gericht. Sein Anwalt konnte ihn nur mühsam beruhigen. Wütend blätterte der 68-Jährige in seinem Gesetzbuch. Was ihm nichts mehr half: Der Richter verurteilte ihn wegen „fahrlässigen Fahrzeugführens ohne Betriebsbeleuchtung“ zu zehn Euro Bußgeld.

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