Psychospiele beim Düsseldorfer Open Source

Open Source Festival am Samstag, 12.07.2014 auf der Rennbahn in Duesseldorf
Open Source Festival am Samstag, 12.07.2014 auf der Rennbahn in Duesseldorf
Foto: WAZ FotoPool
Die Mischung macht’s: Rapsänger Max Herre, der britische Avantgardekünstler Den Blunt und der künftige OB Thimas Geisel beim Open Source Festival auf der Düsseldorfer Galopprennbahn. Ein toller Tag, an dme es allerdings auch kleine Misstöne gab.

Düsseldorf..  Psychospiele auf der Rennbahn. Dort, wo sonst die Galopper durch den Führring gebracht werden, ist jetzt die Carhatt-Stage aufgebaut. Die Sonne geht unter, und die Performance von Dean Blunt beginnt. Auf der Bühne ist es stockdunkel, der Künstler verzichtet auf Licht, das ist unheimlich. Dean Blunt ist ein Dunkelhäutiger und könnte in dieser Szenerie auch sein eigener Schatten sein. Dunkelhäutig auch der Mann, der wie einer vom Sicherheitsdienst mit vor der Brust verschränkten Armen hinter Blunt steht und sich ab sofort anderthalb Stunden nicht mehr bewegen wird. Das Geräusch strömenden Regens vom Band. Blunt schaut die Leute vor der Bühne an, skeptisch, drohend, fixiert jeden Einzelnen. Dann rennt er im Kreis, immer wieder, wie ein Tiger im Käfig, immer um den vermeintlichen Security-Typen herum, bleibt dann vorn stehen, starrt in die Menge. Irgendwann setzen sphärische Klänge ein, dann Drum and Bass, später Avantgarde-Musik vom Feinsten. Diesen Auftritt werden die Besucher des 9. Open Source nicht mehr vergessen.

Jedenfalls diejenigen, die den Weg zum britischen Exzentriker, der früher mal Boxer war, geschafft haben. Denn die Konzerte von Blunt und von Max Herre, der unten vor Tausenden von Fans auf der Galopprennbahn mit zig anderen Künstlern seine zugegeben nette MTV Unplugged Kahedi Radio Show präsentiert, laufen parallel. Dem Vernehmen nach hatte Blunt keine Lust aufzutreten, weil ihm der Auftrittsort nicht gepasst hat und musste überredet werden. Wie auch immer, er ist aufgetreten. Gott sei Dank.

Auf der Carhatt-Stage präsentierte sich zuvor auch Noah Benjamin Lennox, früheres Gründungsmitglied der Alternativ-Helden von Animal Collective, diesmal mit dem Projekt „Panda Bear“. Eine ebenfalls krasse Vorstellung mit dichtem Elektrosound, die allerdings nur vor einer verschwindend kleinen Horde Fans stattfand. Warum? Man sollte als Open-Source-Veranstalter vielleicht noch einmal darüber nachdenken, wie man so etwas vermeidet. Vielleicht ist aber auch alles gut so, schwer zu sagen.

Perfektes Festivalwetter

Denn Open Source ist neben der Klasse immer auch Masse. Zigtausende Musikfans kamen am vergangenen Samstag zur Galopprennbahn nach Grafenberg, um sich bei perfektem Festivalwetter von den Dingen berieseln zu lassen. Alles war gut: Würstchen, Bier, in sich stapelbare Bierbecher, die bunten Einlassbändchen. Auf der Young Talent Stage vor den Wettschaltern war es vor allem die Formation „KuF“, die mit E-Kontrabass, Schlagzeug und Keyboards für den Aha-Effekt sorgte. Auf der Hauptbühne kam Stimmung durch die wunderbar tuntenhafte Show von „Hercules Love Affair“ auf. Später brauchte Max Herre dann nur noch abräumen.

Und zwischen allen gut gelaunten Menschen schwirrte bis spät am Abend der künftige Düsseldorfer Oberbürgermeister herum. Kann man sich Dirk Elbers beim Open Source vorstellen? Genau. Thomas Geisel aber ließ sich blicken, führte Gespräche, schüttelte Hände, wippte mit dem Fuß im Takt der Musik. Der Mann ist so viel unterwegs, es wird einige Doppelgänger geben. „Es wurde wieder einmal deutlich, wie viel Herzblut in diesem Festival steckt“, sagte Geisel am Rande des Geschehens zur NRZ. „Das Open Source besitzt Stahlkraft weit über Düsseldorfer hinaus. Wenn man bedenkt, welche finanzielle Unterstützung von der Stadt kommt und was am Ende dabei heraus springt, dann ist das ein guter Deal.“

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