Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung auf der Polizei-Wache

Katharina Rüth
Vor dem Landgericht Düsseldorf muss sich der Polizist verantworten, der einen jungen Mann auf der Wache zum Oralsex genötigt haben soll.
Vor dem Landgericht Düsseldorf muss sich der Polizist verantworten, der einen jungen Mann auf der Wache zum Oralsex genötigt haben soll.
Foto: dpa
Am 6. Mai beginnt das Gerichtsverfahren gegen einen Düsseldorfer Polizisten, der einen jungen Mann auf der Wache zum Oralsex genötigt haben soll. Der hatte einen Fahrraddiebstahl anzeigen wollen, soll vom Angeklagten unter Vorwänden in ein Nebenzimmer gelotst und dann zum Sex gedrängt worden sein.

Düsseldorf. Er wollte bloß einen Fahrraddiebstahl anzeigen. Und soll dann von dem wachhabenden Polizisten zum Oralsex gezwungen worden sein. So erzählte es der junge Mann wenig später anderen Polizeibeamten. Ab 6. Mai muss sich der Polizist (58) vor dem Landgericht wegen Vergewaltigung verantworten.

Die Geschichte klingt ungeheuerlich: Am Nachmittag des 13. April 2013, einem Samstag, kam der junge Mann in die kleine Wache am Oberbilker Markt, wollte den Diebstahl seines Rads anzeigen. Während der Polizist die Personalien aufnahm, soll er den Besucher gefragt haben, ob er denn schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei. Da hat der junge Mann zugegeben, er müsse ein Ordnungsgeld in Raten abzahlen.

Polizist soll mit Gefängnis gedroht haben

Der Beamte hat dann, so die Anklage, den jungen Mann für eine Durchsuchung in den Nebenraum gebeten. Dort soll er ihn aufgefordert haben, sich komplett auszuziehen. In einer Hosentasche soll der Polizist Tabakreste gefunden und dem jungen Mann vorgehalten haben, das sei ja wohl nicht nur Tabak. Dann habe er ihm erklärt, dass er verhaftet sei. Sollte er fliehen wollen, könne er seine Waffe nutzen, die er am Gürtel trug.

Nachdem sich der verschreckte Besucher angezogen hatte, soll ihn der Beamte vor dem gewarnt haben, „was mit einem so hübschen jungen Mann“ wie ihm im Gefängnis passieren werde. Und soll ihn aufgefordert haben, sich „etwas zu überlegen“, um ihn „umzustimmen“. Nach weiteren Andeutungen hat der junge Mann verstanden, dass er ihn oral befriedigen sollte.

DNA-Spuren am Körper des Mannes stützen die Aussage

Der Beamte soll dann auf die Toilette gegangen sein, wo der junge Mann unter dem Eindruck der vorhergehenden Drohung den Wünschen des Beamten nachkam, bis er würgen musste. Er durfte dann gehen und meldete sich einige Stunden später am Jürgensplatz.

Seine Schilderungen des Vorfalls waren so glaubhaft, dass der Beamte unverzüglich vom Dienst suspendiert wurde. DNA-Spuren am Körper des Angeklagten unterstützten die Aussage des jungen Mannes.

Düsseldorfer Landgericht ließ Glaubwürdigkeitsgutachten erstellen

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, verstärkte den anfänglichen Vorwurf sogar noch von sexueller Nötigung zu Vergewaltigung. Das Gericht hat außerdem noch ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit des jungen Mannes erstellen lassen. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage vorgesehen.