Probleme in Hildens guter Stube

Hilden..  Gaby Küsters sorgt sich um die Stadthalle, „Hildens gute Stube“. Bei der Unicef-Gala sei die Klimaanlage an Pianostellen teilweise lauter gewesen als die Weltstars auf der Bühne: „Es zieht von oben eiskalt.“ Eine Damentoilette sei überschwemmt gewesen. „Die Künstlergarderoben im Keller haben beim letzten Konzert so nach Gulli gestunken, dass sie nicht zu benutzen waren.“ Beim Verlassen der Tiefgarage gehe der Alarm an: Bitte Motor abstellen, Vergiftungsgefahr durch Abgase. Das habe sie früher nie bemerkt. Werden die Abgase etwa nicht mehr vorschriftsmäßig abgesogen, fragt sich die Hildenerin.

Die Stadthalle ist inzwischen 36 Jahre alt. „Natürlich muss immer mal wieder was repariert werden“, sagt Kämmerer Heinrich Klausgrete, Geschäftsführer der Stadt Hilden Holding: „Es gibt aber keine grundlegenden Probleme mit der Gebäudehülle. Das haben wir vor einigen Jahren prüfen lassen.“ Die Stadthalle gehört der Stadt Hilden Holding, diese wiederum gehört der Stadt Hilden.

„Hildens gute Stube“ hat einige grundlegende Probleme. Dazu gehört auch die Klimaanlage. „Die Lüftung lässt sich aber nur mit hohem finanziellen Aufwand verändern“, erläutert Klausgrete: „Dafür müsste man eine komplett neue Anlage einbauen.“ Die Tiefgarage (87 Plätze) kann nur bei Veranstaltungen in der Halle genutzt werden. Für einen öffentlichen Dauerbetrieb fehlt unter anderem ein zweiter Ausgang. Zudem würde der Betrieb einen Verlust von über 100 000 Euro pro Jahr produzieren. Daran scheiterte bislang der Vorstoß der FDP, die Stadthallen-Tiefgarage für Kunden des Gressard-Platzes zu öffnen. Das Stadthallen-Restaurant ist seit Jahrzehnten geschlossen.

Die Stadt Hilden Holding investiere jedes Jahr rund 100 000 Euro in den Unterhalt der Stadthalle, so Klausgrete. Ihre Lebensdauer (Abschreibung) beträgt 50 Jahre. Überlegungen, die Stadthalle von Grund auf zu erneuern oder gar abzureißen, gebe es nicht. Dagegen spreche zweierlei. Die Stadthalle sei noch Millionen Euro Wert (Restwert). Die Verträge mit dem Betreiber Alzer Projectmanagement laufen noch bis Ende 2019.

Was viele Hildener nicht wissen: Mit der Stadthalle kann man kein Geld verdienen, sie erwirtschaftet Verluste, ähnlich wie die beiden Bäder. Die Stadt Hilden Holding kann diese Verluste (rund eine Million Euro pro Jahr) steuersparend mit den Zinsgewinnen aus dem Erlös des Stadtwerke-Anteileverkaufs verrechnen. Die damals noch agierende Stadthalle Hilden GmbH (jetzt Stadt Hilden Holding) hat die Firma Alzer Projectmanagement mit dem Segen des Stadtrates 1994 mit der Betriebsführung der Stadthalle beauftragt. Der Vertrag wurde zuletzt bis Ende 2019 verlängert. Der städtischen Gesellschaft waren durch die Gemeindeordnung Auswärtsgeschäfte verboten. Durch den Betreibervertrag mit der Firma APM begrenzt die Stadt ihren Verlust mit der Stadthalle auf einen Betriebskostenzuschuss von 700 000 Euro pro Jahr. Die Firma APM verdient ihr Geld nicht mit der Stadthalle, sondern mit der Organisation von Marktforschungsstudien für die Auto-Industrie – und zwar weltweit.

Alle Ratsfraktionen sind mit Sitz und Stimme im Aufsichtsrat der Stadt Hilden Holding vertreten. In wichtigen Fragen kann der Rat den Aufsichtsrat der Holding anweisen, wie abzustimmen ist. Die Stadtverordneten haben es selbst in der Hand, wie es mit der Stadthalle weitergeht. Klar: Für Veränderungen und Modernisierungen braucht man viel Geld. Und das ist in Hilden derzeit besonders knapp. Der Haushalt weist 2014 und 2015 ein Defizit von 15,1 Millionen Euro auf.

EURE FAVORITEN