Polizei findet große Haschischplantage bei Razzia gegen Hells Angels in Düsseldorf

Razzia gegen Unterstützer der Hells Angels in Düsseldorf in der Nacht zu Donnerstag: Bei der Razzia im Musikclub "Red Pearl" des Rockerclubs "Club 81" an der Heyestraße in Düsseldorf-Gerresheim wurde eher zufällig eine große Hanfplantage entdeckt. Die größte, die je in NRW entdeckt wurde. Im Bild: "Abernteraum II". Foto: Lars Heidrich / WAZ Foto Pool
Razzia gegen Unterstützer der Hells Angels in Düsseldorf in der Nacht zu Donnerstag: Bei der Razzia im Musikclub "Red Pearl" des Rockerclubs "Club 81" an der Heyestraße in Düsseldorf-Gerresheim wurde eher zufällig eine große Hanfplantage entdeckt. Die größte, die je in NRW entdeckt wurde. Im Bild: "Abernteraum II". Foto: Lars Heidrich / WAZ Foto Pool
Bei einer Razzia gegen Rockerbanden in NRW entdeckte die Polizei in Düsseldorf eher zufällig eine der größten Hanfplantagen, die jemals in NRW gefunden wurden. Die Beamten wurden in einem Hochbunker fündig, in dessen Erdgeschoss Unterstützer der Hells Angels ihr Klublokal eingerichtet haben.

Düsseldorf. Bei der jüngsten Großrazzia gegen Anhänger der berüchtigten Hells Angels im Gerresheimer Rocker-Club „Clan 81“ an der Torfbruch-/Ecke Heyestraße in Düsseldorf ist die Polizei auf eine der größten Hanf-Plantagen gestoßen, die es bisher in NRW gegeben hat.

Die Plantage bestand aus über 3000 Haschisch-Pflanzen, die in einer professionell auf zwei Etagen betriebenen Anlage gezüchtet wurden. Die Polizei nahm fünf Verdächtige fest, darunter den Präsidenten des „Club 81“, der zum engeren Unterstützerkreis der Hells Angels zählt. Der 24-jährige Mann aus Solingen steht unter Verdacht, Betreiber der illegalen Hanf-Plantage zu sein.

Mehrere Rocker erkennungsdienstlich behandelt

Eigentlich hatte die Einsatzhundertschaft der Polizei anderes im Sinn, als sie am Mittwoch gegen 21 Uhr das Rocker-Lokal „Red Pearl“ und die darüber liegende Club-Etage von „Clan 81“ stürmte. Die Fahnder suchten nach Waffen und anderem Beweismaterial, vor allem nach Verdächtigen, die am 21. Januar in der Mönchengladbacher Innenstadt bei den schweren Ausschreitungen zwischen den verfeindeten Hells Angels und Bandidos beteiligt waren. Weil damals zwei Rocker durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt wurden, wird auch wegen versuchten Totschlags ermittelt. Zeitgleich schlug die Polizei am Mittwoch in drei weiteren Städten zu. Landesweit waren 500 Polizisten, darunter auch schwer bewaffnete Spezialkräfte, im Einsatz.

Im Gerresheimer Rocker-Treff wurden in den ersten beiden Etagen mehrere Rocker angetroffen und erkennungsdienstlich behandelt. Doch dabei blieb es nicht. Diesmal wollte sich die Polizei überall umschauen. Sie hatte einen Durchsuchungsbeschluss für sämtliche sechs Geschosse des alten Kriegsbunkers, also auch für die beiden obersten fensterlosen Etagen.

Mit Krankenstation für schwächelnde Pflanzen

Und dort fanden die verdutzten Polizisten, die durch ein schmutziges und pechdunkles Treppenhaus den Weg nach oben gefunden hatten, eine riesige Hanf-Plantage in völlig verwinkelten Räumen, beleuchtet von 170 Speziallampen mit je 600 Watt starken Birnen, ausgestattet mit einem kompletten Belüftungssystem, mit speziellen Plätzen für Setzlinge und einer Krankenstation für schwächelnde Pflanzen sowie mit einer eigenen Stromversorgung mit zahlreichen Leitungen und Verteilern. Der Strom wurde vom Hauptstromzähler der Stadtwerke Düsseldorf illegal abgezwackt.

Angeheuert für die Anzucht waren wohl vier asiatische Gärtner, die ohne Tageslicht oben als „Erntehelfer“ arbeiteten: eine 33-jährige Frau und drei Männer im Alter von 28, 29 und 32 Jahren. Sie pflegten auch nachts die Pflanzen, hatten sich in der fünften Etage notdürftig in kargen Räumen eingerichtet: mit Matratzen, zwei Herd-Platten, einem Kühlschrank, einem Tisch und einem Fernseher. Auch eine winzige Gebetsecke mit einem Jesus-Kreuz war vorhanden.

Illegal Strom abgezapft

Gegen die Vier wurde Haftbefehl wegen gewerbs- und bandenmäßigen Anbaus von Betäubungsmitteln beantragt, ebenso gegen den mutmaßlichen Betreiber der Anlage. Sollte es zu einem Gerichtsverfahren gegen sie kommen, droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.

Am Donnerstag waren Dutzende Beamte des Rauschgiftdezernates, des Landeskriminalamtes und der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle (KTU) den ganzen Tag im Einsatz, um Spuren zu sichern und die Pflanzen abzutransportieren. Auf der Plantage mussten sie mit Mundschutz arbeiten. Der Geruch der Pflanzen war kaum zu ertragen. Vor allem: „Die Brandgefahr ist enorm“, warnte Polizeisprecher Marcel Fiebig. Überall sahen die Ermittler Stromleitungen mit blanken Enden, teils primitiv miteinander verbunden. „Nur nichts anfassen!“, mahnte Michael Baum von der Polizei. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr rückten mit Blaulicht an, um die Stromversorgung zu kappen und einen Generator aufzustellen.

 
 

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