Politik übers Wohnzimmer hinaus

Thomas Geisel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD.
Thomas Geisel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD.
Foto: Ingo Lammert
Der OB-Kandidat Thomas Geisel will Fünf-Minuten-Takt der Rheinbahn.

Pempelfort..  Am Samstag wird er in die kalten Fluten des Rheins steigen und beim Neujahrschwimmen mitmachen – eine Herausforderung, die Marathonläufer Thomas Geisel kühl angeht. Dagegen, sagt der SPD-Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl Ende Mai, „ist die Stadt für die Herausforderungen der Zukunft nicht gerüstet.“ Geisel erläutert seine Wahlkampfthesen für Pressevertreter bei einem ungewöhnlichen Termin: im Wohnzimmer seiner Wohnung an der Münsterstraße. Da springen die Kinder um Vera Geisel und ihn herum, bis der Kandidat und fünffache Vater nett aber deutlich sagt: „Jetzt gehst du aber mal!“

Ihm haben etliche tausend Düsseldorfer gesagt, was sie bedrückt, so der 50-Jährige über seine Tour „Sag’s Geisel“, die ihn in den vergangenen Wochen bei Einrichtungen und Menschen in allen zehn Stadtbezirken bekannt gemacht hat. Auch wenn er die Stadt seit zehn Jahren kennt, muss Geisel als Kandidat schließlich den OB-Bonus auszugleichen versuchen.

Zentrales Thema seines Wahlkampfs gegen OB Dirk Elbers (CDU) ist das Dilemma jeden großen Zentrums in Deutschland zwischen München und Hamburg: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. „Der Planungsdezernent sagt, es gibt 1100 Baugenehmigungen für Wohnungen. Aber wir brauchen ja allein 1000 Wohnungen, um den Trend zu immer mehr Single-Dasein abzudecken. Wenn die Stadt, wie prognostiziert, pro Jahr um 3000 Einwohner wächst - dann brauchen wir doch Tausende neue Wohnungen.“ Steigende Mieten aber hemmen das Wachstum, ist er sicher.

Das Stadtentwicklungskonzept, das für mehr Sozialwohnungen und Einheiten zu 10 Euro Kaltmieten sorgen soll, sieht Geisel eher kritisch: „Wer setzt denn die so genannte preisgedämpfte Miete von 10 Euro pro Quadratmeter durch? Wer kann das kontrollieren, wenn die Mieter wechseln? “ Geisels Vorschlag: Die Bauherren vermieten Einheiten an die Städtische Wohnungsgesellschaft, und die setzt Mieter ein. „So hat der Investor einen verlässlichen Mieter, und die Leute, die es wirklich brauchen, können dort einziehen.“

An fehlenden Wohnungen hänge ja auch das Verkehrsproblem. Menschen, die hier arbeiten, müssen mit dem Auto oder der Bahn fahren – was Staus durch Pendler schafft. „Stadtplanung muss den Menschen, nicht das Auto als Mittelpunkt sehen. Die Rheinbahn etwa müsste alle fünf Minuten fahren und Vorfahrt an Kreuzungen bekommen. Die Bahn sollte wirklich nur noch an Haltestellen halten.“ Machbar sei das durchaus, denn besserer Service für die Kunden bringe auch mehr Fahrgäste „und mehr Ticket-Abonnenten“, der Verkehrsbetrieb brauche dann auch weniger Zuschüsse.

Dass die Grünen heute eine eigene OB-Kandidatin bekannt geben werden, stört Geisel nicht: „Das schafft doch ein breites politisches Spektrum für die Wähler.“

 

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