Pierre Korzilius – der französische Düsseldorfer

Pierre Korzilius, noch Leiter des Institut Francais in Düsseldorf.
Pierre Korzilius, noch Leiter des Institut Francais in Düsseldorf.
Foto: Andreas Bretz
Nach fast fünf Jahren wechselt der Leiter des Institut français nach Paris – vorher spricht er im Interview über seine Düsseldorfer Zeit.

Düsseldorf..  Was das Goethe-Institut für Deutschland ist, das Institut français für Frankreich: Das Ziel ist, mit Standorten in der ganzen Welt die Sprache ihres Landes und den kulturellen Austausch zu fördern. Seit 2010 leitet Pierre Korzilius das Institut français in Düsseldorf, in wenigen Tagen wechselt er an die Pariser Akademie für Kammermusik ProQuartet.

NRZ: Herr Korzilius, in den vergangenen Wochen beherrschte in Deutschland und Frankreich der Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine die Schlagzeilen. Wie haben Sie das verfolgt?

Pierre Korzilius: Es ist eine tragische Geschichte. Ich musste am Tag des Unglücks von Genf nach Düsseldorf fliegen – mit Germanwings. Kurz vor dem Abflug habe ich von unserer Botschaft in Berlin von dem Unglück erfahren.

Sie sind trotzdem geflogen?

Was sollte ich tun? Ich hatte in der Savoie Vorbesprechungen für das Festival „Les Nuits Romantiques“ in Aix-Les-Bains, das ich leite, und musste zurück nach Düsseldorf. In dieser Singularität ist ein solches Ereignis weniger wahrscheinlich als vom Blitz getroffen zu werden. Mich berührt der Absturz besonders, denn unser Institut hatte mit der Schule in Haltern zusammengearbeitet – bei Sprachprüfungen. Wir kennen also Schüler und Lehrer von dort.

Sprachkurse stehen im Zentrum Ihres Instituts. Als Leiter ist es üblich, nach einigen Jahren die Station zu wechseln. Sie verlassen Düsseldorf aber schneller als geplant.

Ich sollte sogar schon zu Jahresbeginn Leiter der Akademie für Kammermusik in Paris werden, wir haben uns dann auf den 15. April als Kompromiss geeinigt.

Fällt Ihren drei Kindern der Abschied schwer?

Meine Familie bleibt erst einmal hier, auf jeden Fall bis zum Sommer, vielleicht auch länger. Wir fühlen uns alle in Düsseldorf sehr wohl. Meine Frau hat hier ihren Führerschein gemacht. Meine Söhne sind neun, elf und 14 Jahre alt, besuchen deutsche Schulen, die Karl-Arnold Grundschule in Ratingen und die größeren das Suitbertus-Gymnasium. Außerdem sind sie Fortuna-Fans. Übrigens hat die Mannschaft jedes Mal, wenn sie bei einem Spiel waren, gewonnen.

Das wäre aber Plätze in der VIP-Loge wert gewesen ...

Vielleicht hätte das zum Aufstieg verholfen.

Als Sie 2010 nach Düsseldorf kamen – welches Bild hatten Sie von der Stadt?

Ich hatte überhaupt keine Ahnung. Wir haben uns aber alle sofort wohlgefühlt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es jemandem anders gehen könnte. Neulich war der Direktor der Pariser Philharmonie in Düsseldorf, ich zeigte ihm die Schuldenfrei-Uhr am Rathaus. Es hat ihn sehr beeindruckt.

Sie und Ihre Familie sind längst Teil der Gesellschaft. Fühlen Sie sich wie ein Düsseldorfer?

Ja – und ich sage das, obwohl ich auch das Kölner Institut français leite. Die Beziehung der beiden Städte ist speziell, und ich musste erst einmal klarmachen, dass ich nicht nur als Düsseldorfer Regent dort bin.

Wie haben Sie das geschafft?

Indem ich meine Zeit gerecht halbe-halbe auf beide Institute aufgeteilt habe. Da sind schon Empfindlichkeiten, die haben sich aber inzwischen gelegt.

Was war der Grund für die doppelte Leitung?

Der gleiche wie vor einigen Jahren bei den Goethe-Instituten. Es geht darum, mit weniger Kosten möglichst optimal Synergien zu nutzen.

Welche Unterschiede sehen Sie aus Ihrer Perspektive zwischen Düsseldorf und Köln?

Die Städte sind absolut unterschiedlich. Das fängt beim Karneval an, der in Köln wild und ungezügelt ist. Unser Institut muss dort in der Hochphase schließen, weil man sich gar nicht mehr bewegen kann. In Düsseldorf ist es etwas einfacher. Andererseits ist der Karneval in Düsseldorf mit den Wagen von Jacques Tilly viel politischer, kritischer und risikofreudiger.

Welche Unterschiede sehen Sie noch?

Die Stadtpolitik in Köln ist komplex. Jedes Viertel hat eine starke Identität, das ist für einen Oberbürgermeister nicht einfach. Die Kulturbauten, die vielen Baustellen, nun, die hat Düsseldorf ja auch zur Genüge...

Wie haben Sie in Ihrer Zeit das Institut geprägt?

Es gab immer die Angst, dass es geschlossen oder verkleinert werden könnte. Durch die Doppelleitung ist es mir gelungen, beide Institute zu stärken. Besonders eng konnte ich mit der Landesregierung und dem Landtag arbeiten, den ich in den nächsten Tagen noch auf einer Fahrt nach Paris begleiten werde. Wir haben einen neuen Bibliobus, unsere französische Mediathek auf Rädern, angeschafft. Und wir sind in der Öffentlichkeit präsenter.

War das leicht, weil Düsseldorf so französisch ist?

Das ist tatsächlich so, Düsseldorf ist fast wie ein Teil von Paris. Allein das alljährliche Frankreichfest ist ein einzigartiges Ereignis. Ich wüsste nicht, wo auf der Welt es so eine Frankophilie gibt wie hier. Und solch eine Verbundenheit. Wenn die Flagge vor unserem Institut auf Halbmast hängt, kommen die Leute herein und fragen besorgt nach dem Grund. Auch wenn sie nicht ganz sauber ist – ich wasche sie selbst bei 30 Grad – bekommen wir sofort Rückmeldungen.

Wie waren die Reaktionen nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo?

Überwältigend. Anrufe, Kerzen, Kondolenzen, der Schweigemarsch – die Solidarität hatte überhaupt nicht mehr aufgehört. Mein Traum wäre, dass es in Frankreich genauso einen positiven Reflex für Düsseldorf gibt.

Da könnte ja die anstehende Städtepartnerschaft mit Toulouse helfen ...

Ich würde mir dort ein Deutschlandfest wünschen, ähnlich wie das Frankreichfest in Düsseldorf. Bisher gibt es dort schon eine deutsch-französische Woche, die ist aber noch etwas bescheidener.

Sind Städtepartnerschaften noch zeitgemäß?

Es ist wichtig, dass die Oberbürgermeister der beiden Städte sich verstehen und die Initialzündung für echten Austausch geben. Die Stadtchefs von Köln und Lille zum Beispiel haben sich nie getroffen, das wird sich jetzt ändern. Und zwischen Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und seinem Toulouser Amtskollegen scheint die Chemie ohnehin zu stimmen.

Sie sind Oldtimer-Fan, wollen deshalb keine Abschiedsgeschenke, sondern sammeln für eine Hebebühne ...

Ich habe mir hier Jungenträume erfüllt, hatte erst einen alten Jaguar, dann kamen ein Golf-Cabrio, ein Rover-Cabrio und ein Porsche hinzu. Da muss ich viel rumschrauben, am liebsten nachts, das entspannt mich. Und all das ist ohne Hebebühne schwierig.

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