Party gestürmt - Polizei leitet Verfahren gegen Beamte ein

Gegen eine Gruppe von Düsseldorfer Polizisten wird wegen übertriebener Härte gegen Partygäste ermittelt.
Gegen eine Gruppe von Düsseldorfer Polizisten wird wegen übertriebener Härte gegen Partygäste ermittelt.
Foto: Archiv/dpa
Mit ungewöhnlichen Methoden gingen Polizisten in Düsseldorf gegen Partygäste vor, die sich den Anweisungen der Beamten widersetzt haben sollen. Erst verschafften sich die Polizisten mit einer Flex Zutritt zu der Wohnung, dann setzten sie einen Hochdruck-Wasserstrahl gegen die Partygäste ein.

Düsseldorf. Ein ungewöhnlicher Fall von möglicher Polizeigewalt beschäftigt derzeit die Staatsanwalt und eine Fachkommission der Polizei in Düsseldorf. Gegen mehrere Polizisten laufen seit Mittwoch Ermittlungen, weil sie mit übertriebener Härte gegen 19 Gäste einer Party vorgegangen sein sollen, bestätigt Polizeisprecher Markus Niesczeri auf Nachfrage. Auf einem Video sind Szenen festgehalten, die die Polizisten dabei zeigen, wie sie mit einem Wasserstrahl gegen Partygäste vorgehen. Der Fall wirft viele Fragen auf. Was ist geschehen?

Feuerwehr öffnete die Tür mit einer Flex

Im August 2013 gehen bei der Düsseldorfer Polizei vermehrt Beschwerden wegen Ruhestörung ein. Aus einer Dachwohnung schallt laute Musik. Die Wohnung sei den Beamten und den Mitarbeitern des Ordnungsamtes aus zahlreichen Einsätzen bekannt. "Als die Feiernden in der Wohnung trotz Aufforderung durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes keine Ruhe gaben und auch nicht ihre Personalien nannten, kam die Polizei dazu", erklärt Polizeisprecher Niesczeri. Den Beamten seien einige Partygäste "aggressiv" begegnet. Trotz mehrfacher Mahnung wurde den Polizisten angeblich der Zutritt zu der Dachgeschosswohnung nicht gewährt. "Eine Stahltür an der Treppe war verriegelt. Die Kollegen haben dann die Feuerwehr um Unterstützung gebeten und die Tür aufflexen lassen. Weil die Kollegen vorher schon beleidigt und bedroht wurden, sind sie davon ausgegangen, dass die Partygäste kampfbereit und möglichweise bewaffnet sind", sagt Niesczeri. Deshalb hätten sie zu einer ungewöhnlichen Methode gegriffen.

Partygäste haben die Szene gefilmt - Mann wird vom Stuhl gerissen

Die Partygäste haben das Geschehen mit einer Webcam gefilmt. Auf dem Video sieht man einige Personen lässig auf einer Couch und Stühlen sitzen. Im Hintergrund hört man die Flex. Wenig später wird es hektisch. Die Polizisten, die sich mittlerweile Zugang zur Wohnung verschafft haben, schießen mit einem Wasserstrahl auf die anscheinend friedliche Feiergesellschaft. Die dazugerufene Feuerwehr hat den Beamten dafür ein C-Rohr zur Verfügung gestellt. Ein Mann wird vom Druck des Wasserstrahls gar von einem Sitz gerissen. Außerdem scheint ein Polizist Pfefferspray einzusetzen. Polizeisprecher Niesczeri erklärt: "Die Kollegen entscheiden bei jedem Einsatz welche Vorgehensweise zielführend und am mildesten ist. Dieses Vorgehen war sicher unkonevtionell."

Nach einigen Minuten wird der Computer, der die Szene aufzeichnet, zugeklappt. Wie die Rheinische Post berichtet, wird der Ton in der Wohnung aber weiter mitgeschnitten. Demnach soll eine männliche Stimme gesagt haben: "Das war eine geile Aktion." Ein anderer: "Eines ist wichtig, dass die kleinen Arschlöcher wissen, dass man so nicht davonkommt!"

Der Düsseldorfer Polizei liegt dieses Video zwar noch nicht vor, aber aufgrund der Informationen aus den Medien hat sie ein Strafverfahren gegen die Beamten eingeleitet. Fraglich ist, warum das Video von diesem Abend erst jetzt, fast ein Jahr nach den Geschehnissen aufgetaucht ist. Nach dem Einsatz im August 2013 habe es keine Anzeigen der Privatleute gegeben.

"Auch in dem Gerichtsverfahren gegen die Partygäste, war nie die Rede von diesem Video", sagt Niesczeri. Zwei der 19 Personen, unter denen offenbar zwei Schwangere waren, kamen wegen Widerstands, Beleidigung und Bedrohung vor Gericht. Die Verfahren wurden gegen geringe Auflagen eingestellt.

 
 

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