Opfer-Familie muss nach Horror-Unfall auf Genugtuung warten

Freunde und Bekannte des Verstorbenen haben eine Gedenkstätte mit Foto am Unfallort am Hellerweg aufgestellt. Dominick, auch unter dem Spitznamen „Klausi“ bekannt, war großer Fortuna-Fan. Auf seiner Beerdigung waren etwa 800 Fans, die ihre Trauer bekundeten.
Freunde und Bekannte des Verstorbenen haben eine Gedenkstätte mit Foto am Unfallort am Hellerweg aufgestellt. Dominick, auch unter dem Spitznamen „Klausi“ bekannt, war großer Fortuna-Fan. Auf seiner Beerdigung waren etwa 800 Fans, die ihre Trauer bekundeten.
Foto: Götz Middeldorf
Nach dem tödlichen Unfall im Mai 2015 am Hellweg im Düsseldorfer Stadtteil Flingern wurde immer noch kein rechtskräftiges Urteil gesprochen.

Düsseldorf. Rund eineinhalb Jahre ist es her, dass das Cabrio, in dem Dominick Meese saß, frontal in ein Taxi krachte. Seitdem ist für die Mutter Hannelore Meese die Welt nicht mehr dieselbe. In der Nacht des Unfalls, am 9. Mai 2015, saß ihr Sohn Dominick mit drei Freunden auf der Rückbank des Wagens. Die Jungs waren auf dem Weg in die Innenstadt, der Fahrer Marco R. biegt in Flingern auf den Hellweg ein und verliert kurze Zeit später die Kontrolle über den Wagen.

Die Polizei stellt später fest, dass der damals 27-Jährige mit fast 100 Stundenkilometern in die Kurve gefahren war. Das Cabrio gerät auf die Gegenfahrbahn und kracht mit dem Heck in ein entgegenkommendes Taxi. Die Wucht des Aufpralls ist so groß, dass Dominick aus dem BMW geschleudert wird. Als die Einsatzkräfte wenig später eintreffen, finden sie ihn im Gebüsch. Für den 25-jährigen kommt jede Hilfe zu spät – er stirbt noch an der Unfallstelle.

Die Mutter des toten Dominick ist seit dem Unfall arbeitsunfähig

Ein Freund des Toten wurde bei dem Unfall schwer verletzt und sitzt seitdem mit Hirnschäden im Rollstuhl. Seit dem Unfall ist Hannelore Meese arbeitsunfähig geschrieben, der Unfall, samt des psychischen Drucks lastet immer noch auf ihr, der Familie und den Bekannten. „Abschließen kann ich mit der Sache derzeit noch nicht“, sagt sie der NRZ. Dazu trägt auch bei, dass der Fahrer des Cabrios, der für den Unfall verantwortlich ist, immer noch nicht rechtskräftig verurteilt ist. Denn nach der Gerichtsverhandlung hatte die Verteidigung des Angeklagten Revision gegen das Urteil eingelegt.

Das Düsseldorfer Amtsgericht hatte im Mai diesen Jahres entschieden, der 29-Jährige Todesfahrer müsse für 18 Monate in Haft, ohne Chance auf Bewährung. Zu wenig für die Familie und Freunde. Im Gerichtssaal gab es sogar tumultartige Szenen. Den Führerschein musste er für die kommenden zwei Jahre abgeben. Hannelore Meese sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Marco R. ist flüchtig, gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor.“ Auf Anfrage an die Staatsanwaltschaft gab Staatsanwalt Ralf Herrenbrück gestern jedoch Entwarnung: „Wir stehen in Kontakt zu Herrn R. Es liegt kein Haftbefehl gegen ihn vor.“

Der Täter stand schon vor dem Prozess um die Todesfahrt unter Bewährung

Schon vor dem Prozess um die Todesfahrt stand der Angeklagte unter Bewährung, unter anderem wegen Körperverletzung und eines Verkehrsdelikts. Umso unverständlicher ist es für die Mutter des Toten, dass es immer noch keine Fortschritte im Prozess gibt: „Dieser Mensch hat vor und nach der Verhandlung kein bisschen Reue gezeigt.“ Es sei ihr deshalb sehr schwer gefallen, ihm im Gerichtssaal ruhig gegenüber zu sitzen. Auch soll das Verhältnis des Toten und des Fahrers keinesfalls so positiv gewesen sein, wie es der 29-Jährige vor Gericht darstellte.

Psychologische Unterstützung und viel Zuspruch von Freunden und Verwandten helfen Hannelore tagtäglich über das Unglück hinwegzukommen. „Die Kraftlosigkeit begleitet mich jeden Tag, diese Unfähigkeit, wieder zurück ins Leben zu finden“, berichtet sie. Noch immer befindet sich am Unfallort eine Gedenkstätte für Dominick, die Freunde und Bekannte für ihn aufgestellt haben.