Occupy Camp Düsseldorf feierte halbjähriges Bestehen

Anabel aus Essen ist eine der “externen” Aktivistinnen, die die Demo am 15.10.2011 und das Camp mit ins Leben gerufen haben. Sie hat ein auf Deutschland gerichtetes Manifest mitverfasst.
Anabel aus Essen ist eine der “externen” Aktivistinnen, die die Demo am 15.10.2011 und das Camp mit ins Leben gerufen haben. Sie hat ein auf Deutschland gerichtetes Manifest mitverfasst.
Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.. Pünktlich zu den ersten Gitarrenklängen kommt die Sonne raus. Die Holzbänke sind noch nass, aber schon wird eine alte Sitzecke auf den Bürgersteig gestellt und die ersten Occupyer genießen den Wetterumschwung. Es ist Samstag, 14. April, 17 Uhr und das Occupy Camp feiert sein halbjähriges Jubiläum neben der Johanneskirche am Martin-Luther-Platz.

„Wir sind weniger geworden“, sagt Jonas, der seit Anfang an dabei ist und seit einem Monat im Camp wohnt, „aber im Moment wohnen ungefähr 15 Leute ständig hier.“ Der Winter war lang und kalt und hat die Gruppe zwischenzeitlich auf drei Camper reduziert, wobei tagsüber das Planen und Diskutieren immer weiterging.

Das Sturmzelt vom Speicher

Doch mit dem Frühling kamen die Camper zurück. Und genau wie die Gruppe haben sich auch die Themen erweitert. Was als Empörung über die Finanzmärkte begann, ist mittlerweile zu einer Plattform für soziale Gerechtigkeit geworden.

„Ich habe auf die Revolution gewartet!“, sagt Daniela, „mein Vater ist alter 68er und als ich ihm erzählte, ich wolle zu Occupy, hat er gleich das alte Sturmzelt vom Speicher geholt.“ Die 45-jährige hilft, wo sie kann, bei der Logistik, der Organisation im Camp oder druckt Flyer. Seit Beginn verbringt sie jede Minute im Camp. „Diese Art zu leben soll ein Zeichen setzen, dass es auch ohne Konsum geht. In fünf bis sechs Arbeitsgruppen organisieren wir Camp-Leben und Demos und entwickeln uns stetig weiter“, erklärt sie.

Seit dem 15. Oktober 2011 sind die Ziele klar gesetzt. In Spanien hat alles begonnen, aber es dauerte nicht lange bis in einer Online-Arbeitsgruppe ein auf Deutschland gerichtetes Manifest entstand.

Anabel hat es mitverfasst und gerade das Internet ist für sie dabei sehr wichtig. „Durch die Vernetzung im Internet bin ich politisch geworden. Im Internet fand ich das politische Engagement, das ich so in meinem Umfeld nicht hatte. Occupy ist für mich daher die Plattform, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und durch Vernetzung Kritik zu üben. Kritik an Globalisierung, den Finanzakteuren, der Regierung.“

Offiziell ein unbefristetes Mahnmal

Für Anabel und die anderen Occupyer hat die Kontrolle einzelner Konzerne über das Schicksal ganzer Länder nichts mehr mit Demokratie zu tun. „Wenn es den Kaiser juckt, so müssen die Völker sich kratzen“, zitieren sie in ihrem Manifest einen berühmten Düsseldorfer. Heinrich Heine drückt mit diesen Worten genau ihre Empörung über die Wirtschaftsprioritäten von heute aus.

Fünf Menschen aus Nordrhein-Westfalen brachten die Bewegung nach Düsseldorf. Dass in der Landeshauptstadt ein Camp entstehen musste, war klar. Nur wo? Hanno engagiert sich schon seit Jahren sozial und war mit seinem Niemandsland e.V. in Oberbilk ein wichtiger Ansprechpartner für die Occupyer in Düsseldorf. Sie überlegten, ob die Wiesen um den Landtag für ein Camp in Frage kommen könnten, bekamen aber schließlich Kontakt zur Kirche. Nach der ersten Demo am 15. Oktober 2011 entstanden so spontan zehn Zelte am Martin-Luther-Platz. Mittlerweile sind sie geduldet und gelten offiziell als unbefristetes Mahnmal.

„Das Camp ist eine Akademie“, sagt Hanno, „wir lernen hier, das zu leben, was wir kritisieren. ‘Versteht was euch empört und nehmt es in die eigenen Hände’ ist unsere Botschaft. Selbstkritik und Transparenz sind dabei die Basis.“ Und das Konzert am Samstag sowie das Straßenfest am Sonntag sind Teil davon.

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