NSU-Prozess wird fortgesetzt - Aussage von Carsten S. angekündigt

Carsten S. und sein Verteidiger beim vierten Verhandlungstag des NSU-Prozesses. S. hat für Dienstag eine Aussage angekündigt. Er könnte den ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben schwer belasten.
Carsten S. und sein Verteidiger beim vierten Verhandlungstag des NSU-Prozesses. S. hat für Dienstag eine Aussage angekündigt. Er könnte den ebenfalls angeklagten Ralf Wohlleben schwer belasten.
Foto: dpa
Vor dem Oberlandesgericht München hat der fünfte Verhandlungstag des NSU-Prozesses begonnen. Möglicherweise wird im Laufe des Dienstags der erste Angeklagte aussagen. Die Anwälte von Carsten S. haben bereits angekündigt, dass ihr Mandant Angaben machen will.

Düsseldorf.. Im Prozess gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) wird am Dienstag die erste Aussage eines Angeklagten erwartet. Carsten S., der zuletzt bei der Aidshilfe Düsseldorf gearbeitet hatte und bei einer Razzia im Februar 2012 in Düsseldorf festgenommen wurde, dürfte dabei den Mitangeklagten Ralf Wohlleben schwer belasten.

In seinen Aussagen gegenüber den Ermittlern hatte der 33-Jährige schwere Vorwürfe gegen den früheren NPD-Funktionär erhoben. Laut den unserer Zeitungsgruppe vorliegenden Vernehmungsprotokollen des Bundeskriminalamtes und der Generalbundesanwaltschaft beschuldigt Carsten S. Wohlleben, besonders eng mit der rechtsextremen Gruppe zusammengearbeitet zu haben.

S. und Wohlleben sind beide der Beihilfe zu neunfachem Mord angeklagt. Sie sollen im Jahr 1999 oder 2000 die Ceska-Pistole gekauft haben, mit der ab 2000 neun Einwanderer getötet wurden.

Über Monate der Kontaktmann

Schon nach seiner Verhaftung im Februar 2012 in Düsseldorf hatte Carsten S. die wichtigsten Vorwürfe eingeräumt. Im Mai war er aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Angeklagte räumte gegenüber den Behörden ein, für mehrere Monate der Kontaktmann zwischen den Flüchtigen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe und der Unterstützerszene in Jena gewesen zu sein. Wohlleben habe diese Kontakte allerdings administriert.

Carsten S. sagte zudem in den Vernehmungen, dass er die 2500 D-Mark für den Erwerb der Ceska von Wohlleben erhalten habe. Zudem sei durch seinen Mitangeklagten die Waffe nach dem Kauf überprüft worden.

 
 

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