Notdienst-System ist in der Lernphase

Hilden..  In den vergangenen fünf Jahren hätten mehr als 100 Apotheken im Kammerbezirk Nordrhein geschlossen, hatte Präsident Lutz Engelen im Januar erläutert. Die Neuorganisation soll die Zahl der Notdienste gerechter verteilen und Löcher im Versorgungsnetz verhindern. „Wichtig ist vor allem, dass sich die Entfernung der Patienten zu ihrer nächstgelegenen Notdienst-Apotheke nicht verändert.“ Tut sie aber, zumindest an bestimmten Tagen, zeigt der Praxistest.

Früher unter sich geregelt

Was bedeutet die Neuorganisation für die Apotheken vor Ort? Inge Funke ist Inhaberin der Apotheke Am Strauch in Hilden – und Sprecherin für die Apotheken in Mettmann, Ratingen und Velbert. Früher hätten die Apotheken in Hilden, Haan und Erkrath den Notdienst unter sich geregelt. Das mache jetzt eine Agentur – für ganz Nordrhein. „Sonn- und feiertags hat immer eine Apotheke in Hilden Notdienst“, erläutert Funke: „Deshalb machen wir beispielsweise in diesem Jahr doppelt so viele Notdienste (4) an Sonn- und Feiertagen wie früher (1-2).“ Dafür müssten die Kunden unter der Woche schon einmal längere Wege zur Notdienst-Apotheke in Kauf nehmen: „Das neue Notdienst-System ist noch in der Lernphase und wird weiter verbessert. Die Idee dahinter ist sehr gut.“

Wer über die Internetseite der Apothekerkammer Nordrhein eine Notdienst-Apotheke suche, solle nicht nur den Wohnort und die eigene Postleitzahl, sondern auch mal die des benachbarten Stadtviertels eingeben, rät Funke: „Düsseldorf-Benrath ist für Hildener oft näher als Haan-Gruiten.“

An Weihnachten hat die Apotheke am Strauch rund 150 Kunden im Notdienst bedient. Der Andrang könne auch mit der Notfallpraxis in Hilden zu tun haben, meint die Apothekerin: „Gefragt waren Mittel gegen Erkältung und Magen-Darm.“

Besonders ärgerlich für die Diensttuenden: „Der Kunde ruft um zwei Uhr an und schellt um 2.45 Uhr an der Tür, wenn man sich gerade wieder schlafen gelegt hat“, berichtet Funke. „Die meisten von uns müssen nach dem Nachtdienst auch in der Tagschicht arbeiten.“

Rückgang der Beschwerden

Der Seniorenbeirat der Stadt weiß von keinen neuen Beschwerden über den Apotheken-Notdienst, sagt dessen Vorsitzender Gerd Wimmershoff. Anfangs hatten sich viele Ältere beschwert. Wimmershoff führt den Rückgang der Beschwerden auch darauf zurück, dass eine ganze Reihe von Apotheken in Hilden ihre Öffnungszeiten werktags und samstags verlängert habe: „Das hat die Lage sicher entspannt. Wir schlagen vor, eine Apotheke in Hilden im Wechsel wochentags bis 22 Uhr zu öffnen.“ Der Seniorenbeirat habe auch mit Vertretern der Apothekenkammer Nordrhein geredet – ohne Erfolg. Wimmershoffs Eindruck: „Die stehen zu ihrem neuen Notdienst-Konzept und ziehen das durch.“

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