Nichts ist eindeutig - "The Turn of the Screw" in der Oper Düsseldorf

Die Sopranistin Sylvia Hamvasi (links) und Kammersängerin Marta Márquez, sowie eine Gruppe von vier Kindern, treten in der Oper auf. Am 23.4.2012 fand die Pressekonferenz zur Premiere für Brittens "The Turn of the Screw" im Opernhaus Düsseldorf statt.
Die Sopranistin Sylvia Hamvasi (links) und Kammersängerin Marta Márquez, sowie eine Gruppe von vier Kindern, treten in der Oper auf. Am 23.4.2012 fand die Pressekonferenz zur Premiere für Brittens "The Turn of the Screw" im Opernhaus Düsseldorf statt.
Foto: WAZ Fotopool

Düsseldorf.. Von wegen gepflegte Idylle! Englische Landsitze bieten den idealen Nährboden für Rätselhaftes, mysteriöse Erscheinungen, menschliche Abgründe und vielschichtigen Schauder. Sich stetig zuspitzende Spannung verspricht jedenfalls am 4. Mai, 19.30 Uhr, die Premiere „The Turn of the Screw“ im Opernhaus. An der Spannungsschraube von Benjamin Brittens Kammeroper, nach der gleichnamigen Novelle von Henry James, dreht auch diesmal der vielfach ausgezeichnete Immo Karaman. Nach „Peter Grimes“ und „Billy Budd“ die dritte Regie seines Britten Zyklus’ an der Rheinoper.

Hut ab vor den Kindern

Weit mehr als eine bloße Spukgeschichte entfalte sich aus der Grundkonstellation um eine verunsicherte Gouvernante, zwei Pflegekinder und ehemalige, inzwischen tote Angestellte, die als Geister ihren Einfluss geltend machen. Eine Aufforderung, sich den eigenen Fantasien zu stellen? Schon eher. Alle Fragen sind möglich. Eindeutige Antworten gibt es nicht!

Eine „beflügelnde Herausforderung“ sieht der deutschtürkische Regisseur darin, die Atmosphäre allgegenwärtiger Beunruhigung aufrecht zu erhalten. Er will den geheimnisvollen Sog zwischen den Figuren auf der Bühne spürbar machen. Und so Brittens suggestiven, hoch komplexen Kompositionen, belebt von 13 Musikern und sechs Solisten, gerecht werden.

12 bis 15-Jahre jung sind die vier Kindersolisten, die aus Großbritannien an den Rhein gereist sind, um im Wechsel die Protagonistenrollen von Flora und Miles in diesem schwierigen Stück um Verdrängung und Schuld zu meistern. Immo Karaman schwärmte gestern von dem „unfassbar tollen Gefühl mit Kindern zu arbeiten“ . Er lobte ihre pure Energie, ihre Lust an der Verbesserung, ihren positiven Ehrgeiz, ihren Humor und den konkurrenzfreien Einsatz. „Hut ab vor dieser Professionalität!“

Ein stickiges, modriges Haus als Kulisse

Eleanor Burke hat die Flora bereits in Venedig, London und Wien gesungen und schätzt die vielen Möglichkeiten, die Rolle zu interpretieren. Für die 15-jährige Yolanda Shamas ist es der erste Auftritt. „Eine Herausforderung“ sagt sie und ist fasziniert von der finsteren Atmosphäre auf der Bühne. „Very scary“ (sehr beängstigend), grinst Solistenkollege Kaisun Raj bestätigend, während der zwölfjährige Harry Oakes die Teamarbeit am Stück hervorhebt. Trotz Proben und Hausaufgaben - ein bisschen Zeit fürs Sightseeing, Kunst gucken in K21 und Schwimmen in Bilk hatten die jungen Sänger doch.

Derweil entwirft Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer - für seine eindrucksvolle Ausstattung von „Peter Grimes“ für den Deutschen Theaterpreis FAUST nominiert - einen unbehüteten Ort, ein stickiges, modriges Haus, das die Kinder in den Klauen hält. So stellte es Team-Partner Karaman in Aussicht.

Hörbar ist nicht zuletzt die Spirale mit katastrophalem Ausgang. Unter Dirigent Wen-Pin Chien steigert die kleine Besetzung aus 13 Symphonikern die Spannung mit Variationen eines 12-Ton-Themas., während Sopranistin Sylvia Hamvasi und Kammersängerin Marta Márquez der Rätsel-Stimmung ihre Stimmen leihen und Tenor Corby Welch den Geist Quint aus dem Off vertont..

 
 

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