Nächtlicher Kahlschlag am Martin-Luther-Platz sorgt für Ärger

Am Montag wurden trotz Proteste von Bürgern und Politikern die Bäume rund um die Johanneskirche in der Innenstadt gefällt.
Am Montag wurden trotz Proteste von Bürgern und Politikern die Bäume rund um die Johanneskirche in der Innenstadt gefällt.
Foto: WAZ FotoPool
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sind die Bäume an der Johanneskirche in Düsseldorf gefällt worden - trotz wochenlanger Proteste einer Baumschutzgruppe und von Politikern. Dafür rückten extra Kräfte eine Einsatzhundertschaft an. Die Fäll-Aktion sorgt jetzt für heftige Kritik an OB Elbers.

Düsseldorf.. Um 5.30 Uhr wurden Montagmorgen Fakten geschaffen, dann begann der Kahlschlag: Kreissägen wurden angesetzt, die Bäume an der Johanneskirche fielen. Und das geschützt von Polizisten der Einsatzhundertschaft.

Weil die Schadow-Arkaden die bestehende Tiefgarage Richtung Johanneskirche um 250 Plätze erweitern will, soll auch die von der Stadt genehmigte Fällung von 13 Bäumen notwendig gewesen sein. Das wurde Montag in aller Frühe trotz wochenlanger Proteste der Baumschutzgruppe und Politikern umgesetzt. Dabei ist noch gar nicht klar, ob die Tiefgarage überhaupt gebaut werden kann. Denn ein Gutachten steht noch aus, das über eine mögliche Gefährdung für die Johanneskirche durch die Bauarbeiten informieren soll.

Gegen 6.45 Uhr war Grünen-Chefin Mona Neubaur am Montag am Martin-Luther-Platz. Da lief die Nacht- und Nebel-Aktion schon, drei Bäume waren bereits gefallen. „Ich habe dann die anderen alarmiert“, erzählte Neubaur. Schnell waren Baumschützer vor Ort, darunter OB-Kandidatin Miriam Koch von den Grünen. Doch die sahen nur noch fallende Äste und Stämme. Die kleine Gruppe wurde von Bereitschaftspolizisten auf Abstand gehalten. Selbst Pressevertretern wurde anfangs der Zutritt bis zum Bauzaun verweigert.

"Verhältnisse wie in Russland“

Heftige Kritik gab’s an der Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU). „Was Elbers da macht sind Verhältnisse wie in Russland“, schimpfte Mona Neubaur in Anspielung auf das selbstherrliche Verhalten des russischen Präsidenten Putin. „Damit wird der Arroganz und der Ignoranz in Düsseldorf die Krone aufgesetzt.“

Was sie und Andrea Vogelsang von der Baumschutzgruppe ärgert: Im November habe man dem Oberbürgermeister einen Brief geschickt, man versuchte, ein Gespräch mit ihm zu bekommen. „Das wurde ignoriert“, so Mona Neubaur. „Wir haben als Bürger dieser Stadt vom 1. Bürger dieser Stadt einfach keine Antwort bekommen“, fügte Vogelsang hinzu.

Fassungslosigkeit über das Verhalten

„Ich bin fassungslos über das Verhalten von OB Elbers, der offensichtlich schnellst möglich Fakten schaffen lassen wollte“, zeigte sich OB-Kandidatin Miriam Koch empört. „Anstatt dem anhaltenden Protest und den offenen Fragen mit Transparenz und Beteiligung zu begegnen, ließ der OB Kettensägen sprechen.“ Elbers reagiere „arrogant, ignorant, unverschämt“.

Auch Thomas Geisel, OB-Kandidaten der SPD, versteht die Aktion nicht: „Dieses Amtsverständnis des Oberbürgermeisters kann man mit Fug und Recht als Regieren nach Gutsherrenart bezeichnen. Mit transparentem und bürgerfreundlichem Verwaltungshandeln und hat das nichts zu tun.“ Elbers ignoriere das Engagement der Baumschutzgruppe, außerdem fehle ihm die Bereitschaft grundlegende Gutachten für den geplanten Ausbau der Tiefgaragen abzuwarten.

Fakten schaffen

Für die Freien Wähler machte Reinhard Schneider klar: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass man Fakten schafft, bevor das Verwaltungsgericht entschieden hat, wer über die Bauvoranfrage befugt ist zu entscheiden: Die Bezirksvertretung oder der Planungsausschuss. Es wäre rechtsstaatlich nur allzu fair gewesen, abzuwarten, bis das Verwaltungsgericht über diese Klage im Organstreit entschieden hat: „Stattdessen schafft die Verwaltung hier Tatsachen, die auch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts nicht mehr rückgängig machen kann.“

„Fakten, Fakten, Fakten – und bloß nicht an den Bürger denken“, so kommentierte Matthias Herz, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, das Vorgehen von OB und Stadtverwaltung. „Erst werden Fakten geschaffen, dadurch erledigen sich dann die meisten Fragen von alleine – so geht Bürgerbeteiligung á la Elbers.“ Herz betonte, dass die Planung noch nicht abgeschlossen ist und statische Fragen ungeklärt sind. „Es ist ärgerlich und bedauerlich, dass hier erneut im Hauruck-Verfahren und vorbei am Bürgerwillen eine Planung zu Gunsten von Autoverkehr und Investorenwünschen durchgesetzt wurde.“

„Entsetzt über die Mentalität des Oberbürgermeisters“ ist auch die Linke: „Der OB handelt nach dem Motto ,Die Stadt bin ich’.“

 

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