Mord an Susanne Lucan könnte ungesühnt bleiben

Nach einer neu entwickelten These zum Ablauf der Tatnacht suchte im Juni 2012 eine Einsatzhundertschaft an der A 52 nach der Tatwaffe – ohne Erfolg.
Nach einer neu entwickelten These zum Ablauf der Tatnacht suchte im Juni 2012 eine Einsatzhundertschaft an der A 52 nach der Tatwaffe – ohne Erfolg.
Foto: WAZ FotoPool
Susanne Lucan wurde im November 2004 erschlagen in ihrem Bett gefunden. Ihr Ex-Freund Thomas S., heute 39, stand immer unter Verdacht. Der Prozess um Lucans Tod gestaltete sich schwierig. Nach einer Zwischenbilanz des Gerichts deuten die Zeichen eher auf Freispruch als auf eine Verurteilung hin.

Düsseldorf. Die Stimmung ist gespannt, in dem Landgerichtssaal, in dem über den Mord an Susanne Lucan verhandelt wird. Das Gericht hat eine Zwischenbilanz angekündigt. Und lässt auf sich warten. Zum ersten Mal verliert Inge Meuter, die Mutter des Opfers, die Nerven, weint. „Ich weiß ganz genau, dass er es war“, flüstert sie.

Das Gericht ist nicht so entschieden. Sondern stellt dann dar, welche Indizien für Thomas S. als Täter sprechen, aber auch, welche ihn entlasten. Und das sind einige. „Wie wir das würdigen, werden wir im Urteil sagen“, kündigte der Vorsitzende Richter Rainer Drees an.

Staatsanwalt Christoph Kumpa ist da offener. Die Beweislage könne nur einen Freispruch zur Folge haben: „Wir können die Zweifel nun mal nicht beseitigen.“ Man müsse „in dubio pro reo“ entscheiden. Er sei „von seiner Täterschaft nicht überzeugt“.

Ex-Freund von Anfang an unter Verdacht

Susanne Lucan (27) wurde am 20. November 2004 erschlagen in ihrem Bett gefunden. Ihr Ex-Freund Thomas S., heute 39, stand immer unter Verdacht. Er hatte damals eine neue Freundin, die er aber verschwieg. Erst 2012 wurde Mordanklage erhoben, im September begann der Prozess. Thomas S. hat stets beteuert, Susanne in der vermutlichen Mordnacht lebend verlassen zu haben.

Einige Punkte, die das Gericht angesprochen hat: Susanne Lucan lag im Schlafanzug im Bett. Dass lasse darauf schließen, so Richter Drees, dass sie den Täter kannte und ihm so vertraute, dass sie sich ins Bett legte. Ihre Hausschuhe standen noch im Wohnzimmer. Das lasse auf eine „atypische Situation“ schließen. Aber die Bedeutung sei „ambivalent.“

Ebenso schwer sei zu deuten, dass der Angeklagte am Abend des 20. November 2004 an ihrer Wohnung auftauchte, als andere zu ihrer Geburtstagsparty wollten, zu der er nicht geladen war. Wenn er der Täter war, habe er wohl beim Auffinden der Leiche dabei sein wollen. Doch auch seine Erklärung sei möglich: dass er ihr noch eine Wegbeschreibung für den nächsten Tag geben wollte. Womöglich hatte Susanne Lucan ihn auch einfach noch mal sehen wollen.

Indizien ergeben zum Teil wenig Sinn

Die Jogginghose mit den Blutspritzern beweise auch nichts. Drees hatte durch Ausprobieren festgestellt, dass sie auch auf dem Bett gelegen haben kann. Man hatte zunächst angenommen, der Täter müsse sie getragen haben. Das hätte Thomas S. belastet, der diese Hose stets anzog, wenn er Susanne besuchte. Doch warum habe er sie dann in der Wohnung gelassen? „Das ergibt keinen Sinn“, so Drees.

Auch die Frage des Todeszeitpunktes sei trotz der drei Gutachten nicht zu klären. Sicher sei nur, dass Susanne vor 6.30 Uhr am 20. November 2004 starb. Es gebe aber keinen Nachweis, dass sie vor 2.17 Uhr starb – als Thomas S. die Wohnung nach eigener Angabe verließ.

Der Schlüssel zu ihrer Wohnung war von außen im Schloss abgebrochen, mutwillig. Das habe wohl der Täter getan. Und so verhindert, dass die Leiche zu früh gefunden wird. Andererseits habe er sich auch selbst den Weg versperrt, um vergessene Spuren zu vernichten.

Sein Charakter spricht offenbar gegen die Täterschaft von Thomas S.

Der Charakter des Angeklagten spreche gegen ihn als Täter. Alle Zeugen hätten ihn als zurückhaltend, ja weich beschrieben. Gesagt, dass sie es ihm nicht zutrauen. Er habe sich allen Fragen gestellt, ohne Widersprüche ausgesagt.

Probleme hat das Gericht auch mit dem Motiv: „Es lässt uns ratlos.“ Die Anklage ging davon aus, Thomas S. habe die belastende Situation zwischen zwei Frauen beenden wollen. „Dass es so eskaliert, drängt sich uns nicht auf.“ Dass Susanne Lucan eine Klärung verlangt haben könnte, ergebe „kein Motiv, sie zu erschlagen“, so Drees.

Inge Meuter sieht hier aber doch ein Motiv. Nach der Zwischenbilanz ist sie gelöster. Ihre Tochter habe von der anderen Frau erfahren. Das hatten zwei Freundinnen von Susanne berichtet. Ihre Mutter glaubt, Susanne habe Thomas S. gedroht, seiner neuen Freundin alles zu verraten. Mit einem möglichen Freispruch könne sie aber leben: „Mir war nie wichtig, dass jemand bestraft wird. Ich wollte nur Klarheit. Er muss mit der Schuld leben.“ Am 11. Dezember wird wohl das Urteil folgen.

 
 

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