Mitgliederschwund bei den Kirchen

Kreis Mettmann.  Mitgliedschaft ade: Immer wieder kommt es vor, dass Katholiken wie Protestanten ihrer Kirche den Rücken zukehren und austreten. Ein Trend, den es auch im Kreis Mettmann gibt. Bemerkenswert ist das also zunächst nicht. Doch dann kam der Oktober: Im zurückliegenden Monat verzeichneten die zuständigen Amtsgerichte im Kreis einen zum Teil drastischen Anstieg bei den Kirchenaustritten.

„Im Oktober sind 90 Katholiken und 32 Protestanten aus ihrer Kirche ausgetreten“, sagt Monika Berger, Richterin am Amtsgericht Langenfeld, in dessen Zuständigkeit die Städte Langenfeld, Monheim und Hilden fallen. Zahlen für November liegen noch nicht vor.

Zum Vergleich: Zwischen Januar und September kündigten pro Monat im Durchschnitt 25 Protestanten und 21 Katholiken ihrer Kirche die Mitgliedschaft auf. „Bei den Katholiken hat sich also in unserem Zuständigkeitsbereich die Zahl der Austritte im Oktober im Vergleich zu den Monaten davor mehr als vervierfacht“, erläutert Berger.

Über die Gründe für diese Entwicklung kann nur spekuliert werden. Naheliegend ist, dass nach dem Missbrauchsskandal nun die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bei vielen das Vertrauen in die Kirche derart erschüttert ist, dass sie daraus Konsequenzen ziehen - und gehen.

„Einen Trend für gravierend mehr Kirchenaustritte als sonst üblich kann ich aktuell bei uns nicht ausmachen“, sagt indes Thomas Künzel. Der Direktor beim Amtsgericht Mettmann, das für die Städte Mettmann, Wülfrath, Erkrath und Haan zuständig ist, nennt Zahlen. Danach sind im Oktober 40 Kirchenmitglieder ausgetreten, 28 davon auf katholischer Seite. Im September waren es 29 Kirchenaustritte (darunter 15 Katholiken) und im August 51 (21 Katholiken und 30 Protestanten).

„Insgesamt gibt es bei den Kirchenaustritten starke Schwankungen“, so Künzel. Zu beobachten sei, dass im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Mettmann eher Protestanten als Katholiken der Kirche den Rücken zukehrten.

Die Kirchen schauen dieser Entwicklung nicht tatenlos zu. „Wir wollen mit dem Menschen im Gespräch bleiben, fragen nach den Gründen für ihre Entscheidung und versuchen ihn in die Gemeinde zurückzuholen“, sagt Diemut Meyer, Öffentlichkeitsreferentin beim Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann. Sie hat festgestellt, dass viele der Ausgetretenen nicht mehr zwischen den Konfessionen unterscheiden. Da nehme etwa ein Protestant Vorfälle in der katholischen Kirche zum Anlass, um seinem Unmut gegen Amtskirchen im Allgemeinen Luft zu machen und auszutreten. Entscheidungen, die kirchenintern für viel Ratlosigkeit sorgen.

„Die Kirchen leisten auf vielen Ebenen Vorbildliches“, sagt Meyer und verweist auf beliebte Kindertageseinrichtungen oder gern angenommene Angebote etwa im Bildungsbereich oder auch bei der Trauerbegleitung. „Solche Angebote sind mittelfristig nicht mehr finanzierbar, wenn die Kirchensteuereinnahmen durch die Austritte drastisch zurückgehen werden.“