„Metropolen brauchen Fußgängerzonen“

Jo Achim Geschke
Makler (vl) Marcel Abel und Andreas Siebert von Jones Lang LaSalle
Makler (vl) Marcel Abel und Andreas Siebert von Jones Lang LaSalle
Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.  Wie soll die Schadowstraße aussehen, wenn keine Straßenbahn mehr dort rollt? Die Stadtverwaltung schlägt wie berichtet vor, zwischen Jacobistraße und Berliner Allee auch Fahrräder zuzulassen und in einer Richtung auch Autos, dazu breite Fußgängerwege. Die NRZ sprach mit Marcel Abel und Andreas Siebert vom internationalen Immobilienbüro „Jones Lang LaSalle“ darüber, was Einzelhändler von einer solchen Einkaufsstraße erwarten und wie eine Fußgängerzone aussehen sollte. Beide Experten sprachen sich bereits für eine reine Fußgängerzone aus.

NRZ: Warum wollen Sie Autos und Fahrräder aus der neuen Schadowstraße verbannen?

Andreas Siebert: „Düsseldorf als Metropole weist im Innenstadtbereich, verglichen mit anderen Metropolen Deutschlands, eine nur überschaubare Zahl Fußgängerbereiche auf. Nun hat die Stadt durch Kö-Bogen und Wehrhahnlinie, durch die Untertunnelung und den Abriss des Tausendfüßlers eine Chance, die Schadowstraße zur vollständigen Fußgängerzone einer Metropole zu machen. Dadurch würden sich noch mehr internationale Filialisten in diesem Bereich ansiedeln, was zu einer erhöhten Attraktivität Düsseldorfs führen würde. Im gesamten Einzugsgebiet der Stadt leben ja 11,4 Millionen Menschen!“

Marcel Abel: „Auch bei den Düsseldorfer Jonges haben sich bei einem Informationsabend fast alle Tische für eine reine Fußgängerzone ausgesprochen.“

Warum würden sich bei einer reinen Fußgängerzone bekannte große Marken dort ansiedeln?

Siebert: „Sieht man sich die letzten zehn Jahre die Mietstruktur an, dann fällt auf, dass internationale Filialisten sich vor allem auf den Fußgängerzonenbereich konzentrieren. Zwischen Kö und P&C war bisher der Bereich, in dem sich alle internationalen großen Unternehmen ansiedeln wollten. Viele haben ihre Überlegungen zur Anmietung zurück gestellt, weil es an Angeboten mangelte. Für die wäre eine Schadowstraße als reine Fußgängerzone wesentlich interessanter als eine Straße, von der man am Ende noch nicht weiß, ob es eine funktionierende Fußgängerzone wird. Oder wird die Störung durch die gemeinschaftliche Nutzung auch die Handelssituation beeinträchtigen? Und Düsseldorf steht ja immer auch im internationalen Wettbewerb, wenn es darum geht, in welcher Stadt investieren Händler Geld, um ein neues Haus zu eröffnen. „

Wie sieht die gemeinschaftliche Nutzung aus Investorensicht aus?

Siebert: „Positiv ist, dass die Bereiche für Fußgänger verbreitert werden. Zweitens, dass man den Bereich für Pkw und Radfahrer überqueren kann, der Niveau-Unterschied zwischen Fahrbahn und Gehweg soll ja nur drei Zentimeter betragen. Aber dadurch wird zumindest psychologisch ein Überschreiten der Seiten erschwert. Wenn ich jederzeit damit rechnen muss, dass von vorne oder hinten ein Auto oder ein Radfahrer kommt, dann stellt das definitiv ein Hindernis dar. Aber eine Fußgängerzone bedeutet, dass beide Seiten gleich stark sind, dass beide Seiten eine Magnetfunktion ausüben können, durch die Ansiedlung von Mietern, die es eben nur in den Top-Standorten gibt. Und die ja auch kostenintensive Stores eröffnen - das wird zumindest durch diese Lösung gehemmt.“

Wie ist es heute?

Abel: „Heute gibt es eine starke und eine etwas schwächere Seite auf der Schadowstraße. Aber wie wirkt sich das aus, wenn Primark dort jetzt eröffnet? Dann haben wir wahrscheinlich zwei starke Seiten. Dann ist es umso wichtiger, dass man die Straße ohne Probleme queren kann.“

Siebert: „Die heutige rechte Seite ist ja die stärkere, weil dort die großen Kaufhäuser sitzen wie C&A, Kaufhof und Karstadt. Die linke Seite wird durch Ansiedlung von Primark stärker. Die Möglichkeit, neue, starke Mieter hierher zu bekommen, werden umso besser, wenn die den Eindruck haben, dass es auch auf der linken Straßenseite eine starke Kundenfrequenz gibt.“

Kann auch die Zufahrt zu den Parkhäusern anders gelöst werden?

Abel: „Momentan wird die Stichstraße von der Liesegang- über die Einkaufsstraße zur Bleichstraße nur für das Parkhaus genutzt. Die Büronutzer fahren morgens und abends, es gibt keinen großen Pendelverkehr. Auf der Goldsteinstraße (die Abfahrt vom Parkhaus) haben wir ja auch nicht mehr so viele Wohnungen und mehr Büros. Klar ist, dass wir gute Tiefgaragen brauchen für einpendelnde Kunden. Diese Tiefgarage hat das Potenzial zum Komfortparken, nämlich Schrägparken, Handyempfang, Frauenparkplätze. Man braucht aber diese Stichstraße nicht mehr. Es würden zwischen 800 und 1000 Euros pro Tag mehr Umsatz geben ohne diese Stichstraße.“

Und die Anlieferung ?

Abel: „Sie müssen auch beim Dreischeiben-Haus entweder an der Kö aussteigen oder sie fahren über den Tunnel in die Tiefgarage.“

Siebert: „Den Anlieferverkehr kann man hier regeln wie in jeder anderen Fußgängerzone, wie in der Flingerstraße etwa. Das funktioniert doch hervorragend. Da muss man nur regeln, zu welchen Zeiten eine Lieferung erfolgen soll.“

Wie kann denn Gastronomie bei den Preisen dort angesiedelt werden?

Siebert: „Nur shoppen, ohne Gastronomie, da fehlt was. Es gibt keine gute Einkaufslage ohne Gastronomie. Eine Lösung ist, das ein Betreiber in ein klassisches Handelshaus geht. Es wird hier keine zehn Cafés geben, aber es gibt bereits Anfragen von Interessenten, die können auch die entsprechenden Mieten bezahlen. Dazu kommt, dass im Kö-Bogen, im Dreischeiben-Haus und bei Primark Menschen arbeiten werden, die wollen auch essen gehen.“